Nachruf Abschied vom Anarcho-Franken

Mit dem derben Dampfplauderer Bembers hat Roman Sörgel eine Kult-Figur geschaffen, an der sich die Geister schieden. Die Fäden seine Karriere als Hardcore-Comedian liefen im Landkreis Coburg zusammen.

Deftig, derb und gar nicht woke: Bembers bei seinem letzten Auftritt in Coburg im Sommer 2020. Foto: Dieter Ungelenk

„Der Mensch ist grundsätzlich ein Arschloch, aber es gibt auch ein paar, die sind keine. Und für die mach’ ich das, damit die auch was zu lachen haben“. Im Interview mit der Neuen Presse brachte Roman Sörgel alias Bembers im Oktober 2011 seine Motivation mit der ihm eigenen Unverblümtheit auf den Punkt. Da war der bärige Vollfranke gerade auf dem Sprung vom You-Tube-Geheimtipp zum Comedy-Shootingstar und hatte mit seiner Band „The Masserfaggers“ über Nacht die Download-Charts gestürmt.

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Mit seinen provokanten Sprüchen und dem tiefergelegten Brachial-Humor polarisierte der studierte Grafik-Designer – und schuf mit dem derben Dampfschmarrer Bembers eine Kult-Figur, die es bis in den Franken-Tatort brachte. „Wahrscheinlich möchten viele Leute gern so sein wie der Bembers, der grad raus sagt, was er denkt. Aber das dürfen die nicht. Politiker reden eine halbe Stunde und sagen nix, der Bembers redet drei Minuten und sagt was“, erklärte er im NP-Gespräch seinen Erfolg.

Schubkraft bekam die Karriere des Nürnberger Südstadt-Unikums auch aus dem Coburger Land: Die Ebersdorfer Agentur Streckenbach übernahm das Management und befreite ihn aus dem „Verwaltungssumpf“, sehr zu seiner Erleichterung: „Ich kann das machen, was der Bembers eigentlich machen muss und will: kreativ sein und lustig sein“. Das wollte er auch nach der Corona-Pause, unter anderem beim Heldritter Kabarettsommer 2023 und im Herbst in der Zecherhalle Stockheim.

Doch das verspätete Best-Of-Programm zum zehnjährigen Bühnenjubiläum „An der Spitze der Nahrungskette“ wird es nicht geben: Am 8. Januar ist Roman Sörgel im Alter von 56 Jahren gestorben, nach Medienberichten an Multiorganversagen. Zwar hatte er schon im September alle Termine bis auf Weiteres abgesagt und über Facebook wissen lassen: „Mir hat es vor ein paar Tagen komplett die Sicherung rausgeschossen und mein Hirn läuft nur noch auf Notstrom“.

Die Nachricht seines plötzlichen Todes überraschte und schockierte seine Fans und Mitstreiter dennoch. „Wir trauern um einen wunderbaren Kollegen und großherzigen Freund, der viel zu früh gegangen ist“, erklärte das Team der Agentur Streckenbach, das sich auf seiner Website von einem „Bruder im Geiste“ verabschiedet: „Gute Reise, Commander!“

Sein menschenfreundliches Gemüt verbarg Sörgel als Bembers hinter einer raubauzigen Prollfassade und einer provokanten Performance, die Feingeister verschreckte und dem Publikum einige geschmackliche Elastizität abverlangte. Sein plastisch-drastischer Erzählstil lebte von der Liebe zum oft unappetitlichen Detail und scheute vor keiner Gürtellinie zurück. Unbelastet von woken Regeln politischer Korrektheit und sprachlichlicher Sensibilität plauderte Bembers aus dem entschleunigten Dasein eines genussfreudigen Bohemien und schwadronierte in seinen aberwitzig eskalierenden Sketchen gegen Spießertum und Heuchelei.

Dabei zeigte der Hardcore-Humorist politisch klare Kante und wetterte gegen rechtsradikale „Flachwichser“ und „grenzdebile Kampfhundbesitzer“. Als Multikulti-Franke freute es Bembers, dass in seinem Kiez 130 Nationalitäten friedlich zusammenleben, erklärte er bei seinem letzten Coburg-Gastspiel im August 2020 im Amphitheater am Kunstverein. Der NP-Chronist mutmaßte denn auch, hinter der groben Show stecke „ein Schaf im Wolfspelz. Oder gar ein Undercover-Gutmensch?“