Kultur in Coburg Trauer um Oskar Ohler

Alois Schnitzer

Der Verleger und Literaturfreund hat das städtische Kulturleben vier Jahrzehnte lang geprägt. Jetzt ist er im Alter von 89 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

2018 ernannte Irmgard Clausen Oskar Ohler zum Ehrenmitglied von „Coburg liest“. Foto: NP-Archiv/Dieter Ungelenk

Oskar Ohler hat das Coburger Kulturleben geprägt wie nur wenige. Er war Mitbegründer des Literaturkreises, Initiator der Literaturtage und des Coburger Rückert-Preises. Im Alter von 89 Jahren ist er am 24. März nach langer Krankheit gestorben.

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Vor allem auf Oskar Ohlers Initiative hin wurde im Herbst 1983 der Coburger Literaturkreis gegründet, zu dessen ersten Vorsitzenden er gewählt wurde. Der neue Verein sollte durch Autorenlesungen und andere Veranstaltungsformen die Beschäftigung mit der Literatur fördern. Das Konzept erwies sich als sehr erfolgreich. Im Lauf der Jahre kamen eine Vielzahl von Autorinnen und Autoren nach Coburg wie etwa Martin Walser, Lew Kopelew, Tankred Dorst, Friedrich Christian Delius oder Monika Maron.

Russische Autoren in Coburg

1989 zog sich Oskar Ohler vom ersten Vorsitz zurück, blieb aber als zweiter Vorsitzender und später Ehrenvorsitzender des Literaturkreises weiterhin stets auf der Suche nach neuen Projekten. So entstanden im Kontakt mit anderen Kulturträgern 2004 die Coburger Literaturtage mit dem Namen „Coburg liest!“ Alljährlich finden seitdem rund um den „Welttag des Buches“ am 23. April eine Reihe von Veranstaltungen statt, die die verschiedensten Formen von Literatur präsentieren.

Mit weiteren Initiativen wollte Oskar Ohler einen Beitrag zum besseren Verständnis der verschiedenen Kulturen leisten. So holte er gerne russische Autoren nach Coburg, und so entstand auf sein Drängen auch der Coburger Rückert-Preis. Er wird seit 2008 in Erinnerung an den Orientalisten und Sprachforscher Friedrich Rückert an Autorinnen und Autoren aus dem Nahen und Mittleren Osten verliehen. In diesem Jahr geht er an Agi Mishol, eine der populärsten Lyrikerinnen in Israel, und ihre Übersetzerin Anne Birkenhauer.

Oskar Ohlers Vermächtnis

Der Coburger Literaturkreis löste sich 2021 auf. Die ehemaligen Vereinsmitglieder treffen sich aber nach wie vor regelmäßig zu Diskussionen über aktuelle Themen aus dem Bereich der Literatur.

Die Coburger Literaturtage tragen Oskar Ohlers Vermächtnis weiter und gehen 2025 in die 22. Runde. Melanie Raabe wird am 24. April bei Leise am Markt ihren Roman „Der längste Schlaf“ vorstellen, den Roman-Marathon am 26. April in der Reithalle gestalten Daniel Alvarenga, Amira Ben Saoud und Ralf Westhoff.