Latif spricht aber angesichts der Bilder von einem erschreckenden Szenario. „Tornados haben immer ein enormes Schadenspotenzial.“ Kiel sei noch glimpflich davongekommen. „Tornados sind zwar kleinräumig. Sie können aber ganze Straßenzüge verwüsten, wenn man Pech hat, und dann können auch Menschen ums Leben kommen“, sagte Latif. „Wenn sie auf dem Wasser auftreten, ist das wie eine glückliche Fügung, wenn dort nicht gerade ein Schiff fährt.“ Insofern hätte alles noch schlimmer ausgehen können. „Glück im Unglück, würde ich sagen.“ Die Fähre in Richtung Göteborg legt in Kiel täglich gegen 18.45 Uhr ab - kurz davor wütete am Mittwoch der Tornado.
Tornados nicht vorhersehbar
Das Problem bei Tornados sei, dass man sie überhaupt nicht vorhersagen könne, sagte Latif. „Bei entsprechender Wetterlage können sie immer entstehen.“ Am 5. Mai 1973 war ebenfalls ein Tornado durch Kiel gefegt - damals allerdings durch die Innenstadt. Ein Mensch starb, es gab mehr als 100 Verletzte. Der Sturm richtete Schäden von etwa 15 Millionen Euro an, betroffen waren auch der Kieler Hauptbahnhof und das Werftgelände.
Axel Harms erlebte den damaligen Tornado in seiner Obergeschoss-Wohnung im Stadtteil Hassee am eigenen Leib. „Das Ganze hat vielleicht zwei, drei Minuten gedauert“, sagte der 74-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. „Aber der Schaden war immens.“ Der Tornado sei durch Küche, Flur, Schlaf- und Wohnzimmer gefegt. „Die Schlafzimmertür hatte einen Glasausschnitt, der natürlich kaputt ging. Die Scherben sind natürlich ins Kinderbett geflogen.“ Gemeinsam mit seiner Frau habe er die Scherben aus dem Gesicht seiner dort schlafenden Tochter Nicole entfernt. Seine Familie habe den Tornado heil überstanden, auch die kleine Tochter habe keine Schramme erlitten.