Naturparkzentrum Haßberge Kostensteigerung von 59 Prozent

und Christian Licha
Das Naturparkzentrum soll in Königsberg unweit des Stadtzentrums entstehen. Nun wird es weit teurer als gedacht. Foto: /René Ruprecht

Das Naturparkzentrum Haßberge wird teurer – viel teurer. Schuld sind massiv gestiegene Baukosten. Nun soll der Landkreis in die Bresche springen.

Nach dem Baumwipfelpfad in Ebrach und dem Steigerwaldzentrum in Handthal soll auch der Naturpark Haßberge sein eigenes Zentrum bekommen. Da der Landkreis Haßberge mit einem Gebietsanteil von 65 Prozent den größten Flächenanteil am Naturpark hat, wird es im Heimatkreis errichtet werden, worauf sich die beteiligten Landkreise Rhön-Grabfeld, Bamberg, Schweinfurt und Haßberge schnell geeinigt hatten. Aus den Bewerbern Hofheim, Ebern und Königsberg wiederum hatte dann Königsberg den Zuschlag erhalten: Hier, hinter der alten Stadtmauer in Zentrumsnähe, soll das Projekt entstehen. So weit, so gut. Allerdings wird es wohl weit mehr kosten, als ursprünglich gedacht.

Die Förderrichtlinien sehen eine Zuweisung von 50 000 Euro für die Entwicklung und Konzeption vor, mit einem Fördersatz von 50 Prozent; ein einmaliger Betrag von bis zu zwei Millionen Euro kann für den Bau des Zentrums selbst beantragt werden, der Betrieb des Zentrums wiederum mit bis zu 200 000 Euro jährlich bezuschusst werden. Der Kreistag hat in seiner Sitzung im März 2021 den Beschluss gefasst, den Eigenanteil und die Mehrkosten, welche die Förderhöchstgrenze übersteigen, für die Errichtung des Naturparkzentrums in Königsberg zu übernehmen. Der damalige Kreiskämmerer Marcus Fröhlich hatte den Kreistagsmitgliedern damals eine Kostenschätzung vorgelegt: Die Kalkulation, eine Grobschätzung basierend auf der Grundlage der von der Tourismus- und Regionalberatung BTE (Nürnberg) erstellten „Konzeption für die Naturparkzentren in Bayern“ von 2018/2019 und den vorläufigen Planungen des Gebäudes, sah Investitionskosten von rund 2,5 Millionen Euro vor. Bei einer Festbetragsfinanzierung durch den Freistaat Bayern in Höhe von zwei Millionen Euro hätte, so die damalige Hochrechnung, ein Eigenanteil von 545 425 Euro für den Landkreis Haßberge und die Stadt Königsberg verbleiben müssen, wobei der Landkreis eine Kostenbeteiligung der Stadt Königsberg von 50 Prozent anstrebt.

In Königsberg zeigte man sich daher bedacht darauf, die Kosten nicht übermäßig in die Höhe schnellen zu lassen. Darauf wolle die Stadt achten, so Bürgermeister und CSU-Kreisrat Claus Bittenbrünn in der damaligen Kreistagssitzung. Bedenkenträger kamen überdies aus dem nördlichen Landkreis: Neben Eberns Bürgermeister und SPD-Kreisrat Jürgen Hennemann, der das Zentrum lieber in seiner Stadt gesehen hätte, mutmaßte auch sein Parteikollege, der Untermerzbacher Bürgermeister Helmut Dietz, dass die Summe angesichts der exorbitanten Preissteigerungen im Bauwesen am Ende nicht ausreichen werde. Für ihn schien eine Deckelung sinnvoll. Man wolle die Kosten im Auge behalten, so Landrat Wilhelm Schneider (CSU) damals, was sich aber niemals voll in den Griff bekommen lasse.

Bei der Kalkulation der Investitionskosten, die dem Landkreis einen Eigenanteil von rund 545 000 Euro prophezeit hatten, ging man von Baukosten in Höhe von 2700 Euro je Quadratmeter aus sowie einer Kostensteigerung von maximal 15 Prozent. Nach Ausschreibung der Hauptstudie und den ersten Gesprächen mit den Architekten konnten die aktuellen Baupreise (Stand Frühjahr 2022) nun in die aktuelle Berechnung einfließen – und sie versprechen nichts Gutes. Die 2700 Euro je Quadratmeter müssen korrigiert werden auf bei Baubeginn 2023 vermutlich 4300 Euro je Quadratmeter. Beinahe doppelt so viel wie ursprünglich gedacht. Das wiederum schraubt die Gesamt-Investitionssumme von bisher kalkulierten 2 545 425 Euro auf nunmehr stolze 3 151 500 Euro in die Höhe – Mehrkosten von beinahe eineinhalb Millionen Euro.

Wie konnte es zu einer so massiven Erhöhung kommen? „Die Kostensteigerung ist ausschließlich den gestiegenen Baupreisen geschuldet“, erklärt Kreiskämmerer Tim Kestel. 59 Prozent Kostensteigerung hätten an Stelle der 15 Prozent eingeplant werden müssen, um bereits in der ersten Kostenschätzung, die beim Kreistagsbeschluss am 15. März 2021 vorgelegt wurde, den heutigen Kostenrahmen zu erreichen, so Kestel. Und: „Eine solche Steigerung war nicht vorhersehbar.“

Die Summe, welche die Förderhöchstgrenze übersteigt, hatte der Kreistag bereits im März 2021 beschlossen zu übernehmen; nun muss er noch einmal nachlegen. Aktuell errechnet sich dabei ein Betrag von 1 151 500 Euro. Der vorberatende Kreisausschuss beschloss am Montag, dem Kreistag die gesteigerte Kostenübernahme zu empfehlen. Eine Kostenverteilung zwischen der Stadt Königsberg und dem Landkreis bleibt davon unberührt.

Laut Landrat Wilhelm Schneider will man sich unabhängig davon für eine Erhöhung der Festbetragsfinanzierung durch den Freistaat einsetzen. Mit dem Bau soll im kommenden Jahr begonnen werden, soweit das Förderverfahren es zulässt.

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