Neue Anlaufstelle in Coburg Landkreis unterstützt Social Start-ups

Mit dem Regionalzentrum Oberfranken schafft der Landkreis Coburg eine Anlaufstelle für Gründungen mit gesellschaftlichem Mehrwert. Wie die Begleitung konkret aussehen soll.

Auftaktveranstaltung fürs Regionalzentrum Oberfranken: Vorträge inspirierten, Kontakte wurden geknüpft, Ideen entwickelt. Foto: Landratsamt Coburg

Sozial, nachhaltig, wirkungsvoll: Wer ein Star-tup mit solch gesellschaftlichem Mehrwert gründen will, kann sich künftig an den Landkreis wenden, der das neue Regionalzentrum Oberfranken gestartet hat. Laut Landratsamt soll es sich dabei um eine Anlaufstelle handeln, über die die Wirtschaftsförderung als Teil des bayernweiten Netzwerks „Social-Start-up-Hub Bayern“ künftig Gründer individuell begleiten, neue Veranstaltungsformate und praxisnahe Angebote schaffen will.

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„Ziel ist es, Gründende für wirkungsorientiertes Unternehmertum zu sensibilisieren, beim Aufbau tragfähiger Geschäftsmodelle zu begleiten sowie den Zugang zu Netzwerken, Fördermitteln und Kundinnen und Kunden zu erleichtern“, heißt es in der Mitteilung. Ein besonderes Vorhaben sei die Einrichtung eines Popup-Stores im kommenden Winter: Für drei Monate werde im Coburger Land den Social Start-ups ein leerstehender Gewerberaum von der Wirtschaftsförderung als Co-Working- und Präsentations-Fläche zur Verfügung gestellt. „Das kostenfreie Angebot soll diese Art von Existenzgründung in der Region stärken sowie für Kunden und Geschäftspartner sichtbarer machen“, so das Landratsamt. Interessierte Gründerinnen und Gründer, deren Geschäftsmodell ökologisch, sozial oder gesellschaftlich Wirkung entfaltet, könnten sich bereits jetzt bei der Wirtschaftsförderung des Landkreises melden.

Anbindung an bestehende Formate

Gründungsberater Florian Eckardt aus deren Team begleitet das neue Angebot. Neben individueller Unterstützung sei die Anbindung an bestehende Formate wie den Treff „Zünder für Gründer“ geplant. Auch Informationsveranstaltungen – zum Beispiel für nachhaltige Themen aus dem Versorgungs- und Lebensmittelbereich oder dem sozialen Spektrum – sollen in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern entwickelt werden.

Social Start-ups sind Unternehmen, die wirtschaftliches Handeln mit sozialem oder ökologischem Nutzen verbinden. Sie entwickeln neue Ansätze für gesellschaftliche Herausforderungen oder nachhaltige Lösungen für Umweltfragen. Wichtig dabei sei laut der Mitteilung, dass sich die jungen Unternehmen wirtschaftlich selbst tragen. Der Social-Start-up-Hub Bayern unterstützt das.

Die Nachfrage bei der Auftaktveranstaltung für das Regionalzentrum Oberfranken in Rödental habe gezeigt, „dass wir uns mit unserer Wirtschaftsförderung auch hier um ein wichtiges Gründungsthema in der Region Coburg kümmern“, wie der Leiter der Wirtschaftsförderung des Landkreises, Martin Schmitz, sagte.

Virtual Reality in der Pflege

Zur Zielgruppe des neuen Angebots gehörten Unternehmen wie „VR Blick“. Volker Lieber, Mitgründer dieses Social-Start-ups mit Sitz in der Digitalen Manufaktur in Rödental, stellte in seinem Beitrag vor, wie virtuelle Erinnerungsräume in der Pflege die Lebensqualität älterer Menschen bereichern können. Die Existenzgründer nutzten Virtual Reality, um Menschen mit Demenz Zugang zu emotional bedeutsamen Erinnerungen zu ermöglichen – ein Ansatz, der sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch im privaten Umfeld Anwendung finden könne, so das Landratsamt.

Yola Klingel, Geschäftsführerin der Adalbert-Raps-Stiftung, habe Anknüpfungspunkte zu dem eigenen Förderprogramm „Helden der Heimat“ gesehen. Dabei sei deutlich geworden, dass gerade auch im Bereich der Gemeinnützigkeit Stiftungen als „Möglichmacher“ eine gute Rolle einnehmen könnten – insbesondere im ländlichen Raum.

Social Start-ups gab es schon früher

Landrat Sebastian Straubel betonte in seinem Grußwort die historische Verbindung zwischen sozialem Engagement und unternehmerischem Handeln: „Social Start-ups – so nennt man sie heute – sind eigentlich gar nichts Neues. Werfen wir einen Blick zurück auf die Genossenschaften nach Raiffeisen: Auch damals taten sich Menschen zusammen, um wirtschaftliche Kraft mit sozialen Anliegen zu verbinden.“

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion lag der inhaltliche Schwerpunkt auf der gemeinsamen Erörterung passender Rahmenbedingungen für eine lebendige Wirkungskultur im ländlichen Raum. Intensives Netzwerken und ein lebendiger Austausch hätten laut Landratsamt die Auftaktveranstaltung geprägt, wobei bereits erste zukünftige Inhalte und Ideen für das neue Regionalzentrum Oberfranken gefunden worden seien.