Gewaltige Materiestrahlen entstanden schon vor langer Zeit
„Bislang dachten wir, die besonders großen Jets seien ein Phänomen im heutigen Kosmos“, erläutert Oei. Doch „Porphyrion“ zeige, dass es solche gewaltigen Materiestrahlen bereits vor langer Zeit gegeben habe.
Damit hätten die Jets auch Auswirkungen auf die kosmische Entwicklung gehabt. „Jeder Ort im Universum“, so Oei, „könnte zu irgendeinem Zeitpunkt durch die Aktivität von Schwarzen Löchern beeinflusst worden sein.“
Nur die Spitze eines Eisbergs
Die Entdeckungen von LOFAR sind vermutlich nur die Spitze eines Eisbergs. „LOFAR hat erst 15 Prozent des Himmels abgesucht. Und diese Jets sind schwierig zu finden“, betont Oei. „Wir glauben daher, dass es noch viel mehr dieser Giganten da draußen gibt.“
Die Entdeckung der gewaltigen Jets könnte auch dazu beitragen, ein kosmisches Rätsel zu lösen: nämlich, woher die Magnetfelder von Sternen und Planeten ursprünglich stammen. Möglicherweise, sagt Oei, stammen sie von den großen Schwarzen Löchern und die Jets haben sie in die Weiten des Kosmos hinausgetragen.
Info: Schwarze Löcher
Black whole
Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass der Begriff Schwarzes Loch allgemein eingeführt wurde. Der US-Physiker John Archibald Wheeler suchte im Jahr 1967 bei einer Konferenz ein Ersatzwort für den englischen Zungenbrecher Gravitationally completely collapsed object. Kurzerhand nahm er den Vorschlag eines Zuhörers auf, der solche Phänomene Black whole nannte. Wie sie sich das eigentlich Unsichtbare vorstellen müssen, wissen Forscher inzwischen sehr genau: als einen grellen hellen Ring rund um einen schwarzen Kreis. Der Ring stellt Gas und Staub dar, die von dem schwarzen Loch extrem beschleunigt und schließlich verschlungen werden.
Kosmische Allesfresser
Schwarze Löcher sind die schwärzesten Körper, die wir kennen. In ihnen soll sich ein Großteil der dunklen Materie verbergen. Diese seltsame Materieform leuchtet nicht, sie absorbiert auch kein Licht. Mit normaler Materie tritt sie praktisch nur über ihre Schwerkraft in Wechselwirkung, über die dieser überwiegende Teil der Galaxis bemerkbar wird. Indirekte Methoden belegen zweifelsfrei die Existenz dieser kosmischen „Allesfresser“.
Orte kosmischer Extreme
Schwarze Löcher sind Orte kosmischer Extreme. Die Materie ist in ihnen so stark zusammengepresst, dass nichts ihrer enorm hohen Anziehungskraft entkommt. Die Fluchtgeschwindigkeit im Inneren eines schwarzen Lochs liegt über der Lichtgeschwindigkeit. Daher dringt nicht einmal das Licht selbst nach außen.
Unsichtbares sichtbar machen
Schwarze Löcher sind also quasi unsichtbar. Wie lassen sich Schwarze Löcher dann beobachten? Zwar sind sie selbst unsichtbar, verraten sich jedoch über die Materie, die sie verschlucken. Wegen der extrem starken Schwerebeschleunigung heizt sich Materie, die in ein Schwarzes Loch fällt, auf Millionen Grad Celsius auf und gibt Energie als Röntgenstrahlung ab. Dieses charakteristische Leuchten können dann Röntgenteleskope registrieren.
Ereignishorizont
Viele Schwarze Löcher verleiben sich neue Materie ein. Diese Materie fällt aber nicht auf direktem Weg ins Schwarze Loch. Stattdessen sammelt sie sich auf einer immer schneller rotierenden Scheibe – ähnlich wie Wasser in einem Strudel aus der Badewanne fließt. In dieser sogenannten Akkretionsscheibe wird die Materie durch gegenseitige Reibung Millionen Grad heiß und leuchtet dadurch hell auf, bevor sie im Schlund des Schwerkraftmonsters für immer verschwindet. Die Innenseite dieses Rings markiert den sogenannten Ereignishorizont, der dem Projekt seinen Namen gab. Er ist der Ort im Umkreis eines Schwarzen Lochs, von dem aus noch Licht entkommen kann. Man fotografiert also nur den strahlend hellen Ring um das Schwarze Loch.