Kinder wollen verstehen
Henrik, der Erzieher aus der Fröbel-Kita in Spandau, sagt: "Meine Erfahrung zeigt eigentlich, dass die Kinder verstehen wollen und verstanden werden wollen. Das ist ein unheimlich starker Motor." Für die Erzieherinnen und Erzieher bleibt aber erheblicher Aufwand, die Kinder systematisch und professionell richtig einzuschätzen.
In den Fröbel-Kitas benutzen sie das Beobachtungstool BaSiK, bei dem jedes einzelne Kind rund um seinen Geburtstag in Alltagssituationen in den Blick genommen wird. Beobachtungen wie die beim Mittagessen der "Füchse" werden in das Computerprogramm eingepflegt. Daraus zeigt sich über die Zeit Fortschritt oder Förderbedarf. Mehrere Kolleginnen und Kollegen schauten sich das gemeinsam an, sagt Kita-Leiterin Lisa Theel. Zusammen überlege man sich Angebote für die Kinder, die sie mit Spaß zum Sprechen bringen. Es braucht Zeit. Das heißt Personal. Heißt Geld.
Priens Kita-Gesetz sieht 30 Minuten in der Woche je Kind für die Planung und Begleitung der Förderung vor. In Kitas mit besonders vielen Kindern in schwierigen Lebenslagen soll mehr investiert werden - 20 bis 60 Stunden pro Woche zusätzlich je nach Größe der Einrichtung. Ziel des Ganzen für Prien: "So stärken wir den Übergang in die Schule und die gesamte Bildungskette von Anfang an."
Sparen im Geburtenknick?
Weegmann befürchtet, dass Sparzwänge in eine andere Richtung weisen könnten. Plötzlich gebe es nicht nur in Ostdeutschland freie Kita-Plätze, auch in Städten wie Stuttgart oder Essingen, München, Köln oder Düsseldorf schrumpften die Wartenlisten, sagt die Chefin des Kitaverbands. Mit sinkenden Geburtenzahlen könnte Personal abgebaut werden. "Wir sagen stattdessen: Wir müssen jetzt in die Qualität der Kitas investieren und dabei alle Kinder mitnehmen."
Bundesministerin Prien sieht das ähnlich: Sie will die "demografische Rendite" sichern. Das neue Kita-Gesetz sei "das größte bildungspolitische Projekt dieser Koalition - und Schlüssel für eine Trendwende in der Bildungspolitik", sagt die CDU-Politikerin. "Denn gute Bildung beginnt nicht erst in der Schule, sondern in der Kita."