Neues Projekt der Hochschule Coburg Zukunft im Salon

Miteinander reden statt übereinander: Um das Verhältnis zwischen den Generationen ging es beim ersten „Salongespräch“. Foto: Dieter Ungelenk

Studierende laden zu Gesprächsrunden über den Wandel der Stadt ein. Zum Auftakt bringen sie die „Generation X“ und die „Boomer“ ins Gespräch.

Der in den 1990ern kreierte Coburg-Slogan „Werte und Wandel“ ist in die Jahre gekommen und wird neuerdings vom rustikalen Motto „Coburg – da is fei schö!“ verdrängt. Dabei scheint er in Zeiten rasanter Veränderungen passender denn je – und der Blick in die Zukunft kühner denn je. Wie sich das Leben in der Stadt entwickeln könnte oder auch sollte untersuchen derzeit Studierende der Studiengänge Architektur und Integriertes Produktdesign in ihrem Projekt „Zirkuläre Stadt“, das von Professorin Natalie Weinmann geleitet wird. Sie tun es nicht im „Elfenbeinturm“ der Wissenschaft: Um Bürgerinnen und Bürger in den Diskurs einzubinden und deren Sichtweisen zu ergründen, laden sie zu „Salongesprächen“ ein.

Um das Miteinander der Generationen ging es beim ersten von drei Gesprächsabenden, der den Aspekt „Demografie und Werte“ ausleuchtete. An den folgenden Donnerstagen wird es um den Verkehr gehen (Infrastruktur und Mobilität“) sowie um den ökologischen Wandel („Material und Kreislauf“).

Zum Auftakt ist vornehmlich junges Publikum in die Mohrenstraße 24 gekommen, doch auch einige „Boomer“ (bis Jahrgang 1965) hat das Thema angelockt: Wie werden die Generationen in einer alternden Gesellschaft harmonieren? Das siebenköpfige Studierendenteam hat den Gedankenaustausch mit didaktischem Geschick vorbereitet. Per Stimmungsbild wird zunächst sondiert, in welchen Fragen Jung und Alt eher übereinstimmen und wo Konfliktpotenzial lauert.

Auffallend: Die anwesenden „Boomer“ schätzen das Miteinander der Generationen in Coburg aktuell positiver ein als die „Millennials“ (1981-1996) und die „Generation Z“ (1997 bis 2012). Optimistischer beurteilen die Älteren das Engagement der Stadt für kulturelle Vielfalt. Die Aufarbeitung der Coburger Geschichte halten mehr Jüngere für wichtig, auch der Wunsch nach generationenübergreifenden Angeboten ist bei ihnen ausgeprägter.

Zwei Stunden später wird sich das Meinungsbarometer in Nuancen gewandelt haben, denn dazwischen liegt ein angeregter und anregender Gedankenaustausch. Als Reizthema haben die Veranstalter den Umgang mit dem umstrittenen Coburger Stadtwappen gewählt, da sie hier deutliche Differenzen zwischen den Generationen erwarten. In der Tat zeigen sich vor allem „Boomer“ stärker traditionsverhaftet und weniger geneigt, den „Coburger Mohr“ durch ein politisch und ethisch unverfängliches Symbol wie etwa die Veste zu ersetzen.

Das Pro und Contra Mauritius erhitzt die Gemüter, das wird auch hier deutlich. Doch mehr noch geht es im Gespräch um den Umgang mit derartigen Werte-Kontroversen und Möglichkeiten, die Klüfte zwischen den Fraktionen und Generationen zu überwinden. Austausch und Aufklärung tun not, darüber besteht weithin Einvernehmen an diesem Abend, und auch konkrete Vorschläge kommen auf den Tisch: Mehr generationenübergreifende Freizeitangebote, ein Generationenbeirat, in dem alle Altersgruppen von Schülern bis Seniorinnen sich austauschen – um das Schlagwort „Generationenkonflikt“ abzulösen: Generationenverständnis klingt deutlich besser.

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