Neujahrs-Tradition Die gepfefferten Bräuche des Frankenwaldes

Von Heike Schülein
  Foto: /privat

Wenn Frauen Männern eine Gardinenpredigt halten, geschieht das meist hinter verschlossener Tür. Nicht so in Gifting und Grössau. Lange Zeit gab es hier an Neujahr öffentliche Schelte für die Herren.

Grössau/Neufang - Im Landkreis nehmen Traditionen einen großen Stellenwert ein. Hierzu zählt insbesondere auch das Jahresende- und Jahresanfangsbrauchtum.

Das Pfeffern – alljährlich am 28. Dezember, dem „Tag der unschuldigen Kinder“ – wird im Landkreis Kronach in rund einem halben Dutzend Dörfern aufrecht erhalten. Eigentlich ist das Pfeffern ja eine Männerdomäne. Doch in Gifting griffen viele Jahre die Frauen zu den Weidenruten und hielten den Männern an Neujahr eine deftige Gardinenpredigt. Den Rollentausch gab es einst auch in Grössau. Auch hier waren es die Frauen, die am 1. Januar die Männer und Burschen pfefferten.

„Am Silvesterabend versammelten sich die Bewohner im Wirtshaus. Die Wirtsleute spendierten Wiener mit Sauerkraut. Fünf Minuten nach Mitternacht traten dann die Frauen in Aktion“, erinnert sich Adelheid Kotschenreuther. Die Damen rückten dabei mit Fußbänkla, Federwisch und schön geschmückter Pfeffergerde an, um den Herren der Schöpfung gehörig die Leviten zu lesen. Das ganze Jahr über hatten die Pfeffera für den Neujahrsbrauch die Verfehlungen ihrer Ehehälften und Nachkommen aufgeschrieben. Zwei Frauen im Ort konnten besonders gut dichten. In der Adventszeit saßen die Frauen beisammen, um die Pfeffersprüche für Neujahr zusammen zu stellen. Dabei bekam mancher sein Fett ab.

Fußbank und Federwisch

Die „Werkzeuge“ zum Pfeffern waren: eine Fußbank, damit das Bein hochgestellt werden konnte, ein Federwisch zum Säubern des Beins – es wurde auch oft gezwickt – sowie eine Laterne, um das zu pfeffernde Bein zu „beleuchten“. Die Pfeffergerde bestand aus Weidenruten und war mit bunten Bändern geschmückt. Die Frauen bekamen von den gepfefferten Männern eine kleine Belohnung in Form eines Trinkgelds.

„Die Pfefferfrauen trafen sich an Dreikönig nochmals in der Gastwirtschaft, um sich wie im Frankenwald üblich die ,Stärke’ anzutrinken. Hierfür wurden die Pfefferspenden verwendet“, blickt Resi Kaim zurück. Des Weiteren brachten sie ihre restlichen Weihnachtsplätzchen von zu Hause mit. Eine Spezialität waren die frisch gebackenen „Tütla“ der „Loles Marie“ (Maria Deuerling). Leider ist das (Frauen-)Pfeffer-Brauchtum in Grössau gänzlich eingeschlafen.

Über die Jahrzehnte erhalten hat sich dagegen in Neufang nicht nur das Pfeffern durch die Burschen des Orts, sondern die etwas eigenwillige Tradition „Bettelfraala und Gendarma“ an Silvester, die wohl einmalig im Landkreis und wohl auch darüber hinaus ist. Am letzten Tag im Jahr kommen hierfür die Pfeffera nochmals zusammen. Dann wird ausgemacht, welche zwei Kerle sich für diesen Brauch zur Verfügung stellen. Einer schlüpft in die Rolle des „Bettelfraala“. Der andere ist der „Gendarma“, sprich der Gesetzeshüter, der die Bettelfraala kraft seines Amtes vom Betteln abhalten möchte. Auch hier geht man wie beim Pfeffern von Haus zu Haus, jedoch nur im Ortskern. Der Besuch läuft immer gleich ab. Das „Bettelfraala“ geht in ein Haus, um zu betteln – nicht für „ihra Kinne“, sondern für den Pfeffertanz. Der „Gendarma“ geht ins Nachbarhaus, um die Zigeunerin zu suchen. In den Häusern bekommen die beiden eine Spende. Im dritten Haus stoßen sie aufeinander und es kommt zur Festnahme. Dem „Bettelfraala“ gelingt aber die Flucht - und das Ganze beginnt von vorn.

Zeitgleich sind in Neufang drei geschniegelte Herren im feinen Anzug und noblem Zylinder unterwegs. Alle paar Meter bleiben sie stehen. Dabei schreit der Ausschreier, unterstützt von zwei Adjutanten, den Pfeffer-Tanz aus: „Es wird hiermit bekannt gemacht, dass am Samstag, den … um acht Uhr im „Feststoudl“ der Pfefferhafer vertanzt und versoffen wird.“ Mit todernster Miene setzen die Drei ihren Weg fort, bevor die hochoffizielle Zeremonie aufs Neue beginnt. Der Tanz findet in der Regel am zweiten Samstag im Januar statt. Der Erlös kommt traditionell wohltätigen Zwecken zugute, insbesondere in Neufang selbst.

 

Bilder