Neustadt hat entschieden Wieder kein Nikolausmarkt

Peter Tischer

Der Kultursenat hat entschieden, dass die Traditionsveranstaltung auch heuer ausfällt. Wegen der hohen Corona-Zahlen in der Region.

Die Neustadter und ihre Gäste müssen auch heuer auf ihren traditionellen Nikolausmarkt verzichten. Solche Menschenansammlungen seien derzeit wegen Corona nicht vertretbar, heißt es von Seiten der Stadt. Foto: Tischer

Neustadt - Es ist das zweite Mal in Folge, dass Neustadts Traditionsveranstaltung, der Nikolausmarkt, ausfällt. Aber es war ein Tod auf Raten: Während vor 14 Tagen der Nikolausmarkt noch auf dem Marktplatz hätte stattfinden sollen, kam vor einer Woche der Freizeitpark Villeneuve-sur-Lot mit einer 3G-plus-Regelung ins Gespräch. In einer eilig einberufenen Pressekonferenz kam am Mittwoch nun die Absage. „Der Kultursenat der Stadt Neustadt hat am Dienstagabend in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen, den Nikolausmarkt vor dem Hintergrund explodierender Inzidenzwerte und der Krankenhausstufe ‚Rot‘ nicht durchzuführen“, gab Kulturbürgermeister Martin Stingl im Dienstzimmer von Oberbürgermeister Frank Rebhan bekannt.

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Rebhan stellte sich demonstrativ hinter diese Entscheidung, wohl wissend, dass man es keinem recht machen kann: „Wie du es machst, machst du es verkehrt.“ Zumal die beiden Stadtoberhäupter „liebend gerne den Nikolausmarkt durchgezogen hätten, da er ja für Neustadt eine der großen Traditionsveranstaltungen ist“. Die Absage wurde laut Stingl vom Senat in langer und intensiver Diskussion einvernehmlich getroffen. Die Entscheidung begründete der Kulturbürgermeister so: „Der notwendige Abstand, insbesondere bei den Kindern während der Päckchenausgabe, ist nicht einzuhalten.“

Rebhan versprach, dass „wir uns für die Kinder etwas einfallen lassen“. Bei der Entscheidung habe auch die Situation in der Region eine Rolle gespielt. „Unser Nachbarlandkreis Sonneberg leidet aktuell unter außerordentlich hohen Inzidenzwerten“, sagte der Oberbürgermeister. Bei den vielfachen Verflechtungen sei es sehr wahrscheinlich, dass sich diese Werte, in welcher Form auch immer, angleichen werden. Zudem sei die Entwicklung der Corona-Situation im Klinikverbund Regiomed bedenklich. „Aus all den genannten Gründen stellen für den Senat weder die ‚3G-plus‘ noch die ‚2G’-Regelung eine vertretbare Alternative dar“, bekräftigte Stingl. „Das Risiko erschien den Senatsmitgliedern immer noch zu hoch.“ Rebhan ergänzte: „Wir haben keine Absprachen getroffen mit unseren Kollegen der benachbarten Städte, um uns dahingehend abzustimmen.“

Gerne hätte man mit der Entscheidung noch länger gewartet, sagten Rebhan und Stingl: „Aber die Vereine und Organisationen wie auch die Händler brauchen Planungssicherheit.“ Die Tschernobyl-Kinderhilfe hatte bereits vor der offiziellen Absage des Marktes abgewunken: „Wir wollen unsere ehrenamtlichen Helfer nicht unnötigen Risiken aussetzen.“

Unter dem Strich sehen die Verantwortlichen den Schutz der Gesundheit der Marktbesucher – ganz besonders der Kinder – als ausschlaggebend für die Absage an. Irgendwelche Szenarien wollten sich am Mittwoch weder Rebhan noch Stingl ausmalen: „Das wäre reinste Kaffeesatzleserei.“ Deshalb gaben sich beide auch vorsichtig, als es um die Einschätzung der weiteren Lage ging. Da werde man kurzfristig entscheiden müssen, aber in Bälde würden sie keine Besserung der Lage sehen. „Wir arbeiten deshalb weiter mit Hochdruck an den kommenden Veranstaltungen und stehen dann sprichwörtlich Gewehr bei Fuß“, sagte Stingl dann doch – „beispielsweise haben wir das Puppenfestival schon jetzt am Laufen“.