Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) fordert unter anderem eine Verbesserung der Fahrrinne am Mittelrhein. Diese sei bereits nach dem Niedrigwasserjahr 2018 in einem Aktionsplan von Bund, Schifffahrt und Industrie festgehalten worden.
Zwischen St. Goar und Budenheim sollte die Fahrrinne demnach um 20 Zentimeter optimiert werden. Der Abschnitt gilt nach Angaben des Verbandes als Engpass für die Schifffahrt. Das könnte bei niedrigen Wasserständen einen konkreten Vorteil bringen: Nach Angaben des BDB könnten Binnenschiffe dort rund 200 bis 250 Tonnen mehr Ladung aufnehmen. Die Planungen liefen, im Bau sei die Verbesserung aber noch nicht.
Der Nabu sieht die Ausbaupläne mitunter kritisch: "Tiefere Fahrrinnen sorgen nicht für mehr Wasser im Fluss und sind keine kluge Lösung", sagt der Sprecher. Demnach würden Vertiefungen die ökologischen Probleme der Flüsse verschärfen. "Wird die Strömung auf eine kleinere Rinne konzentriert, kann dies die Tiefenerosion verstärken und eine weitere Selbsteintiefung des Flussbetts auslösen", schreibt der Naturschutzbund in einer Mitteilung. Dadurch könnten sich Grundwasserstände absenken und die Verbindung zwischen Fluss und Auen weiter verschlechtern.
Geht nur Naturschutz oder Schifffahrt?
Aus Sicht des Nabus sind Naturschutz und Schifffahrt keine Gegensätze. Auch die Wirtschaft sei auf stabile und funktionsfähige Flüsse angewiesen. "Der Klimawandel zeigt aber, dass wir die natürlichen Grenzen unserer Gewässer stärker berücksichtigen müssen", sagt der Sprecher. Eine nachhaltige Wasserpolitik dürfe deshalb nicht nur auf technische Anpassungen setzen, sondern müsse die Widerstandsfähigkeit der Flüsse insgesamt stärken.
Was kann die Schifffahrt selbst tun?
Seit dem Niedrigwasserjahr 2018 sind nach Angaben des BDB mehr niedrigwasseroptimierte Schiffe unterwegs. Sie haben weniger Tiefgang und können deshalb auch bei niedrigeren Wasserständen fahren.
So hat beispielsweise der Chemiekonzern BASF das Spezialschiff "Stolt" mit 135 Metern Länge und 17,5 Metern Breite angeschafft. Bei mittlerem Niedrigwasser liegt die Transportkapazität nach Angaben des Unternehmens mit rund 2500 Tonnen doppelt so hoch wie die konventioneller Binnenschiffe.
Der BDB fordert, den Umbau von Schiffen weiter zu fördern. Ein entsprechendes Förderprogramm des Bundesverkehrsministeriums müsse erhalten bleiben. Der Verband kritisiert geplante Kürzungen der dafür vorgesehenen Mittel ab 2027.