Nürnberg Flughafen Nürnberg macht Riesenverlust

Zuletzt im Jahr 1985 nutzten weniger als eine Million Passagiere den Albrecht-Dürer-Airport für ihre Flüge. Foto: Airport Nürnberg

Corona lässt die Passagierzahlen des Airports von über vier auf unter eine Million einbrechen. Auch 2021 wird sehr schwierig.

Nürnberg - Corona hat den Flughafen Nürnberg in den Sturzflug gezwungen: Der Flughafen der Region hat im vergangenen Jahr 41,2 Millionen Euro Verlust gemacht – nach drei Millionen Euro Gewinn im Vorjahr. Die Zahl der Passagiere sank von 4,1 Millionen auf 917 000.

Für das laufende Jahr werde ein ähnlich hoher Verlust befürchtet, sagte Flughafenchef Michael Hupe auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir wissen nicht, wie sich das Passagieraufkommen entwickelt.“ Der Umsatz war 2020 von 107 auf 43,7 Millionen Euro eingebrochen.

Trotz Pandemie sei der Flughafen zwölf Monate lang in Betrieb gewesen: für Luftfracht, Rettungsflüge, Hubschrauber und Propellermaschinen. „Wir waren betriebsbereit, mussten Kapazitäten bereithalten“, schildert Hupe.

Der brutale Absturz der betrieblichen Kennziffern wirkte sich auch auf die Beschäftigten aus. Bei Leiharbeitern wurden 80 Stellen abgebaut, Zeitverträge liefen aus, noch bis Ende 2021 läuft Kurzarbeit. Dazu kommen noch Freiwilligenprogramme mit Auflösungsverträgen, die laut Hupe von 75 Mitarbeitern unterschrieben wurden. Ende 2020 beschäftigte der Flughafen noch 1012 Mitarbeiter. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben.

Im Jahr 2020 nutzten exakt 917 296 Fluggäste den Albrecht-Dürer-Airport Nürnberg für ihre Geschäfts- und Urlaubsreisen oder, um ihre Familien und Verwandten zu besuchen. Das ist ein Minus von rund 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das letzte Mal wurden laut Airport im Jahr 1985 weniger als eine Million Passagiere in Nürnberg gezählt.

Besser entwickelte sich die Luftfracht. Das Frachtaufkommen konnte von November an monatliche Zuwachsraten verzeichnen, was der Airport auch auf die verstärkte Bedeutung des Online-Handels – etwa im Weihnachtsgeschäft – zurückführt. Mit einem Rückgang um 3,9 Prozent auf 4,7 Millionen Tonnen sei das Aufkommen im Jahr 2020 nahezu stabil geblieben.

Die Zeit des geringen Verkehrsaufkommens wurde laut Hupe genutzt, um Abläufe zu verbessern und zu modernisieren. So könne beispielsweise der Check-in-Prozess schon bald vollständig digital von den Passagieren selbst durchgeführt werden. Dies sei möglich, da ab der zweiten Jahreshälfte sogenannte Bag-Drop-Automaten zur Verfügung stünden, die ein selbstständiges Aufgeben des Gepäcks ermöglichen sollen.

Der Flughafen Nürnberg sei offen für neue Technologien. Hupe verwies auf die Kooperation mit Lilium, dem Hersteller eines elektrisch angetriebenen Fluggeräts (wir berichteten). Der Elektro-Jet mit 250 bis 300 Kilometern Reichweite könnte in einigen Jahren auch Ziele in Oberfranken bedienen, bestätigte Hupe auf Nachfrage. Dass Hof und Coburg mit dabei sind, kann sich Hupe vorstellen.

Schon 2018 habe der Flughafen seine Stromversorgung auf 100 Prozent Ökostrom umgestellt. Hangar-Dachflächen seien mit Solarmodulen bestückt sowie Parkhäuser, die Terminalvorfahrt und das Terminal selbst mit stromsparenden LED-Leuchtmitteln ausgerüstet worden. Neben einem weiteren Ausbau von Photovoltaik-Anlagen soll die Wärmeversorgung hinsichtlich des CO2-Ausstoßes verbessert werden. Der Airport bezieht von einem benachbarten Landwirt Fernwärme aus einem Hackschnitzelkraftwerk.

 

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