Oberfranken Frankens Brauer trotzen dem Trend

"Braumeister müssen wieder Kult sein": Jürgen Hopf, Inhaber der Lang-Bräu, lebt nach diesem Grundsatz. Foto: Nicolas Armer/dpa

Die Bayern trinken weniger Bier. Die heimischen Unternehmen trifft es nicht so hart - dank besonderer Findigkeit.

München/Bayreuth - Bayerns Brauereien haben im vergangenen Jahr einen deutlich geringeren Bierabsatz verzeichnet als im Jahrhundertsommer 2018. Wie Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, auf Nachfrage unserer Zeitung sagt, ging der Absatz bis Ende November - aktuellere Zahlen gibt es derzeit noch nicht - um 4,2 Prozent auf 22 Millionen Hektoliter zurück. Deutschlandweit sank der Bierabsatz um 2,5 Prozent auf 85,2 Millionen Hektoliter, wie aus den jüngsten Daten des Statistischen Bundesamts hervorgeht.

Eine genaue Analyse der Ursachen finde immer erst statt, wenn auch die Jahreszahlen vorliegen, wie Ebbertz sagt. Jedoch ist klar, dass auch die Brauwirtschaft nicht unabhängig von konjunkturellen Entwicklungen ist. "Bayern hängt stark vom Export ab", sagt Ebbertz. Etwa 25 Prozent des in Bayern eingebrauten Bieres ist für das Ausland bestimmt, wie er weiter sagt. Der Export in Länder der EU ging demnach um acht Prozent auf 3,1 Millionen Hektoliter zurück, wohingegen der Export in Drittstaaten um 2,4 Prozent auf fast 2,2 Millionen Hektoliter leicht stieg. Aber: "Der Gesamttrend ist nie repräsentativ für die kleinen Brauereien", wie Bernhard Sauer, Geschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken, zu Bedenken gibt. Und von denen gibt es allein in Oberfranken 174 Stück. "Diese Zahl ist weltweit ungeschlagen", sagt Sauer. Schon wenige Kilometer weiter sind es weniger Brauereien, in Mittelfranken 69 und in Unterfranken 66 Brauereien.

Eine Erklärung für die verhältnismäßig gute Stimmung in den fränkischen Brauereien hat Sauer, der auch Vorstandsmitglied bei Bierland Oberfranken ist, ebenfalls parat. "Viele Kunden haben Industriebier satt", sagt Sauer und sieht einen Vorteil für fränkische Brauereien.

Die stehen zwar ebenfalls in einem harten Wettbewerb und müssen sich immer wieder neu erfinden, wie der HWK-Geschäftsführer sagt, können jedoch im Marketing das ausspielen, was eine kleine Brauerei ausmacht. Manche setzen demnach auf einen sehr öffentlichkeitswirksamen Braumeister - "so wie es eben früher auch der Fall war" -, einen Retro-Trend bei Bieren und der Aufmachung oder auf ganz neuartige Wege der Braukunst, das sogenannte Craft-Beer.

"Viele handwerkliche Brauereien haben ein Grundsortiment und vielleicht ein bis zwei kreative Biere dazu", weiß Sauer. Das käme sowohl der konservativen Kundschaft zugute als auch denen, "die gerne etwas ausprobieren möchten".

Autor

 

Bilder