Dabei wollte die EU mit ihren Sanktionen gegen russisches Öl und Gas der Energiegroßmacht den Geldhahn für den Krieg gegen die Ukraine zudrehen. Das war einmal auch US-Präsident Donald Trumps Ziel. Aber jetzt droht Kremlchef Putin sogar damit, dem von der EU beschlossenen Totalembargo gegen russisches Gas zuvorzukommen – und seine Rohstoffe auf andere, "verlässlichere Märkte" umzuleiten. Damit droht ein neuer Preisanstieg.
Werden nun alle finanziellen Probleme Russlands gelöst?
Nein. Die erwarteten Mehreinnahmen können das Haushaltsdefizit nicht komplett decken, wie "Iswestija" unter Berufung auf Energiemarkt- und Finanzexperten schreibt. Demnach müssten auch die Ölpreise, um tatsächlich einen positiven Effekt auf den Haushalt zu haben, mindestens drei bis sechs Monate so hoch bleiben wie jetzt.
Zuletzt veröffentlichte das russische Finanzministerium das konsolidierte Defizit für das abgelaufene Haushaltsjahr von beispiellosen 8,3 Billionen Rubel (rund 90 Milliarden Euro). Auch in diesem Jahr wird ein hohes Defizit erwartet. Schon im Januar gab es aber eine Haushaltslücke von 1,7 Billionen Rubel, 252 Milliarden Rubel mehr als im Vorjahresmonat.
Ein Problem für Russlands Haushalt ist auch der vergleichsweise starke Rubel. Festgelegt ist für Dollareinnahmen im Haushalt ein durchschnittlicher Umrechnungskurs von 92,2 Rubel je US-Dollar. Tatsächlich liegt der Kurs bei unter 80 Rubel je US-Dollar, was weniger Geld in die Staatskasse spült. Weil zugleich die Staatsausgaben steigen, bringen die Behörden nun immer mehr Sparvorschläge etwa bei Infrastrukturprojekten ein. In der Hauptstadt Moskau verfügte Bürgermeister Sergej Sobjanin sogar einen Personalabbau von 15 Prozent.