Im Alter von 15 Jahren verkörperte ein Mofa für Michael Jerg aus Bad Rodach die große Freiheit. Mit 25 Stundenkilometern über die Landstraße zu fahren war für ihn 1997 der Inbegriff des Erwachsenwerdens. Sein Mofa, eine Zündapp M 25, genannt „Bergsteiger“, mit 1,5 PS, Handschaltung und zwei Gängen, stammt aus dem Jahr 1974. Damals kaufte sein Großvater das Zweirad neu vom Dorfschmied, „er hatte eine Möbelschreinerei und gehörte auf dem Dorf zu den Wohlhabenden, die sich so ein Mofa leisten konnten“, erzählt Michael Jerg. Nach dem frühen Tod seines Opas fuhr seine Großmutter das Mofa weiter. Sie kam aus der Landwirtschaft und nutzte es auch dafür, um Kartoffeln vom Feld nach Hause zu fahren. „Das war wirklich ein Arbeitsgerät“, erinnert sich Michael Jerg. Als aber in den 1980-er Jahren die Helmpflicht eingeführt wurde war Schluss. Einen Helm wollte seine Großmutter nicht aufsetzen. Jahrelang stand das Mofa in der Garage herum, ehe er es zum 15. Geburtstag geschenkt bekam. Ein Jahr lang war es das Größte für den Teenager, damit rund um Heldritt durch die Gegen zu fahren. Doch mit 16 machte er den nächstgrößeren Führerschein. „In dem Alter war ein Mofa nur ein Jahr interessant“, bedauert Michael Jerg, der inzwischen 41 Jahre alt ist. Wieder verschwand das Zweirad in der Garage, wo es halb vergessen und verstaubt herumstand. Immer wieder wollten Michael Jergs Eltern das alte Ding loswerden, doch er hing an dem Mofa.