Ortsdurchfahrt Kleingarnstadt Unzumutbar für die Anwohner

Von Mathias Mathes

Die Preise im Tiefbau explodieren. Der Landkreis kann daher nur dort Straßen sanieren, wo es am nötigsten ist: etwa in Kleingarnstadt. Andere müssen warten.

Saniert werden soll zunächst dort, wo der schlechte Straßenzustand zur Belastung für die Anwohner geworden ist. Bei der Kreisstraße CO 11 in Kleingarnstadt ist das der Fall. Foto: Frank Wunderatsch

Coburg - Durch die Decke gehende Baupreise schlagen auf die Instandhaltung der Verkehrswege im Landkreis Coburg durch. Sanierungen von Kreisstraßen können nicht mehr wie geplant finanziert werden. „Wir müssen Schwerpunkte setzen, wo der Leidensdruck am größten ist“, betonte der im Landratsamt für Tiefbau zuständige Jürgen Alt bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses.

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Nachdem die finanziellen Mittel begrenzt sind, empfahl Alt, dort auszubauen, wo ein schlechter Straßenzustand eine Belastung für Anwohner sei. „Das ist bei der Kreisstraße CO 11 in Kleingarnstadt der Fall.“ Die viel befahrene Straße mit einem hohen Anteil an Schwerlastverkehr führe mitten durch den Ebersdorfer Ortsteil. „Sie hat eine hohe Funktion im Verkehrsnetz des Landkreises.“ Und gerade diese Straße sei innerorts in einem ziemlich schlechten Zustand. Die Folge sei, dass die schlechte Fahrbahndecke den Verkehrslärm verstärke.

Ein Anlieger habe ihm gegenüber seinem Ärger bereits Luft gemacht, betonte Alt. Er könne seinem Unmut nur zustimmen. Die Ortsdurchfahrt müsse dringend auf Vordermann gebracht werden. „Die Leute leiden“, so das Fazit des Tiefbauexperten. Eine vergleichbare Verkehrsbelastung für Anwohner gebe es im ganzen Landkreis nicht. Auch Landrat Sebastian Straubel sah Handlungsbedarf: „Es ist wichtig, dass wir für die dringend notwendige Entlastung der Menschen sorgen.“ Die Ausschussmitglieder schlossen sich einhellig dieser Auffassung an.

Schlucken muss der Landkreis auch im Fall CO 11 einen Baupreis, der deutlich über den Erwartungen liegt. Für die Straße in Kleingarnstadt haben nach Alts Worten von elf aufgeforderten Firmen lediglich drei ein Angebot abgegeben. Das günstigste liegt bei rund 148 000 Euro und damit erheblich über der Kostenberechnung des Landkreises in Höhe von etwa 112 000 Euro. Die Kosten erhöhen sich damit um circa 32 Prozent. Im mittelfristigen Investitionsplan des Kreises ist sogar der Bau einer Umgehung für Kleingarnstadt vorgesehen. Doch aus Sicht von Jürgen Alt ist es den Anwohnern nicht zuzumuten, auf die Verwirklichung dieses Vorhabens zu warten. Erste Mittel dafür würden erst ab 2024 zur Verfügung stehen. Eine Umsetzung sei frühestens in fünf Jahren zu erwarten, aber nur dann, wenn alles optimal laufe. Alt rechnet eher mit einem längeren Zeitraum bis zum Bau einer Umgehungsstraße.

Die Entscheidung für die Deckenerneuerung in Kleingarnstadt hat zur Folge, dass die Sanierung anderer Kreisstraßen erst einmal aufgeschoben wird. Der Fachbereich Tiefbau hat ebenfalls für dieses Jahr die Deckenbaumaßnahmen an der CO 19 bei Dietersdorf, an der CO 20 bei Autenhausen und an der CO 21 bei Merlach eingeplant. Der Kreis ging von Gesamtkosten in Höhe von rund 576 000 Euro aus. Auch in diesem Fall liegt das günstigste Angeboten für die Sanierung der drei Straßenabschnitte im Gebiet der Stadt Seßlach mit circa 686 000 Euro deutlich höher.

Der Bauausschuss sprach sich daher dafür aus, die Ausschreibung „wegen fehlender Haushaltsmittel“ aufzuheben. Der Ball geht an die Kreisverwaltung, die Umfang und Art der Baumaßnahmen noch einmal überprüfen und dann erneut ausschreiben soll.

Auf der CO 19 liegt eine weitere Baustelle, die 2022 in Angriff genommen werden soll und muss. Dabei handelt es sich um den Neubau der Straßenbrücke über die Kreck. Hierfür genehmigte der Ausschuss die Mittel in Höhe von insgesamt rund 1,5 Millionen Euro, die der Landkreis bis 2023 investieren wird. Etwa eine Million Euro davon sind staatliche Fördermittel.

Eingedenk der Tatsache, dass mehr als eine Straße im Landkreis auf der Ausbauliste steht und ein Sinken der Baupreis nicht in Sicht ist, gab Jürgen Alt zu bedenken, dass das aktuelle Budget für Straßenbau in Höhe von 500 000 Euro künftig nicht mehr ausreichen dürfte. Alt geht von einem Bedarf von einer Million Euro aus.