Profite Was seit 2023 aus 1000 Euro in Palantir-Aktien geworden wäre

Michael Maier , aktualisiert am 23.07.2025 - 14:41 Uhr

Während Aktionäre ihren Einsatz vervielfachen, könnte Baden-Württemberg eine teure „Palantir-Falle“ drohen. Steigt der Kurs weiter?

Die Zivilgesellschaft in den USA wehrt sich gegen Palantir – das Unternehmen wird auch mit Razzien gegen Migranten in Verbindung gebracht. Foto: Gina M Randazzo/ZUMA Press Wire/

Während Anleger mit der Palantir-Aktie traumhafte Renditen einfahren, droht den Steuerzahlern in Baden-Württemberg womöglich ein kostspieliges Debakel. Das US-Softwareunternehmen sorgt derzeit sowohl an der Börse als auch in der Politik für Schlagzeilen.

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Die Palantir-Aktie erlebt 2025 eine beispiellose Rallye. Seit Jahresbeginn schoss der Kurs um 74 Prozent nach oben und notiert aktuell bei rund 132 US-Dollar. Aus einer Investition von 1.000 Euro wurden innerhalb weniger Jahre etliche tausend Euro.

Innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat sich der Aktienkurs sogar verfünffacht, seit Anfang 2023 mehr als verzehnfacht. Aus 1000 Euro in Palantir-Aktien wären in zweieinhalb Jahren also über 10.000 Euro geworden.


Palantir-KI für Militär und Polizei

Drei Faktoren trieben den Höhenflug der Aktie voran: Erstens sicherte sich Palantir lukrative Regierungsverträge, darunter etwa einen 795-Millionen-Dollar-Deal mit dem US-Verteidigungsministerium – die Gewinnmargen sind hoch. Zweitens profitiert das Unternehmen ganz allgemein vom KI-Boom mit seiner datenanalytischen Software für Polizei- und Militärzwecke. Drittens hat sich eine treue Fangemeinde von Kleinanlegern gebildet, die CEO Alex Karp für seine direkte Art schätzen.

Im ersten Quartal 2025 steigerte Palantir seinen Umsatz laut Medienberichten um 39 Prozent. Der sogenannte „remaining deal value“ - also noch nicht abgearbeitete Aufträge - wuchs sogar um 45 Prozent. Dementsprechend ist weiteres Wachstum zu erwarten.

Palantir-KGV astronomisch hoch

Doch die Erfolgsgeschichte hat ihren Preis: Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei etwa 600, selbst das Forward-KGV beträgt noch etwa 250. Selbst für Technologie-Standards sind diese Werte extrem hoch. Von 28 Analysten raten nach Angaben von „sharedeals.de“ nur noch sechs zum Kauf der Aktie, während 17 zum Halten und fünf sogar zum Verkauf raten. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 107 US-Dollar deutlich unter dem aktuellen Niveau.

Kritiker bezweifeln, ob Palantir wirklich das Gewinnwachstum erreichen kann, das der aktuelle Kurs impliziert – ähnlich wie bei anderen „Hype-Werten“ wie Rheinmetall. In den vergangenen drei Jahren lag das Palantir-Umsatzwachstum etwa zwischen 17 und 29 Prozent. Für 2025 peilt das Management 36 Prozent an - aber um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen, müsste das Wachstum womöglich noch einmal deutlich höher ausfallen.

Palantir-Falle für Baden-Württemberg?

Während Anleger jubeln, droht Baden-Württemberg ein teures Erwachen. Das Innenministerium unter Thomas Strobl (CDU) schloss bereits im März 2025 einen Fünfjahresvertrag mit Palantir über 24 Millionen Euro für Polizei-Software ab. Das Problem: Der Vertrag enthält keine Ausstiegsklausel, obwohl die politische und rechtliche Grundlage für den Einsatz der umstrittenen Software noch nicht geklärt ist.

An Innenminister Thomas Strobl (CDU) gibt es deswegen einmal mehr scharfe Kritik – nicht allein wegen des teilweise beeinträchtigten Sicherheitsgefühls im Land, sondern auch wegen des Gebarens im Innenministerium mitsamt Polizeiskandalen und Untersuchungsausschuss im Landtag.

Für Palantir ist der Baden-Württemberg-Vertrag zwar nur ein kleiner Baustein im ganz großen Geschäft mit Behörden und Unternehmen. Für die Steuerzahler im Südwesten könnte er jedoch zu einem teuren Lehrstück werden - während andere mit der Palantir-Aktie Kasse machen.