Parents for Future setzen ein Zeichen Menschenkette gegen Hass, Hetze und Faschismus

Christian Licha

Die Parents for Future Haßberge hatten am Sonntag zu einer Veranstaltung aufgerufen. Gefolgt waren diesem zahlreiche Bürger – und auch prominente Politiker.

Haßfurt - Rund 300 Menschen zeigten am Sonntagnachmittag in Haßfurt die „Rote Karte für Hass, Hetze und Faschismus“. Unter diesem Motto stand eine Versammlung, die als Menschenkette durch die Altstadt von Parents for Future Haßberge organisiert wurde. In der Hauptstraße vom Unteren Turm, rund um den Marktplatz bis kurz vor den Oberen Turm hatten sich die Teilnehmer aufgestellt, um ein klares Zeichen zu setzen.

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Unterstützt wurde die Veranstaltung im Vorfeld schon durch ein breites Bündnis aus dem Landkreis Haßberge, dem alle demokratischen Parteien, einige Vereine und viele mehr angehörten. Auch die beiden Staatssekretärinnen Sabine Dittmar (SPD) und Manuela Rottmann (Grüne) warben im Vorfeld dafür, genauso wie zum Beispiel auch Haßfurts Bürgermeister Günther Werner (Wählergemeinschaft) zusammen mit allen im Stadtrat vertretenden Fraktionen.

Am Sonntag teilgenommen haben dann auch Landrat Wilhelm Schneider (CSU), zahlreiche Bürgermeister, Stadträte, Gemeinderäte und Kreisräte der verschiedensten Parteien aus dem ganzen Landkreis sowie der Landtagsabgeordnete Gerald Pittner (Freie Wähler). Die aktuelle Stimmungslage in der Bevölkerung, hervorgerufen durch die landesweiten Corona-Demonstrationen und die dort oft vorherrschende aggressive Stimmung sei sehr besorgniserregend, erklärte Versammlungsleiter Christoph Appel von Parents for Future Haßberge und ergänzte: „Man kann über einzelne Maßnahmen und Vorgaben der Corona-Politik sicher diskutieren, doch wir kommen als Gesellschaft nur heil aus der Pandemie, wenn wir alle an einem Strang ziehen und uns nicht von einer lauten Minderheit übertönen lassen“. Große Teile der sogenannten Querdenker-Bewegung und deren zahlreichen Ableger hätten es bewusst zugelassen, dass sich rechtsgesinnte, antisemitische, faschistische und menschenfeindliche Gruppierungen in ihren Reihen breitgemacht hätten und die ‚Bewegung‘ infiltrieren, so Appel. Man habe es schweigend oder gar wohlwollend hingenommen, dass diese demokratiefeindlichen Organisationen die eigene Bewegung unterwandern, nur um nach außen den Eindruck von „wir sind viele“ vorzugaukeln. „Da hilft es jetzt auch nichts mehr, bei Demoaufrufen mit markigen Sprüchen wie ‚für Einigkeit, Nächstenliebe und Menschenrechte’ zu werben. Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen und die Verantwortlichen werden die Geister, die sie riefen nicht mehr los“, führte Appel weiter aus.

Laut Organisator sei die Hoffnung, dass sich die Bewegung nach der Pandemie zerstreuen wird, leider sehr gering. Schon jetzt sei erkennbar, dass es längst nicht nur um Corona, die angebliche Freiheit und Selbstbestimmung ginge, sondern um viele weitere Themen und Inhalte, die unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren vor Herausforderungen stellen werde.

„Die vor uns liegenden Herausforderungen werden wir nur lösen, wenn wir als Gesellschaft funktionieren und an einem Strang ziehen. Weder diese Pandemie noch die zukünftigen Aufgaben werden wir durch Leugnen, Schönreden, selbsterfundene Fakten, Hass und Hetze bewältigen können. Nur Solidarität und gegenseitige Achtsamkeit werden uns helfen als Gemeinschaft zu bestehen. Daher muss die Gemeinschaft aktiv werden und etwas entgegensetzen“, schloss Appel ab.

Landrat Wilhelm Schneider freute sich, dass so viele Menschen gekommen waren und Solidarität zeigten, auch denen gegenüber, die Verantwortung übernommen haben, die Pandemie zu bekämpfen: „Es ist gut, dass alle demokratischen Parteien zusammenstehen und die Bürger durch eine Menschenkette deutlich machen, dass die Corona-Maßnahmen weiterhin unterstützt werden, ohne die die Pandemie nicht erfolgreich bekämpft werden kann“. Gesundheits-Staatssekretärin Sabine Dittmar sagte in einem Interview des Fernsehsenders TV Mainfranken vor Ort, dass es für sie wichtig sei, gegen Rechts, Hass und Hetze Flagge und Protest zu zeigen und diesen nach außen zu tragen.

Und was motivierte die Bürgerinnen und Bürger, diese Menschenkette zu bilden? Kurz auf einen Nenner brachte Sebastian Klein aus Haßfurt seine Meinung: „Ich bin hier für die Meinungsfreiheit, denn Meckern und Hetzen, off- und online, ist keine Meinungsäußerung“. Ein Grundschüler, der zusammen mit seiner Mama auf der ersten Demonstration seines Lebens war, erklärte: „Wenn Leute sagen, dass Impfen und Maske nicht schützen, dann lügen sie“.

Julian Müller aus Sand machte deutlich: „Ich stehe heute hier, weil wir als Gesellschaft klarstellen müssen, was wir akzeptieren können und was nicht. Mit Personen spazieren zu gehen, die demokratische Grundsätze missachten, ist eine Tatsache, die ich nicht akzeptieren kann. Die Beleidigungen und Bedrohungen, die von den ‚besorgten Bürgern’ geäußert werden, sollten uns allen eine Mahnung sein. ‚Wehret den Anfängen’ ist leider wieder aktueller denn je“.

Ein Plakat mit der Aufschrift „Haßfurt gegen Rechts – Es gibt nur einen Weg und der ist solidarisch“ trug Anita Amend mit sich: „Mit der Teilnahme an dieser Menschenkette wende ich mich gegen die Corona-Demonstrationen, bei denen rechte, zum Teil gewalttätige Kräfte, die Bürgerinnen und Bürger für ihre Zwecke missbrauchen. Dabei wird immer viel von persönlicher Freiheit geredet. Doch die Freiheit des Einzelnen endet da, wo die Freiheit des Anderen beginnt. Unsere Freiheit können wir nur wiedererlangen, wenn sich möglichst viele impfen lassen. Wir haben nicht nur Verantwortung für uns selbst, sondern auch und besonders für unsere Mitmenschen“.

Einen besonderen Dank der Organisatoren galt auch den Beamtinnen und Beamten der Polizeiinspektion Haßfurt, die die Versammlung begleiteten. Zu Zwischenfällen kam es nicht, die gesamte Veranstaltung verlief sehr friedlich.