Park der Arten Coburgs neue grüne Lunge

Vor 25 Jahren wäre es eine kleine Sensation gewesen, jetzt macht ein Reiher hier regelmäßig Station: am Rottenbach, dem ökologischen Rückgrat des „Parks der Arten“, der im Norden Coburgs auf der Lauterer Höhe entsteht. Foto: /Wolfgang Braunschmidt

Der Park der Arten dient als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, als Naherholungsgebiet für Menschen und als Beitrag zum Klimaschutz. Dafür gibt es einen hohen staatlichen Zuschuss.

Coburg - Noch ist ein Teil des Rottenbachs im Norden Coburgs ein hässlicher Kanal. Er soll in einen natürlichen Wasserlauf verwandelt werden. Das ist ein Teilprojekt des „Park der Arten“, der auf der Lauterer Höhe im Entstehen ist. Was dort genau geplant ist, hat Bernhard Ledermann, Leiter des Coburger Grünflächenamtes, in der jüngsten Stadtratssitzung erläutert.

Die etwa 6,4 Hektar große Parkanlage wächst zwischen dem Landratsamt, der Kleingartenanlage, die auf Dörfles-Esbacher Flur liegt, dem Beruflichen Fortbildungszentrum und der Garden-City-Straße. Sie soll einen Beitrag leisten „zur klimaresilienten Stadtentwicklung“. Mit der Biotopvernetzung entlang des Rottenbachs soll laut Stadtratsvorlage „ein attraktiver Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten entstehen, insbesondere für Insekten, Amphibien, Vögel und Kleinsäuger“. Vorgesehen sind Trocken- und Feuchtbiotope in einem System aus Tümpeln, Teichen und Gräben. Fuß- und Radwege, die das Gelände durchziehen, sollen der Naherholung und der Verknüpfung mit den angrenzenden Siedlungsgebieten dienen.

Besonderer Erholungspark

So entstehe eine „grüne Lunge“ im Norden Coburgs und ein besonderer Erholungspark für die Patienten des neuen Krankenhauses, das in der direkten Nachbarschaft auf dem ehemaligen Bundesgrenzschutz-Gelände gebaut wird. Zudem trage der Park zur Vernetzung des Grüns in der Stadt bei, erläuterte Bernhard Ledermann.

Bereits im November vergangenen Jahres sind auf dem Areal 70 Bäume gepflanzt worden. Anlass war das 70-jährige Bestehen der Wohnbau Stadt Coburg. Sie bilden eine vierreihige Allee an der Niorter Straße. Diese führt zu einer geplanten Erd-Rasen-Skulptur, die in Form einer Spiralpyramide angelegt wird. Diese nimmt etwa 3000 Kubikmeter Erde auf, die beim jetzt beginnenden Ausbau der Christenstraße in Bertelsdorf anfallen. Das spart 100 000 Euro, die die Stadt sonst für deren Deponierung aufwenden müsste, betonte Bernhard Ledermann.

Der „Park der Arten“ ist in das Förderprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ aufgenommen worden. Das ermöglicht eine Förderung bis zu 90 Prozent der Gesamtkosten von fast zwei Millionen Euro, wobei der Großteil auf die Altlastenentsorgung im östlichen Teil des Geländes entfällt. Konkret: Der Bundestag hat bis zu 1,755 Millionen Euro für das Projekt in Aussicht gestellt. Die jährlichen Folgekosten für die Pflege des Areals bezifferte der Leiter des Grünflächenamtes auf knapp 36 000 Euro im Personalbereich – rechnerisch eine Halbtagsstelle – und etwa 7000 Euro für den Sachaufwand.

„Tolles Projekt“

Stadträtin Petra Schneider (SPD) begrüßte die Anlegung des „Parks der Arten“, der 2024 offiziell eröffnet werden soll. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Stadt Coburg noch grüner wird, daran führt kein Weg vorbei“, so Schneider. „Park“ klinge allerdings nach intensiver Pflege, was Bernhard Ledermann unter Hinweis auf die große Fläche und die relativ geringen Personal- und Sachkosten verneinte.

Gerhard Amend (CSB) fragte Kämmerin Regina Eberwein nach der Finanzierung, da das Geld in Coburg nicht mehr so locker sitzt. Die Antwort Eberweins: „Aus meiner Sicht kann man den Tagesordnungspunkt beschließen.“

Michael Zimmermann (FDP) bezeichnete den „Park der Arten“ als ein „ganz tolles Projekt. Wir von der FDP sind ganz begeistert, es ist gut durchdacht.“ Zimmermann regte an, mehr solcher Grünflächen in der Stadt zu schaffen, die allerdings nicht die Größenordnung des auf der Lauterer Höhe Geplanten erreichen müssten. Coburg sollte hier mit gutem Beispiel voranschreiten und Geld in die Hand nehmen, „bevor wir den Leuten an die Vorgärten gehen“, sagte der FDP-Stadtrat in Anspielung auf die geplante Freiflächengestaltungssatzung.

An Biber denken

Wolfgang Weiß (Grüne) lobte die Maßnahme ebenfalls, bat aber darum, den Biber, der sich den Rottenbach als Lebensraum erobert hat, nicht zu vergessen. Das Nagetier könne die Pflege- und Folgekosten für den „Park der Arten“ senken. Bernhard Ledermann entgegnete, „der Biber kann tun, aber er kann keine Altlasten beseitigen“.

Matthias Schmidt-Curio (Pro Coburg) hob auf die Naherholungsfunktion des „Parks der Arten“ ab und fragte nach Parkplätzen, aber auch nach der erwarteten Verschmutzung mit Verpackungen von Fast-Food-Restaurants, die auf der Lauterer Höhe angesiedelt sind. Beides, so Bernhard Ledermann, habe man im Blick. Eine Verbreiterung des Weges entlang der Kleingartenanlage soll zusätzliche Stellplätze zu den bereits vorhandenen im Norden Coburgs schaffen. Man hoffe aber, dass Besucher des neuen Parks hauptsächlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Gehe es um wilde Entsorgung von Verpackungsmüll, wisse man um die infrage kommenden Stellen und werde diese mit „dornigem Gesträuch“ bepflanzen. Das soll davon abschrecken, Müll achtlos ins Gebüsch zu werfen. „Das schauen wir uns vor Ort genau an“, sicherte der Chef des Grünflächenamts zu. Der Stadtrat stimmte am Ende der Debatte dem Projekt „Grünzug Lauterer Höhe – Park der Arten“ grundsätzlich zu.

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