Parking Day in Coburg Wem gehört die Innenstadt?

In der Ketschenvorstadt hieß es am Freitagnachmittag: Parking Day. Bei den Coburger Liberalen löst die Aktion von Fridays for Future und Co. bereits im Vorfeld Unmut aus.

Coburg - Der sogenannte Parking Day ist ein seit 2005 international begangener Aktionstag zur Re-Urbanisierung von Innenstädten. „Nach den positiven Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr möchten Fridays for Future, der Landesbund für Vogelschutz und der ökologische Verkehrsclub Deutschland auch in diesem Jahr zeigen, dass man Parkplätze mit Menschen und guten Ideen beleben kann“ – so hatte Gerd Weibelzahl von der VCD-Kreisgruppe Coburg zur diesjährigen Austragung am Freitagnachmittag in die Ketschenvorstadt geladen.

Die hiesige FDP hält von derartigen Aktionen: nichts. „Ziel ist letztlich die völlige Verdrängung des Individualverkehrs aus den Innenstädten“, schreibt Kreisvorsitzender Michael Zimmermann in einer Stellungnahme. Eine kleine laute Gruppe von Aktivisten versuche hier, ihre Ziele durchzusetzen. Dies gehe aber an den Bedürfnissen der Mehrheit vorbei. Der Kunde, Patient oder Klient wolle einfach mal schnell etwas abholen. „Deshalb ist ein gewisser Anteil Kurzzeitparkplätze zusätzlich zu den Parkhäusern erforderlich. Die Innenstadt ist eben kein reines Wohngebiet, sondern hat vielfältige Aufgaben.“ Ein vernünftiges Miteinander von Autofahrern, Fußgängern und Radfahrern, so Zimmermann, sei nur bei gegenseitigem Verständnis erreichbar. „Aktionen wie das Blockieren von Parkplätzen sind dabei wenig hilfreich.“

Mehr als 48 Millionen Pkw

Zwischen einem Trampolin, einer Presse für frischen Apfelsaft und einem Kickertisch sieht man das naturgemäß etwas anders an diesem zusehends ungemütlichen Nachmittag in der Ketschenvorstadt. „Wir möchten eine Diskussion darüber anstoßen, wie viel Platz wir dem Pkw geben in der Innenstadt und wie viel dem Menschen“, sagt Gerd Weibelzahl, der Mann vom ökologischen Verkehrsclub, derweil um ihn herum munter aufgebaut wird – mit mehr als ein wenig Verspätung. Mit der Aktion wolle man öffentliche Räume, „toten Platz“ erlebbar machen. Zur Kritik der Liberalen befindet Weibelzahl: Man solle sich einmal überlegen, welche Wertschätzung man eigentlich den Kunden entgegenbringt, die zu Fuß oder mit dem Rad ihre Erledigungen machen. „Man hat den Eindruck, es gäbe nur Leute, die mit dem Pkw kommen, dabei gibt es zahlreiche Studien, die anderes aussagen.“ Zumal für die Autofahrer ja diverse Parkhäuser zur Verfügung stünden.

Ein paar Meter weiter hat Sascha Greilinger alle Mühe, die Unterlage auf dem Klapptisch vor ihm am Wegwehen zu hindern. Weshalb er hier ist? „Uns geht es darum, den Blickwinkel der Menschen ein bisschen zu ändern“, sagt der junge Mann von Fridays for Future. Es müsse nicht alles um das Auto herumgebaut werden. Zur Stellungnahme der FPD meint er: Individualverkehr sei ja auch immer eine Frage von Freiheit, vielleicht erlange die Gesellschaft sogar mehr Freiheit mit weniger Fahrzeugen auf der Straße. Zu Beginn des Jahres zählte das Kraftfahrt-Bundesamt mehr als 48 Millionen zugelassene Pkw in Deutschland.

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