Polizeiinspektion Neustadt bei Coburg Drogendelikte im östlichen Landkreis nehmen zu

Yannick Seiler

Neustadts Polizisten blicken auf das vergangene Einsatzjahr zurück. Die aktuelle Kriminalstatistik zeigt die Folgen der Pandemie. Dienststellenleiter Gerald Storath weiß, wie sie sich ausgewirkt hat.

Gerald Storath, Leiter der Polizeiinspektion Neustadt bei Coburg, lehnt an einem Polizeiauto. Foto: Yannick Seiler

Ein Mann überquert an diesem warmen Dienstagvormittag den Zebrastreifen vor der Polizeiwache. Die Autos, die zu gleicher Zeit durch die Ernststraße in Neustadt bei Coburg fahren, lassen sich mit den Fingern einer Hand abzählen. Mehr ist auf einer der wichtigsten Wege im Zentrum der Puppenstadt nicht zu sehen. Gerald Storath überblickt von seinem Büro im ersten Stockwerk des gelb gestrichenen neoklassizistischen Gebäudes aus das Geschehen. Als er die aktuelle Kriminalstatistik des östlichen Landkreises Coburg auf den Besprechungstisch legt, zeigt die Ernststraße, was sich ihm und seinen Kollegen vergangenes Jahr bot: „Es war weniger los auf den Straßen“, fasst der Leiter der Polizeiinspektion das zweite Pandemie-Dienstjahr zusammen.

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Auf 28 Seiten hat der Hauptkommissar die Delikte des vergangenen Jahres zusammengetragen. Im Vergleich zum Vorjahr sei „abermals ein Rückgang der Gesamtkriminalität“ festzustellen, schreibt er im Vorwort der Auswertung. Von 1474 Straftaten im Jahr 2020 ist die Anzahl der Delikte im Jahr 2021 auf 1416 gesunken, weist die Statistik aus. Fazit: 58 Fälle weniger im Zwölfmonatsvergleich. Damit sind die Straftaten im Dienstgebiet der Polizeiinspektion Neustadt seit 2018 rückläufig. Damals notierten die Beamten 1949 Kriminalfälle binnen eines Jahres – ein Höchststand in jüngster Zeit. In drei von vier Fällen haben die Polizisten in der Ernststraße vergangenes Jahr den oder die Täter ermittelt. 75 Prozent Aufklärungsquote besagt die Statistik. 2020 lag sie bei 71,9 Prozent. Damit sind die Neustadter Beamten erfolgreicher als ihre Kollegen im bayern- und oberfrankenweiten Vergleich.

Im bayernweiten Trend

Das habe etwas mit den Menschen hier zu tun, sagt Storath. Rund 36 000 Menschen leben in den Orten des 156 Quadratkilometer großen Dienstgebiets, das Neustadt, Rödental, Sonnefeld und Weidhausen umfasst. Im Vergleich zu Dienststellen in größeren Städten wie Bamberg und Bayreuth oder gar Ballungsräumen wie Nürnberg eine überschaubare Anzahl an Menschen. „Es erleichtert uns die Arbeit, dass sich die Leute hier noch kennen“, sagt Storath über die guten nachbarschaftlichen Beziehungen der Menschen in der Region und den Unterschied zur Großstadt. Anwohner, die ihre Straße im Auge behalten, geben Hinweise zu Straftaten, die sie beobachten oder deren Folgen sie bemerken, an die Polizisten weiter. Zudem seien Presseaufrufe zu Delikten meist erfolgreich, fügt Storath an.

Wie sicher die Menschen im östlichen Landkreis leben, weist eine der bunt eingefärbten Statistiken in Storaths Erhebung aus: die Häufigkeitsziffer. Der Wert erfasst Straftaten hochgerechnet auf 100 000 Einwohner. Sie ist in Neustadt von 5540 im Jahr 2020 auf 5160 im Jahr 2021 gesunken. In Sonnefeld und Weidhausen zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. In Rödental hingegen stieg sie währenddessen von 3100 auf 3500 an. Zum Vergleich: In Nürnberg notierte man vergangenes Jahr eine Häufigkeitsziffer von 6450. Ein Jahr zuvor lag sie bei 7100. In Bamberg sank sie zwischen 2020 und 2021 von 8360 auf 8030. Der östliche Landkreis entspricht also weitgehend dem bayernweiten Trend: Im Freistaat verzeichnete man im vergangenen Jahr die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 1979.

Häufig Cannabis und Chrystal Meth

In der Statistik des Neustadter Behördenleiters zeigt sich neben den Folgen der Pandemie auch die Arbeit seiner Polizisten. Eine Zahl, in roter Farbe geschrieben, fällt auf: Rauschgiftdelikte. Rot heißt mehr als im Vorjahr. Genauer stieg die Anzahl an Verbrechen im Zusammenhang mit Drogen zwischen 2020 und 2021 von 124 auf 173 im Jahresvergleich. „Wir haben eine junge motivierte Truppe. Die Kollegen kontrollieren vermehrt“, erklärt er. Wo mehr kontrolliert werde, finde man auch mehr. Das zeigen die Jahre 2018 und 2019: Damals verzeichnete man 199 und 185 solcher Delikte pro Jahr. In den Jahren zuvor war deren zweistellige Anzahl auf etwas mehr als 100 binnen zwölf Monaten gestiegen.

In Bayern ist Drogenbesitz laut Storath eine Straftat, egal, wie wenig man einstecken hat. Seine Kollegen haben sich fortbilden lassen, welche Anhaltspunkte auf Rauschmittel hinweisen. Fahrauffälligkeiten seien das zum Beispiel, meint der Polizist. Während Heroin und LSD in der Rauschgift-Szene der Region kaum von Belang sind, finden seine Kollegen häufig Cannabis und Crystal Meth während ihrer Kontrollen. Letzteres wird laut dem Hauptkommissar in Drogenlaboren in Tschechien hergestellt und finde so seinen Weg ins nahe Oberfranken. Seine Kollegen, die „Verbrechen auf der Straße“ aufklären, erwischen meist die „Endkonsumenten“. Ergeben sich daraus Hinweise auf sogenannte Drogenringe, gehen ihnen die Kriminalpolizisten der Region nach.

Mehr Delikte im Netz

An Diebstählen hingegen verzeichneten die Beamten zwischen 2020 und 2021 61 Fälle weniger. Deren Anzahl sank von 368 auf 307. Vor allem aus Autos klauten Kriminelle weniger als im Vergleich zum Vorjahr. Aus Geschäften entwendeten sie 62 Mal etwas – ein vergleichbarer Wert zum ersten Pandemiejahr. In Wohnungen aber brachen Delinquenten im Jahresvergleich weniger häufig ein – sieben statt 16 Mal. Das liege daran, dass Bewohner durch die Folgen der Pandemie mehr Zeit in ihren Wohnungen verbrachten, meint Storath. Auf die Gewaltkriminalität – dazu zählen unter anderem Mord, Totschlag, Vergewaltigung, gefährliche und schwere Körperverletzung – hat sich die Pandemie laut Statistik kaum ausgewirkt. Lediglich drei Fälle weniger zählten die Beamten im Vergleich zu den 53 Fällen im Jahr 2020. Bei häuslicher Gewalt haben seine Kollegen nicht öfter einschreiten müssen als vor der Pandemie, erklärt der Dienststellenleiter.

Während die Straften auf der Straße rückläufig waren, ermittelten die Beamten häufiger in Delikten, die im Internet begangen wurden: Cybercrime. In diesem Bereich gingen sie in 20 Fällen mehr als im Vorjahr Hinweisen nach. Die Anzahl an Verbrechen in Sachen Kinderpornografie stieg von acht auf 14.

Bei jedem fünften Fall

Bei Vergehen von Heranwachsenden schritten Neustadts Polizisten vergangenes Jahr 154 Mal ein. Die Fälle der Jugendkriminalität stiegen von 129 im Jahr 2020 auf 154 ein Jahr später. Am meisten machten sich die unter 21-Jährigen wegen Sachbeschädigung strafbar.

Als „Rekordverbrechen“ weist die Statistik jedoch ein anderes Delikt aus: Gemessen an allen Straftaten wurden die Ordnungshüter des östlichen Landkreises vergangenes Jahr am häufigsten wegen Diebstählen gerufen – bei jedem fünften Fall.