Pop-Art in Schloss Hohenstein Stars für einen Augenblick

„Women in Cars“ haben James Francis Gill vor 60 Jahren berühmt gemacht. In Schloss Hohenstein sind die Pop-Art-Klassiker und neue Varianten des alten Themas zu sehen.

Es muss ja nicht immer Marilyn sein. Keiner kennt mehr die Namen der jungen Grazien in den flotten Flitzern, aber ihren Schöpfer haben sie berühmt gemacht: Als das New Yorker Museum of Modern Art 1962 neben seinem Monroe-Triptychon auch ein Bild aus seiner Serie „Women in Cars“ ankaufte, war James Francis Gills Aufstieg in den Pop-Art-Olymp besiegelt. Dort sitzt er noch heute zur Rechten Andy Warhols und unweit von Roy Lichtenstein; nicht ganz so berühmt, doch dafür noch immer quicklebendig und kreativ.

Mit 87 ist der Texaner nach 30-jähriger Kunstpause wieder ungemein produktiv – und gut unterwegs: Mit elf Ausstellungen in Deutschland und der Schweiz feiert der Altmeister heuer den 60. Jahrestag seines Durchbruchs. Vier Vernissagen hat er gerade binnen einer Woche absolviert, eine davon am Sonntag auf Schloss Hohenstein.

Zweimal schon – 2016 und 2017 – hatte Gill Ausstellungen in der Coburger Galerie Späth eröffnet. Nun hat sich sein Management, die Premium Modern Art GmbH Heilbronn, für die historische Location vor den Toren der Stadt entschieden. Deren Eigentümerin, die Oskar-Hacker-Stiftung, möchte das Baudenkmal nicht nur erhalten und gastronomisch nutzen, sondern als Ort der Begegnung mit zeitgenössischer Kunst etablieren.

Mit großen Namen und populären Ausstellungen möchte Stiftungsvorstand Ralph Veil die „Marke“ Kunstforum Schloss Hohenstein bekannt machen und damit in die Lage versetzen, weniger bekannte Künstler/innen zu fördern. Dafür hat er ein Netzwerk aus Wirtschaft und Kultur geknüpft und Premium Modern Art gleich zweifach ins Boot geholt: Auf dem kommerziellen Deck fungiert die Firma als Mieter der Schloss-Galerie, auf dem gemeinnützigen Deck lotst ihr Chef Ted Bauer neben Veil den „Verein der Freunde und Förderer eines Museums für Kunst und Kultur auf Schloss Hohenstein e. V.“

Der Startschuss für das ambitionierte „Kunstforum“ im vergangenen Jahr war weithin hörbar: Zum 80. Geburtstag des malenden Songpoeten Bob Dylan lockte eine von deutschlandweit vier Ausstellungen seiner Zeichnungen und Gemälde viel weit gereistes Publikum ins Schloss.

Mit Francis James Gill knüpft die Galerie geschmeidig daran an: Wieder füllen farbenfrohe Eyecatcher die Salons, wieder geht es sehr amerikanisch zu. Obwohl uns der Maler mit dem obligaten Cowboyhut nur einen kleinen, sehr speziellen Ausschnitt des american way (oder dream?) of life zeigt: Frauen in Autos. Nicht Taxifahrerinnen oder KfZ-Mechanikerinnen interessieren ihn, sondern mondäne Schönheiten, die den Sportwagen als Statussymbol und Rahmen ihrer Selbstinszenierung nutzen. Und gerne mal die signalroten Lippen vor dem Außenspiegel nachziehen.

Gill betrachtet sie meist durchs Seitenfenster, zeigt sie in ihrer eskapistischen Paraderolle: stolz, geheimnisvoll, von kühler Erotik und glamouröser Aura. Sind wirken wie Stars für einen Augenblick, selbstbewusste Männerfantasien, geboren aus dem Zeitgeist der Sixties, doch in der Ära postfeministischer Influencerinnen gar nicht mal so antiquiert.

Der Blick auf die Signatur weist einige von ihnen denn auch als überraschend jung aus: Für die Ausstellungen „60 Jahre Women in Cars“ entdeckte Gill sein altes Erfolgsthema neu und schuf in den vergangenen drei Jahren etliche weitere Variationen, die nun neben „Klassikern“ zu sehen und zu kaufen sind. Für Fans und Sammler gibt es zudem ein 400-seitiges Coffee Table Book in limitierter Auflage sowie Serigraphien in hochwertigen Box-Sets. Zur Freude des Kurators Stephan Zipfel schmücken diesmal neben den limitierten Editionen 15 Originale, Gemälde sowie kolorierte Skizzen den blauen und den grünen Salon – bei Dylan waren es nur drei.

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