Posseck Soziales Engagement im Blut

Heike Schülein

Die KAB Posseck-Gifting-Grössau gibt es seit 75 Jahren.

Die Katholische Arbeitnehmer- Bewegung (KAB) versteht sich als Stimme der Kirche für die Arbeitswelt bei Themen wie zum Beispiel Mindestlohn, bedingungsloses Grundeinkommen, arbeitsfreier Sonntag und andere Belange von Familien. Am Sonntag feierte der Ortsverband Posseck-Gifting-Grössau nun sein 75-jähriges Bestehen.

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Am 18. April 1948 von Pfarrer Peter Ochs mit 33 Männern und zwei Frauen aus den drei Ortschaften als katholisches Werkvolk gegründet, tragen seitdem engagierte Mitglieder das kirchliche Leben in der Pfarrei mit und fördern den dörflichen Zusammenhalt.

Zur Festversammlung im Pfarrheim Posseck konnte Ortsvorsitzende Adelheid Kotschenreuther zahlreiche Vertreter örtlicher Vereine und Gremien und Ehrengäste begrüßen. Sie sowie Kassiererin Sabine Pfadenhauer hielten dabei auch einen geschichtlichen Rückblick des Jubelvereins. Ein großer Wunsch sei demnach am 10. Juli 1956 mit der Weihe eines eigenen Banners in Erfüllung gegangen.

Arbeiter, Kreuz, Kammer, Ähre

„Unsere Fahne zeigt als einzige im Bistum Bamberg neben den Symbolen des Arbeiters, dem Kreuz und Hammer auch zwei Ähren“, zeigte sich Sabine Pfadenhauer stolz. Dieses landwirtschaftliche Symbol solle zugleich auch den Zusammenhalt innerhalb der Bevölkerung demonstrieren. Neben der KAB-Fahne war auch die Fahne des örtlichen Männer- und Burschenvereins zu sehen. In einer mutigen Aktion konnte diese durch Eingraben vor den Nazis gerettet werden. Gleiches gilt auch für das alte Protokoll-Buch der KAB, das Pfarrer Ochs damals im Pfarrhaus versteckt hatte. Das Buch in altdeutscher Schrift ist noch immer im Besitz des Ortsverbands.

Bürgermeisterin Susanne Grebner aus Wilhelmsthal und 2. Bürgermeister Wolfgang Förtsch aus Pressig betonten dann die Notwendigkeit der KAB für ihre Gemeinden sowie die ganze Gesellschaft. Der Ortsverband stelle, so KAB-Kreisvorsitzender Günter Romig auch namens von Verbands- und Rechtsreferentin Manuela Mähringer, einen Aktivposten im Kreisverband dar, was nicht zuletzt der Verdienst von Adelheid Kotschenreuther als stellvertretende Kreisvorsitzende sei. Der Dekan Präses Detlef Pötzl sowie Heinz Hausmann zeigten sich dankbar, dass die KAB ein Stück weit zu einer gerechteren, solidarischeren und friedlicheren Welt beitrage.

Neues Zukunftskonzept

Die eindrückliche Festrede hielt Diözesanvorsitzende Ingrid Schumann, die dabei auch das neue Zukunftskonzept der KAB vorstellte. Damit sollten die Bereiche Dienstleistung, politische Arbeit, Selbsthilfe und Bildung weiter vorangebracht werden. Die KAB habe ein großes Know-how; vermarkte es aber zu wenig. Kernthemen seien Arbeitswelt und faire Löhne, Rente, Sonntagsschutz, Gesundheit, Nachhaltigkeit, KAB als Kirche in der Gesellschaft sowie KAB als internationale Bewegung. Nach dem neuen Konzept sollen auch die Zielgruppen aus einer anderen Perspektive betrachtet werden. Man nehme weniger Merkmale wie Alter, Geschlecht, Familienstatus, Wohnort etc. in den Blick, sondern stärker sogenannte psychografische Aspekte wie Einstellung, Motivation, Meinung und aktuelle Lebensphasen.

Das Zukunftskonzept war auch Thema des vorausgegangen Festgottesdienst in der Possecker Pfarrkirche gewesen, den Dekan Detlef Pötzl zelebrierte. Mit innig-ergreifenden Klängen wurde der Gottesdienst wie auch der anschließende Festakt von den Hirtenhaussängern rund um Gottfried Grau stimmungsvoll umrahmt.

Treue Mitglieder

Eingebettet in den Festtag war auch die Ehrung langjähriger Mitglieder. Roland Völk sowie das Ehepaar Gertrud und Günther Völk gehören dem Ortsverband ebenso 25 Jahre an wie Norbert Förtsch, der leider nicht anwesend sein konnte. Ein außergewöhnliches Jubiläum feierte Anni Neder, die der KAB bereits seit 60 Jahren die Treue hält und sich in vielerlei Bereichen für sie einsetzte. So gehörte sie einige Zeit dem Vorstand an und war stark bei den KAB-Senioren aktiv.

Auf 55 Jahre Mitgliedschaft blickt Adelheid Kotschenreuther zurück. Die über einen riesigen Erfahrungsschatz verfügende Ortsvorsitzende „mit der KAB im Herzen und Blut“ erwarb sich auch in der Kreisvorstandschaft sowie auf Diözesanebene größte Verdienste um den Sozialverband. „Mir wurde die KAB in die Wiege gelegt“, bekundete die Ortsvorsitzende, deren Großvater Gründungsmitglied im damaligen Werkvolk war. Auch ihre Eltern und Schwiegermutter gehörten der KAB an; ihr Ehemann Reinhard war erster Fähnrich. „Ich kann mich noch erinnern, wie der Vorsitzende Hans Hempfling damals mit seiner Haarschneidemaschine in Grössau umher ist, den Männern die Haare geschnitten und dabei Werbung für das Werkvolk gemacht hat“, erzählte sie, begleitet von vielen Lachern.