Das ist Bauerntheater vom Feinsten. Die Waldbühne Heldritt erlebte am Samstagabend eine grandiose Premiere des alten Fernsehschinkens „Kohlhiesels Töchter“ in regionaler Neuauflage von Rita-Lucia Schneider in Inszenierung von Michal Sykora. Die Generalprobe muss wohl gründlich schief gelaufen sein, denn die Premiere war allererste Sahne. Besagt eine alte Theaterweisheit. Was da auf der Bühne abgeliefert wurde, war einsame Spitze, Humor vom Feinsten, Kreativität aus der Wortkiste und eine schauspielerische Leistung, die Laiendarsteller zu nennen, sich die Feder sträubt. Alter Klassiker neu aufgelegt, regional fränkisch zugeschnitten und medial modern wie auch klischeehaft zugespitzt drapiert. So geht es zu auf diesem fränkischen Bauernhof, wo Tochter Augusta das Zepter in der Hand hält, der Papa Xaver ein verschmitzter „Schnapselier“ ist und die andere Tochter Adele frisch vom Studium zur EU-Landwirtin kommt. Die beiden unter die Haube zu bringen, wäre ein leichtes, wenn nicht die Augusta so eine herrische Chefin auf dem Hof wäre. Aber: Xaver, seines Zeichens ein leidenschaftlicher Ornomastiker mit kleiner Schnapsschwäche, hat seiner Frau auf dem Sterbebett versprechen müssen, dass die Adele erst dann heiraten kann, wenn auch die Augusta ein Deckelche findet. Und das dürfte eher schwierig sein, bei einer Frau, die das Zepter hält, zupackt, antreibt und mal kernig zu fluchen versteht. Die Lösung: Bauer sucht Frau. Und schon beginnen die Verwicklungen. Adele bringt vom Studium den Hubert als Praktikanten für die Hofarbeit mit, und Xaver bestellt heimlich RTL. Alles wird zur „Skripted Reality“ und endet in der realen „Reality“. Per Kamera fürs Publikum live auf Leinwand mitgeschnitten. Eben ein echter Fernsehzirkus, wie er leibt und lebt.
Premiere auf Waldbühne Bauer sucht Frau in Heldritt
Gabi Bertram 04.06.2023 - 11:37 Uhr