Premiere Hufschmiede suchen ihren Meister

Günther Geiling

Bei der ersten bayerischen Meisterschaft für Hufschmiede in den Haßbergen treffen 40 Meister ihres Faches aufeinander. Auch aus den Niederlanden und der Schweiz sind Teilnehmer dabei – ein Spektakel, bei dem die Funken nur so sprühen.

Es ist wirklich eine schweißtreibende Arbeit: Die Funken sprühen, wenn die 22-jährige Hufschmiedin Lena mit ihrem Hammer auf das 1200 Grad heiße und glühende Eisen schlägt. Schweißtropfen rinnen ihr nur so übers Gesicht. Ähnlich ergeht es den übrigen 40 Teilnehmern, die bei der Premiere der 1. Bayerischen Hufschmiede-Meisterschaft in Ebelsbach dabei sind und mit großer Leidenschaft um die Punkte und den Sieg kämpfen. Und viele Zuschauer sind begeistert, so ein Spektakel einmal aus allernächster Nähe verfolgen zu können.

„Hufeisen-Bräutigam“ in Ebelsbach hatte in den letzten Jahren mit seinem Betrieb für Hufschmiedebedarf schon öfters mit besonderen Veranstaltungen aufgewartet, bei der man auch international bekannte Hufschmiede bei ihrer Arbeit beobachten konnte. Nun lud Sven Bräutigam zur Premiere der 1. Bayerischen Meisterschaft für Hufschmiede ein. „Ich habe eine solche Veranstaltung schon immer im Kopf gehabt, wollte sie schon vor zwei Jahren abhalten und dann ging es wegen Corona nicht“, sagt er. Dann sei er im letzten Jahr auch noch ernsthaft krank geworden. Deswegen hätten ihm seine Mitarbeiter das Geschenk gemacht, das ganze Event an diesem Wochenende selbst zu planen.

Internationale Beteiligung

„Ich freue mich so auch riesig, dass diese Veranstaltung eine so große Resonanz gefunden hat, und ich möchte diese als einen festen Bestandteil in Deutschland einbringen“, sagt Bräutigam. 40 Teilnehmer seien schon ein gewaltiges Potenzial, wobei sich die Holländer quasi mit einem kleinen Nationalteam und ebenso die Schweizer mit einem Farrier-Team beteiligen. Dazu kämen Starter aus Belgien und auch aus ganz Deutschland seien viele Hufschmiede dabei.

Carsten Faehrmann stellt als „Chef-Steward“ das Equipment und überwacht alles präzise. Er ist selbst Hufschmied und hat schon an zahlreichen Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen. Nun organisiert er solche Wettbewerbe in ganz Deutschland und auch international. „Das Schöne ist dabei, dass man sehr viele Berufskollegen aus der ganzen Welt kennenlernt“, so Faehrmann: „Die Hufschmiede sind dabei wie eine kleine Gemeinde oder wie ein Wanderzirkus zwischen den Wettbewerben.“

Dabei klagt man derzeit darüber, dass dem Gewerbe der Nachwuchs ausgehe und bei steigendem Pferdebestand die Anzahl der tätigen Hufschmiede sinke. In Ebelsbach hat man dieses Gefühl nicht, denn unter den Teilnehmern sieht man sehr viele junge Leute.

Frau in Männerdomäne

In der ersten Gruppe sticht dabei die 22-jährige Schweizerin Lena Guggisberg heraus. Ganz kurz vor Beginn ihres ersten Wettbewerbes schaut sie noch einmal auf einen Zettel, auf dem ein Hufeisen mit besonderen Anforderungen aufgemalt ist. Daneben auf einem Hocker liegen eine große Auswahl von Werkzeugen und zwei Flacheisen, aus denen binnen 60 Minuten zwei Hufeisen entstehen sollen. Und da gibt es genug zu hämmern und am Amboss zu biegen, immer wieder für die richtige Temperatur am Gas-Brennofen zu sorgen und ja keinen Fehler zu machen, der nicht mehr korrigierbar ist. Die Schweizerin lässt sich dabei assistieren von ihrem Freund Laurin Bärtschi. Dass die beiden ein eingespieltes Team sind, sieht man ihnen an. Mit ihren schweizerischen Team nehmen sie an mehreren Wettbewerben im Jahr teil, bis in die USA.

Wie sie in diesen Beruf hineingeraten ist? „Schon als kleines Mädchen habe ich mit dem Reiten begonnen und bin mit Pferden groß geworden“, sagt Lena Guggisberg. „Mein Großvater war sogar Huf- und Wagenschmied. Später stöberte ich mit meiner Oma in alten Schmökern und dabei erschien auch ein Hufschmied. Ich bin also in der 4. Klasse zu meiner Entscheidung gekommen, dass Hufschmied einmal mein Beruf werden solle. Es war wie eine Berufung.“ Seit 2020 ist sie nun angestellt bei zwei Hufschmieden.

Quereinsteiger als Lokalmatador

Einer der wenigen aus dem nahen Umkreis ist Fabian Zimmermann aus Zeitlofs/Bad Kissingen. Er ist gelernter Kfz-Mechaniker, der Beruf, der am häufigsten in der beruflichen Vergangenheit der Hufschmiede zu finden ist. „Wir hatten zu Haue schon drei Pferde, meine Frau ist Turnierreiterin und außerdem haben wir einen Kaltblüter für einen Wagen“, berichtet er. So sei ein gewisses Interesse schon von vornherein da gewesen: „Wir mussten unsere Pferde ja auch beschlagen lassen und unser Hufbeschlagschmied ist heute mein Chef“, sagt er zu seinem Ausbildungsplatz. Sein Chef betreibt hauptberuflich einen Hufschmiedebetrieb, dessen Einzugsbereich sich über ganz Unterfranken erstreckt. Zu den Kunden fährt man in einer mobilen Werkstatt.

Sein Interesse als Quereinsteiger in diesen Beruf beschreibt Fabian Zimmermann so: „Man erlebt sehr abwechslungsreiche Tage. Jeder Tag sieht anders aus und auf jeden Kunden muss man sich anders einstellen. Durch meine Arbeit kann ich den Kunden, aber auch den Pferden helfen. Was gibt es denn Besseres, als den eigenen Arbeitserfolg zu sehen und zu spüren? Dazu ist man den ganzen Tag an der frischen Luft.“

Als Hufschmied im Senegal

Markus Bottenberg, kurz vor dem 60. Lebensjahr, hat den Beruf eines Hufschmiedes von der Pike auf gelernt, ihn auch ausgeführt, bis zu einem Auslandseinsatz in Afrika. Dort hat er in einem Reitstall in Dakar im Senegal Pferde beschlagen. „Das geschah aber unter ganz anderen Voraussetzungen, denn da gab es gar nichts außer Kohlefeuer und Holzkohle“, erzählt er. „Ich musste mich mit dem Einfachsten begnügen, hatte natürlich meine Werkzeuge dabei und musste mit Feuer, Amboss und Hammer auskommen.“

Sein großer Erfahrungsschatz ist nun auch bei Herstellern von Hufeisen und Werkzeugen rund um die Hufschmiedearbeit gefragt, sodass Markus Bottenberg inzwischen bei einer der ältesten Firmen von Schweden beschäftigt ist und hier sehr viele Hufschmiedebetriebe aufsucht, wie auch den in Ebelsbach. „Hufschmied ist einer der ältesten Beruf, aber er hat sich sehr geändert“, sagt Markus Bottenberg. „Heute kommen auch nicht mehr die Pferde in die Schmiedewerkstatt, sondern der Schmied mit seiner mobilen Werkstatt zum Pferdebesitzer.“ Ganz wichtig sei, dass die Arbeit des Hufschmiedes am Pferde regelmäßig geschehe: „Das ist wichtig für die Gesundheit des Pferdes – und für die ist der Hufschmied verantwortlich.“

Ein Sportpferd müsse alle vier bis sechs Wochen und ein Freizeitpferd ca. alle acht Wochen beschlagen werden. Daraus folgt, dass der Hufschmied mit dem Pferd oft mehr verbunden sei als der Reiter, der ja den Sattel dazwischen hat. „Man gewöhnt sich auch an die Pferde. Bei manchen habe ich schon den Hengst, die Stute und das Fohlen beschlagen“, lacht Bottenberg. Schließlich habe man auch eine größere Verantwortung und das gelte besonders für Sportpferde, bei denen alles ganz präzise ausgeführt werden müsse: „Da können schon ein Zehntel Millimeter oder ein falsch ausgeschnittenes Huf die Medaille kosten oder dem Pferd einen Schaden zufügen.“

Die Aufgaben der ersten Bayerischen Hufschmiedemeisterschaft erfordern das gesamte Können der Hufschmiede. Zwei Hufeisen in 60 Minuten, eines davon als „Überraschungseisen“. Dann ein „Speed-Wettbewerb“, ein vorgefertigtes Paar in 20 Minuten, bei dem vor allem immer wieder das Aufwärmen des Eisens dem einen oder anderen Zeitprobleme bereitete. Schließlich dann der „Open Class Eagle Eye“-Wettbewerb, wo der Schmied ein Huf zehn Sekunden lang von allen Seiten anschauen kann und sein Eisen danach anfertigen muss. Für die Finalprüfung müssen dann auch noch Hufeisen geschmiedet und ein Pferd damit beschlagen werden. Den beiden Juroren Paul Robinson aus Schottland und Hans Maier aus der Schweiz kommt dann die verantwortungsvolle Aufgabe zu, die Hufe und damit die Arbeit der Hufschmiede zu gewichten.

 

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