Premiere in Kronach Das hat prima geklappt!

Die Musikschulen Kronachs begeisterten mit einem Live-Konzert auf einem voll besetzten Parkdeck. Ihre Stühle hatten sich die Zuhörer selbst mitgebracht.

Kronach - Die Rodacher Straße bot am Dienstagabend einen kuriosen Anblick. Menschen jeden Alters liefen mit Stühlen, Liegen und Hockern zu den Eingängen eines Parkhauses, um sich ganz oben auf dem autofreien Parkdeck zu treffen und Musik zu genießen.

Diese einmalige Idee stammte von Burkhard Schürmann und seinen Teams der Berufsfachschule für Musik in Oberfranken und der Sing- und Musikschule Kronach. Möglich wurde sie aber nur dank der begeisterten Zustimmung von Bürgermeisterin Angela Hofmann. Alles sollte spontan sein oder diesen Eindruck erwecken, aber natürlich war der Programmablauf fest ausgeklügelt. Hilfreich war es auch, das Schulleiter Burkhard Schürmann von seinem Vorhaben, nichts zu sagen, abwich und die kleinen Umbaupausen nutzte, die Darbietungen und ihre Interpreten werbewirksam vorzustellen.

Die ungewohnte, dennoch überraschend angenehme Atmosphäre des Konzertsaales auf dem Parkdeck, mit Licht, Luft und Sonne im sommerlichen Open-Air-Flair, ließ dann auch Sehnsucht auf künftige Musikereignisse emporfliegen. An Tagen wie diesen war es erlaubt, in den Sonnenuntergang über Kronach hinein zu träumen.

Ein Traum war für alle Mitwirkenden und alle Besucher bereits in Erfüllung gegangen. Endlich wieder ein Konzert, Live-Musik vor einem großen Publikum. Alle Musiker konnten sich mit den Ergebnissen ihrer oft einsamen Arbeit im Distanzunterricht der Öffentlichkeit vorstellen und um das Brot des Künstlers, den Beifall, eifern.

Dabei mussten Stimmen und Instrumente ohne Verstärkung die nicht optimale Akustik des „Konzertsaals“ in Kauf nehmen, was der Begeisterung des kulturhungrigen Publikums keinen Abbruch tat und die Musiker noch beflügelte. Das Programm bot eine breite Palette der Möglichkeiten des Musizierens. Solistische Darbietungen wie die Songs von George Gershwin durch Jakob Kammerer, der im Hauptfach Schlagzeug studiert, aber durch den allgemein verpflichtenden Chorgesang seine Liebe zum Singen entdeckt hat. Immer wieder traumhaft erklangen die Vibraphone der Schüler von Günther Peppel. Neben den Solisten, die instrumental und vokal begeisterten, erfreuten besonders die Ensembles beider Schulen. Die Blockflöten von Franziska Trommer, die Gitarren von Gerhard Bauer und Maria Kuhn oder auch das ganz besondere „Alte-Musik-Ensemble“, in dem Franziska Trommer jungen Menschen auch regionale Instrumente und wirkliche Volksmusik nahebringen kann.

Neben dem Blechbläser-Ensemble von Ronja Dittmar überraschte das perfekte Akkordeon-Duo von Harald Kotschenreuther ebenso die aus reiner Schülerinitiative entstandene „Jazz-Combo BfM“ von Jannis Bock, der Drummer des Quartetts um den Saxofonisten David Staufer.

Die Veranstaltung hielt so etliche Überraschungen bereit. Dazu gehörte der kurzfristig eingebaute Soloauftritt von Sebastian Koch, einem ehemaligen Absolventen der BFM aus Kronach und jetzigem Musiklehrer, mit Liedern von Henry Purcell für und als Counter-Tenor. Überraschend auch der ebenso professionelle Auftritt des Gitarren-Ensembles mit einem „Chippewyan Naildance“ der Kanadierin Annette Kruisbrink und der traditionelle, geliebte Konzertabschluss mit der großen „Konzertchor“ der Schule unter Leitung ihres Maestros Burkhard M. Schürmann. Denn bevor es zum gewohnten klassischen Finale mit Bachs Choral „Der Tag ist nun vergangen“ kam, erklang ein Chorwerk „Latin aus der Schultasche“, das der „Ehemalige“ Florian Jungkunz aus Kronach in der Corona-Hochzeit für geschlossene Lippen, zum Summen, komponiert hatte.

Die Freude, endlich wieder Live dabei sein zu können, sich in einem Konzert lebendig begegnen zu können, war allgemein fühlbar.

 

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