Pressig Kinder ziehen ins einstige Modehaus ein

Karl-Heinz Hofmann

Um den Kindergarten in Rothenkirchen sanieren zu können, suchte man händeringend nach einem Ausweichquartier. Das hat man jetzt gefunden - und zwar ganz in der Nähe.

Das einstige Textilfachgeschäft Scherbel in Rothenkirchen wird zum Ausweichquartier für den Kindergarten umgebaut. Foto: Karl-Heinz Hofmann Quelle: Unbekannt

Pressig - Der Marktgemeinderat Pressig hat am Dienstag einen großen Schritt in Richtung Erweiterung des katholischen Kindergartens St. Franziskus in Rothenkirchen gemacht. Bahnbrechend ist hierfür vor allem, dass man ein Ausweichquartier für die Zeit während der Baumaßnahme gefunden hat. Die Besitzerin des ehemaligen Textilfachgeschäftes Scherbel Mode und Sport in Rothenkirchen, Brigitte Porzelt, erklärte sich bereit, dafür ihre ehemaligen Verkaufsräume zur Verfügung zu stellen und sie entsprechend umbauen zu lassen. "Damit ist ein großer Schritt getan, und wir können endlich nach vorne schauen und den Umbau-, Sanierungs- und Erweiterungsbau am bestehenden Kindergarten St. Franziskus in Angriff nehmen", freute sich Bürgermeister Stefan Heinlein. Das Gebäude des ehemaligen Modehauses könnte langfristig sogar als dritter Kindergarten im Markt Pressig dienen.

Nach der Werbung weiterlesen

Bis dahin sei es jedoch ein weiter und schwieriger Weg gewesen, sagte der Bürgermeister. Schon vor mehr als zwei Jahren hatte das Ratsgremium den Umbau und die Erweiterung beschlossen. Doch dann kam im Herbst 2018 vom Gesetzgeber ein neues Raumprogramm. Ab diesem Zeitpunkt musste alles wieder umgeplant werden, denn es waren weitere Räume erforderlich. Die ursprüngliche Planung bezog sich auf eine Fläche von 122 Quadratmetern, die neue wurde auf 202 Quadratmeter ausgeweitet. Daraus resultiert auch die Kostensteigerung für den Anteil des Marktes Pressig auf rund 400 000 Euro. 2018 war man noch von 250 000 Euro ausgegangen.

Im Juli 2019 stimmte das Ratsgremium dem Umbau, der Erweiterung und der Teilsanierung des Kindergartens aufgrund der vorliegenden Planung durch das Architekturbüro Schöttner aus Wallenfels zu. Die Gesamtkosten für das Projekt wurden mit 1 368 542 Euro beziffert, der Anteil für den Markt Pressig mit 398 261 Euro.

Im Hinblick auf die Bauzeit ging Architekt Kersten Schöttner von eineinhalb bis zwei Jahre aus. Der Kindergarten werde dann über Gruppenräume für 50 Kindergarten- und zwölf Krippenkinder verfügen. Dahingehend wurde bei der Regierung von Oberfranken ein Förderantrag gestellt.

Als Ausweichquartier für die Kinder hatte man ursprünglich das Jugendheim im Auge, was jedoch in diesem Umfang nicht realisiert werden konnte.

Schließlich konnte Brigitte Porzelt aus Rothenkirchen gewonnen werden, um die Räumlichkeiten ihres ehemaligen Textilfachgeschäftes, welche seit der Schließung vor etwa drei Jahren leer stehen, zur Verfügung zu stellen. Einigkeit herrschte im Gemeinderat darüber, dass dies sogar eine optimale Lösung sei, da sich das Gebäude in der Nähe des Kindergartens befindet und weil auch noch ein Teil des Gartens genutzt werden darf. Die Anfahrt erfolgt nicht von der Hauptstraße und der Kaiser-Karl-Straße aus, sondern über die weniger befahrene Beethovenstraße. Die Umbaukosten werden auf 232 000 Euro geschätzt.

In der Sitzung am Dienstag sprach sich das Gremium einhellig für eine 50-prozentige Beteiligung an den Umbaukosten aus. Bürgermeister Heinlein sprach von einer längerfristigen Lösung. Besondere Zustimmung für das Konzept gab es von Reinhold Heinlein (CSU) und Thomas Günther (Bürgergemeinschaf(f)t), die es als perfekt, stimmig und als gelungen bezeichneten. Die bestehende Ölheizung soll durch Holzhackschnitzel ersetzt werden. "Warum wollen wir das Öl des Frankenwaldes, das vor der Haustüre nachhaltig wächst, nicht als Energiespender nützen?", ergänzte Günther.

Heiko Kopp (Bürgergemeinschaf(f)t) regte an, das Ausweichquartier gleich für längere Zeit festzulegen. Hasan Dag (SPD) meinte, man müsse Brigitte Porzelt sehr dankbar dafür sein, dass sie dem Markt Pressig und der Kirchenstiftung hier zu einer guten und langfristigen Lösung zum Wohle der Kinder verhelfe.

Architekt Kersten Schöttner stellte das Umbau- und Erweiterungskonzept für den bestehenden Kindergarten und auch für das Ausweichquartier mit rund 400 Quadratmetern Fläche vor. Der bestehende Kindergarten wird um rund 200 auf insgesamt 429 Quadratmeter Nutzfläche erweitert.