Prinzessin Kate Haarausfall, Übelkeit und Co.: wie eine Chemotherapie wirkt

Regine Warth
Kates erster Auftritt nach ihrer Krebsdiagnose (mit Ehemann Prinz William). Sie leide durchaus unter den Nebenwirkungen der Therapie, so die 42-Jährige. Foto: o//Stephen Lock / i-images

Chemotherapien haben Einfluss auf den ganzen Körper. Das sieht man auch bei Prinzessin Kate, die aktuell wegen einer Krebserkrankung behandelt wird. Gerade Frauen fürchten Nebenwirkungen, etwa Haarausfall. Doch dazu muss es nicht bei jedem Medikament kommen.

 
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Die Parade „Trooping the Colour“ war ihr erster Auftritt nach der Krebsdiagnose: Prinzessin Kate zeigte sich am Samstag erst in einer Kutsche, dann winkend auf dem Balkon des Buckingham-Palasts in London. Dass die 42-Jährige an der Militärparade zu Ehren ihres Schwiegervaters König Charles III. (75) teilnehmen konnte, ist keine Selbstverständlichkeit. Wenige Tage zuvor hatte sie in einem persönlichen Statement bekannt gegeben, dass sie die Krebsbehandlung belaste: „Ich mache gute Fortschritte, aber wie jeder weiß, der eine Chemotherapie durchmacht, gibt es gute und schlechte Tage.“

So ist eine Chemotherapie nicht nur ein Angriff auf den Tumor, sie zieht auch den gesamten Körper in Mitleidenschaft, erklären Krebsmediziner. Was für Folgen die Behandlung hat, und mit welchen Nebenwirkungen zu rechnen ist, zeigt diese Übersicht.

Wie wirkt eine Chemotherapie?

Chemotherapien werden gegen viele verschiedene Krebserkrankungen eingesetzt. Die Wirkstoffe sollen Krebszellen daran hindern, zu wachsen und sich zu teilen, erklärt Claudio Denzlinger, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Dabei schädigen die Zytostatika genannten Mittel die Erbsubstanz der Krebszellen oder greifen in ihren Stoffwechsel ein: Sie können sich nicht mehr vermehren.

Derzeit kommen über 50 verschiedene Zytostatika zum Einsatz, einzeln oder in unterschiedlichen Kombinationen – je nach Erkrankung. „Teils werden Chemotherapien auch mit neuen, zielgerichteten Therapien kombiniert“, sagt Denzlinger, der im Marienhospital Stuttgart das Onkologische Zentrum leitet. Diese gezielt eingesetzten Medikamente greifen bestimmte Schwachstellen des Tumors an. Andere Behandlungsformen, die mit einer Chemo kombiniert werden können, arbeiten mit Antikörpern, die das Wachstum der Krebszellen oder der Blutgefäße im Tumor hemmen.

Wie lange dauert die Behandlung?

Die Dauer der Therapie hängt von der Art des Tumors ab, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, welche Medikamente verwendet werden und wie gut sie anschlagen. Auch spielt eine Rolle, ob die Behandlung mit anderen Krebstherapien kombiniert wird: Prinzessin Kate erhält nach eigenen Angaben eine sogenannte adjuvante Chemotherapie. Diese erhalten Patienten in der Regel nach einer Operation. Sie soll helfen, im Körper verbliebene Tumorreste oder verstreute Krebszellen abzutöten. Die Gabe der Chemotherapie an sich dauert nur wenige Minuten bis hin zu mehreren Stunden. Allerdings gibt es unterschiedlich lange Behandlungszyklen – je nachdem, ob eine Heilung oder eine palliative Versorgung angestrebt wird, sagt Denzlinger. „Die kurative Therapie kann sich mehrere Monate hinziehen. Dagegen dient eine palliative Behandlung dazu, den Krebs so weit zurückzudrängen, dass sich mit ihm beschwerdefrei leben lässt.“ Diese wird auf unbestimmte Zeit angesetzt.

Gibt es Nebenwirkungen?

Das Problem einer jeden Chemotherapie ist, dass sie nicht nur Tumorzellen angreift: Auch gesunde Zellen teilen und vermehren sich – können also aufgrund der Chemotherapeutika in Mitleidenschaft gezogen werden. Betroffen sind dabei vor allem sich schnell teilende Zellen wie die der Blutbildung, der Schleimhäute – und auch die Haarwurzelzellen. Daher haben Betroffene häufig mit Nebenwirkungen wie Blutarmut, Haarausfall und Magen-Darm-Beschwerden zu tun. Auch Erschöpfungszustände und Nervenschmerzen sind nicht selten. „Allerdings lassen sich einige der Nebenwirkungen inzwischen mittels pharmakologischer Tricks sehr gut eindämmen“, sagt Denzlinger.

Kommt es immer zu Haarausfall?

Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg (DKFZ) lässt nicht jedes Zytostatika die Haare in gleichem Ausmaß ausfallen. So wird unterschieden zwischen Medikamenten, die sehr häufig zu Haarausfall führen (etwa bei einem von zehn Patienten), gelegentlich Haarausfall bedingen (etwa bei einem von 100 Patienten) sowie selten zu Haarausfall führen (einem von 1000 Patienten). „Zudem gibt es auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen“, sagt Denzlinger.

So erhöht sich das Risiko eines Haarausfalls, wenn Patienten die Chemo über die Vene ins Blut bekommen oder wenn die Chemotherapie aus mehreren Wirkstoffen kombiniert wird. Auch die Höhe der Dosierung und eng aufeinanderfolgende Behandlungszyklen können Haarausfall verstärken.

Was können Patienten tun?

Krebsforscher raten daher nicht nur zur medizinischen, sondern auch zu einer seelischen Unterstützung, wenn Patienten unter den Nebenwirkungen einer Krebstherapie leiden.

Infos gibt es bei den psychoonkologischen Beratungsstellen: krebsinformationsdienst.de. Insbesondere Frauen gehen unterschiedlich mit dem Thema Haarausfall um: Manche lassen sich bei den ersten Anzeichen eine Glatze scheren – andere, die Sängerin Kylie Minogue oder auch die Moderatorin Sylvie Meis, griffen vor einigen Jahren während ihrer Chemotherapie zur Perücke. Bei entsprechender Diagnose können Patienten sich vom Arzt ein Rezept für eine Perücke ausstellen lassen, sagt Denzlinger. „Die gute Nachricht: In der Regel wachsen die Haare nach – gelegentlich sogar vitaler und robuster als zuvor.“

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