Privatbrauerei in Eltmann/Eschenbach Mit „Franz Josef“ in die Zukunft

Blick auf die Brauerei in Eltmann-Eschenbach, die zu einem weiteren wichtigen Standbein der „Gräflichen Arco-Braugruppe“ werden soll. Foto: /Günther Geiling

Es tut sich was in Eschenbach. Dort, wo einst die Brauerei in der Hand einer Familie lag, hat nun die Arco-Brauerei-Gruppe das Ruder übernommen. Und man hat große Pläne.

Eltmann/Eschenbach - Eltmann und Bier sind an der Grenze von Wein- und Bierfranken in den letzten Jahrzehnten eine besondere Verbindung eingegangen, aber nur eine Brauerei konnte dem Brauereisterben die Stirn zeigen und wurde nun doch von der „Arco-Brauerei-Gruppe“ übernommen. Diese hat aber mit dem Kauf der „Privatbrauerei“ am Standort in Eschenbach Großes vor und will den Ausstoß von 70 000 Hektoliter auf 130 000 Hektoliter nahezu verdoppeln. Dazu soll auch das neue „Franz Josef Bayerisch Helles“ sorgen.

Zum Jahresbeginn 2018 hatte die „Arcobräu“ aus Niederbayern die Traditionsbrauerei in Eschenbach übernommen, die seit dem Jahre 1750 im Familienbesitz der „Wagner“ war und seit dem Jahre 1992 von Karl Werner Wagner als Geschäftsführer und Alleininhaber geführt wurde. „Da die Inhaberfamilie Wagner keinen Nachfolger hat und uns die bestehenden Strukturen reizten, bot sich mit dem Kauf für uns eine einmalige Chance, denn wir suchten Braukapazitäten und es war schwer, in Südbayern etwas Passendes zu finden. So danke ich der Familie Wagner für das Vertrauen und Karl Werner Wagner für die dreijährige Zusammenarbeit in der Übergangsphase,“ betonte Holger Fichtel, Brauereidirektor der Arco-Gruppe.

Gleichzeitig stellte er das junge Führungsteam vor mit Verkaufsleiter Daniel Selig und Braumeister Manuel Reiter. Fichtel sprach beim Invest von einer der „modernsten Brauereien in Deutschland mit einem Top-Zustand und einem vollautomatischen Sudhaus mit genau abgestimmter Technik“, das in die Lage versetze, in Eschenbach sehr hochwertige Biere produzieren zu können. Verbunden sei damit eine Philosophie, bei der die Qualität über allem stehe. Dazu zählten die Verbesserung interner Abläufe, die Optimierung der Technik im Sinne von Qualitätsverbesserungen sowie die Einrichtung eines Brauereilabors, für das Braumeister Stephen Volk zuständig sei.

Dieser zog eine erste Bilanz, dass man täglich 50 bis 60 Analysen ziehe, angefangen von der Beprobung der Rohstoffe, Überprüfung der biologischen Sicherheit, des Milchsäuregehaltes und weiteren Qualitätsmerkmalen, welche die Konstanz und den Geschmack des Bieres beeinflussten.

Braumeister Manuel Reiter ging auf das neue Produkt „Franz Josef Bayerisch Helles“ ein. „Ein Jahr haben wir an der Maische und dem Braurezept für unser neues Helles gearbeitet und daran, ob es süffig ist, leicht die Kehle runter rinnt und ob man Lust auf den nächsten Schluck bekommt. Es ist ein klassisches, helles Bier mit einer milden Hopfengabe, einer Stammwürze von 11,8 und einem Alkoholgehalt von 5,1 Prozent. Das führt zu dieser Vollmundigkeit.“

Auch Brauereidirektor Holger Fichtel war voll des Lobes über das neue „Franz Josef Bier“. „Das Bier besticht schon durch seine helle Farbe und im Geschmack ist es gewaltig.“ Er verriet noch zwei weitere Geheimnisse dieses Trunkes. „Unsere Hopfengabe erfolgt nur mit dem aufwendigeren Aromahopfen und auch mit unserer Hefe erreichen wir einen entscheidenden Einfluss auf den Geschmack. Die Hefe nutzt sich nämlich bei jedem Vergärungsvorgang ab. Während man sonst die Hefe 30- bis 40-mal verwendet, ist es unser Ziel, sie höchstens drei Mal zu verwenden. Das ist ein wichtiges Qualitätskriterium.“

Das „neue Helle“ komme auch mit einem besonderen Erscheinungsbild auf den Markt, in der schon ungewöhnlichen NRW-Flasche und einem hochwertigen Kasten mit einer vollflächigen „Inmould-Gestaltung“. Auf ihr sehe man Franz Josef, den ehemaligen Schützenmeister, mit seiner Armbrust. Er stehe als sympathische Leitfigur für das Urbayerische, die Tradition und das Brauchtum.

Mit Stolz vermeldete der Brauereidirektor, dass man sich für dieses Bier die Markenrechte gesichert und damit eine attraktive „Monomarke“ kreiert habe. „Ich bin mir sicher, dass Franz Josef einschlagen wird. Es ist ein Genuss für alle Bierkenner, die den bayerischen Braustil zu schätzen wissen. Wir streben damit eine hohe Absatzmenge an und es soll nach der ’Mooser Liesl’ die zweitstärkste Biermarke der Arco-Braugruppe werden“.

Direktor Fichtel legte ebenso Wert auf die Feststellung, dass man mit der Übernahme der Privatbrauerei aus Eschenbach angetreten sei für ein Wachstum. „Wir haben hier eine Braukapazität von 160 000 Hektoliter und brauen derzeit 70 000 Hektoliter. Wir sind uns aber sicher, dass wir schnell 120 00 bis 130 000 Hektoliter brauen können.“ Dieses Wachstum gelte aber auch für die gesamt Arco-Braugruppe. Mittlerweile gehörten zu ihr mit der Arco Bräu Moss, der Schlossbrauerei Irlbach, der Schlossbrauerei Grünbach und der Privatbrauerei Eschenbach vier Brauereien. Man habe bei der Arco Bräu vor 15 Jahren bei 80 000 Hektoliter gelegen und habe dies heute auf 400 000 Hektoliter gesteigert. Bis 2023 wolle man die 500 000-Hektoliter-Marke knacken.

Einen wichtigen Beitrag dazu erwarte er sich dazu auch von der „Privatbrauerei Eschenbach“ und freue sich hier über ein junges, dynamisches Team, das an einem Strang ziehe und seine Ideen einbringen dürfe. „Die ersten Erfahrungen mit ’Franz Josef’ sind sehr gut und wir spüren schon jetzt in einzelnen Märkten eine wahnsinnige Umschlaggeschwindigkeit“, bestätigte Verwaltungsleiter Daniel Selig und wies darauf hin, dass man unter der „Arco-Braugruppe“ die Beschäftigtenzahl in Eschenbach auf 25 nahezu verdoppelt habe, denn mehr Ausstoß benötige auch mehr Personal. Neben dem „Franz Josef Bayerisch Hell“ werde man natürlich auch weiterhin die Dachmarke „Eschenbacher“ vertreiben und habe zusätzlich die Produktion von Weißbier mit aufgenommen. Man wolle auch die Region stärken.

Ganz sicher nicht nur zur Freude der Eschenbacher Bürger, sondern der Eltmanner und vieler Radfahrer, nannte der Verkaufsleiter es als weiteres, erklärtes Ziel, „in den nächsten Wochen direkt am ‚Maintal-Radweg’ und unserer Brauerei wieder unser Bräustüberl mit Biergarten zu eröffnen“. Darüber hinaus habe man auch schon neue Märkte im Ausland erschlossen, beispielsweise nach China, wo man allein im letzten Vierteljahr schon sechs Schiffscontainer mit Weißbier beladen habe.

Eltmann hat an der Grenze von Wein- und Bierfranken eine lange Tradition als Bierstadt und feiert dies alljährlich mit den „Biertagen“ der Festgemeinschaft.

Es ist für die heutige Zeit kaum vorstellbar, dass es in Eltmann in den Jahren 1814/15 tatsächlich 39 Brauereien gab und man damit zu den führenden Bierstädten Bayerns zählte. Als die Festgemeinschaft aus Vereinen 1992 mit der Einführung der „Eltmanner Biertage“ diese Brautradition unterstreichen wollte, gab es noch fünf Brauereien.

Die erste urkundliche Erwähnung datiert dabei aus dem Jahre 1744 mit der „Weiss-Rössl-Bräu“ aus Roßstadt. Kurze Zeit später, nämlich im Jahre 1750, braute auch Georg Johann Wagner erstmals in Eschenbach Bier und eröffnete zur gleichen Zeit das „Eschenbacher Bräustübla“. Seitdem war die Brauerei im Familienbesitz der Wagner. Nun im Besitz der „Arco-Braugruppe“ mit Riprand Graf von und zu Arco-Zinneberg soll die „Privatbrauerei Eschenbach“ weiter in die Zukunft wachsen. Mit der Wiedereröffnung des „Bräustübla“ würde man aber gleichzeitig die jahrhundertealte Geschichte der Brautradition in bester Erinnerung halten.

 

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