Pro Silva Hungariae Award Höchste Auszeichnung für den Steigerwald

Wolfgang Aull

Ulrich Mergner hat 14 Jahre lang ungarischen Förstern unter anderem die Prinzipien der Dauerwaldwirtschaft vermittelt. Dafür wurde er nun – als erster ausländischer Träger – mit dem „Pro Silva Hungariae Award“ ausgezeichnet.

Ulrich Mergner, ehemaliger Leiter des Forstamtes Ebrach, bekam kürzlich in Budapest die vom Agrarministerium Ungarns verliehene Auszeichnung „Pro Silva Hungariae Award“, überreicht. Damit würdigt das Land, dass Mergner über 14 Jahre hinweg ungarischen Förstern Grundprinzipien der Dauerwaldwirtschaft vermittelt und für die Akzeptanz des Naturschutzes in der Waldbewirtschaftung geworben hat.

Mergner, der seinen festen Wohnsitz in Fabrikschleichach hat, berichtet im Gespräch mit dieser Zeitung zur Vorgeschichte: Als er 2005 zum Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten am Forstbetrieb Ebrach ernannt wurde, trieb in die Frage um, wie man Holznutzung und Naturschutz unter einen Hut bringen könne. Ausgangslage war, so Mergner, dass er im Steigerwald einen Bestand von 80 Prozent Laubbäumen angetroffen hätte, die höchste Sägewerksdichte in Deutschland und eine riesige Brennholznachfrage.

Sein Wunsch sei es gewesen, neben der wirtschaftlichen Nutzung die Artenvielfalt im Steigerwald zu fördern. Dazu hätte es eine optimale Lösung gebraucht. Die schien ihm im Trittsteinkonzept Realität werden zu können. Dieses besteht aus vier Bestandteilen: Biotopbäume, zum Beispiel lebende Bäume mit Astlöchern, Totholz, kleine Naturwaldflächen und große Naturwaldreservate.

„Trittsteinkonzepte“, beschreibt Mergner, „spannen ein ökologisches Netz über ganze Waldgebiete und ermöglichen so den genetischen Austausch innerhalb der Waldarten. Es werden Arten geschützt, die von Holz leben wie Pilze oder Käfer, und Arten, die in Bäumen leben wie Spechte oder Fledermäuse.“ Seine Arbeit hätte in Ungarn großes Interesse hervorgerufen, einen intensiven Austausch in Gang gesetzt: Seit 2007 habe er für rund 700 ungarische Förster Exkursionen nach Ebrach organisiert. Auch mit Vorträgen an der Universität Sopron hätte er die Grundprinzipien der Dauerwaldwirtschaft an die Praxis vermittelt und für die Akzeptanz des Naturschutzes in der Waldbewirtschaftung geworben.

Sándor Szentpéteri, Hauptabteilungsleiter am ungarischen Agrarministerium in Budapest, überreichte die Auszeichnung in Vertretung des ungarischen Landwirtschaftsministers Dr. István Nagy. In seiner der Redaktion vorliegenden Laudatio begründete Szentpéteri die Verleihung mit dem Einsatz von Mergner für die Entwicklung der ungarischen Forstwirtschaft: „Der Name Ulrich Mergner ist bereits dauerhaft mit der aufstrebenden ungarischen Dauerwaldbewirtschaftung verbunden.“ Mergner sei der erste ausländische Träger, der mit dem Preis ausgezeichnet wurde!

Die amtierende Dienststellenleiterin Barbara Erlwein des Forstbetriebes Ebrach zeigte sich in einer Pressemitteilung vom 20. Oktober erfreut: Mergner habe in den vergangenen fünfzehn Jahren am Forstbetrieb Ebrach die naturnahe Forstwirtschaft hin zu einer Natur integrierenden Waldbewirtschaftung weiterentwickelt. Sie versicherte, Ebrach bleibe auch unter ihrer Leitung eine gute Adresse für Naturschutz-integrative Waldbewirtschaftung.

Mergner erzählte, dass er sich mit einem Vortrag und einer Lesung aus seinem Buch „Das Trittsteinkonzept – Naturschutz-integrative Waldbewirtschaftung schützt die Vielfalt der Waldarten“ bei den Gastgebern bedankt habe. Das auch für Laien interessante Buch über die Waldökologie sei ins Ungarische übersetzt und anlässlich der Preisverleihung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

 

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