In diesem Fehlen sieht auch HAW-Wissenschaftler Leal eine Einschränkung der Aussagekraft. Die beiden Aspekte wegzulassen, bedeute eine erhebliche Unterschätzung. Auch bei den einbezogenen Aspekten gebe es teils noch große Datenlücken: "Es fehlen Informationen über Abfallmanagement und Emissionen, insbesondere in einkommensschwachen Ländern, was die Modellgenauigkeit beeinträchtigt." Auch lasse sich die Giftwirkung vieler freigesetzter Substanzen bisher noch nicht gesichert einschätzen.
"Die Ergebnisse sollten also nur als eine erste und sehr unsichere Annäherung an die tatsächliche Krankheitslast interpretiert werden", sagt auch Uba-Experte Plaß. Als einen Grund gibt er an, dass die Analyse auf einem veralteten Berechnungsmodell von 2016 basiere. Es sei davon auszugehen, dass neue Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen Schadstoffen und gesundheitlichen Auswirkungen – zum Beispiel Feinstaub und Diabetes Typ 2 – nicht einbezogen wurden.
Plastik hat auch positive Effekte auf die menschliche Gesundheit
Zu bedenken gibt Leal auch, dass die Studie keine Nutzen-Kosten-Abwägung darstellt. Sie konzentriere sich allein auf die negativen Gesundheitsbelastungen im Zuge des Plastik-Lebenszyklus. Es gebe aber auch positive Effekte: "Plastik ist unverzichtbar für moderne Gesundheitsversorgung."
Das gelte etwa mit Blick auf sterile Einwegartikel wie Spritzen, Implantate oder Blutkonserven. "In der Lebensmittelhygiene schützt es vor Keimen und Verderb, reduziert so Lebensmittelvergiftungen und sichert in vielen Regionen sauberes Trinkwasser." Die Studie sei daher "ein entscheidendes, aber unvollständiges Stück des größeren Bildes".