Projekt in Kleintettau Leitkuh Sensi schmeckt’s unter der Stromleitung

Kühe unterstützen die Bayernwerk Netz bei der ökologischen Trassenpflege bei Kleintettau. Das Projekt gibt es seit 2003. Warum es so wichtig ist und was die Tiere genau machen.

Leitkuh Sensi mit ihrer Herde unter einem Hochspannungsmast der Bayernwerk Netz in Kleintettau. Foto: Adriane Lochner / Bayernwerk

Seit 13 Jahren kooperieren die Bayernwerk Netz GmbH und die Schottische Hochland-Rinderzucht Frankenwald GmbH & Co KG in der ökologischen Trassenpflege. Auf einem 3,7 Kilometer langen Leitungsabschnitt bei Kleintettau im Landkreis Kronach sorgt eine Mutterkuhherde dafür, dass die Trasse offenbleibt – ein Gewinn für Netzbetreiber, Landwirt und Natur.

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Rauer Westwind, dichter Nebel und lang anhaltender Frost: In den Höhenlagen des Frankenwalds sind die Bedingungen härter als im Tiefland. Für die schottischen Hochlandrinder, teils gekreuzt mit französischen Aubrac, ist das kein Problem. Dank ihres dichten Fells können sie das ganze Jahr lang im Freien sein und bringen ihre Kälber direkt auf der Weide zur Welt.

Die Tiere unterstützen die Bayernwerk Netz bei der ökologischen Trassenpflege. Zweimal im Jahr, im Frühjahr und Herbst, beweidet die Mutterkuhherde mit Leitkuh Sensi den 3,7 Kilometer langen Abschnitt unter der Hochspannungsleitung. Durch das Abfressen von Pflanzen und ihre Tritte am Boden halten die Rinder junge Gehölze in Zaum und verhindern, dass sie in die Höhe sprießen. Bliebe dieser Bewuchs unkontrolliert, würde der Abstand zu den stromführenden Leiterseilen geringer und die Stromversorgung könnte durch einwachsende Äste und umstürzende Bäume beeinträchtigt werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Ohne Sensi und ihre Herde müssten Mitarbeiter der Bayernwerk Netz solche Bereiche regelmäßig mit der Motorsäge freischneiden – ein aufwendiger und nicht ungefährlicher Vorgang. Trassenmanager Bernd Lang erklärt: „Die Weidetiere sind eine sichere und naturnahe Alternative zum Einsatz schwerer Maschinen und schaffen gleichzeitig artenreiche Offenflächen. Das ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.“

Das Konzept der ökologischen Trassenpflege gibt es bei Bayernwerk Netz bereits seit 2003. Seit 2012 wird es auch zwischen Kleintettau und Kehlbach umgesetzt. Kooperationspartner ist die Schottische Hochland-Rinderzucht Frankenwald. Der Landwirtschaftsbetrieb wurde 1980 von engagierten Menschen aus der Region gegründet und zählt heute rund 170 Tiere. Mitgründer und Initiator war Carl-August Heinz, damals Geschäftsführer der Heinz-Glas GmbH, einem international tätigen Hersteller von Glasflakons und -verschlüssen für die Parfüm- und Kosmetikbranche mit Sitz in Kleintettau. „Neben der nachhaltigen, regionalen Lebensmittelerzeugung war es von Anfang an unser Ziel, das offene Landschaftsbild um Kleintettau zu bewahren und brachliegende Flächen vor Verbuschung zu schützen“, erklärt Carl-August Heinz. Die ökologische Trassenbeweidung passe hier gut ins Konzept. Zugleich sichere sie eine stabile Stromversorgung, von der auch Betriebe wie Heinz Glas und zahlreiche Zulieferer profitieren. Der Kontakt zwischen Netzbetreiber und Landwirtschaftsbetrieb entstand ursprünglich im Rahmen des Bayern-Netz-Natur-Projektes „Weidewelt Frankenwald“ des BUND Naturschutz in Hof, gefördert durch das Bayerische Umweltministerium. Ziel war es, artenreiches Grünland mit extensiver Mutterkuhhaltung zu fördern.

Landwirte gesucht
Der Trassenabschnitt, auf dem heute die Mutterkuhherde mit Leitkuh Sensi grast, war zuvor eine Christbaumkultur. Insgesamt misst die Fläche 11,5 Hektar. Um sie für die Beweidung vorzubereiten, wurden Bäume entfernt, der Untergrund gemulcht und anschließend mit einer Saatmischung aus Kräutern und Gräsern eingesät. Die Fläche unter der Hochspannungsleitung wurde in vier Parzellen eingezäunt, mit Durchfahrten für land- und forstwirtschaftlichen Verkehr sowie Querungsmöglichkeiten für Wildtiere. Der Geschäftsführer der Schottischen Hochlandrinder Frankenwald, Thomas Schmidt, erklärt: „Für uns ist die Trasse eine wertvolle Ergänzung zu unseren eigenen Weiden und den kommunalen Landschaftspflegeflächen.“ Die Zusammenarbeit mit Bayernwerk Netz sei unkompliziert. Das Unternehmen habe die Kooperationen vor Ort organisiert. Bayernwerk betreibt in ganz Bayern ökologisches Trassenmanagement und ist für weitere Kooperationen stets auf der Suche nach Tierhaltern. Je nach Vegetation werden passende Tierarten eingesetzt: stärker verbuschte Areale eignen sich für Ziegen oder robuste Rinder, Grünland- und Heideflächen eher für Schafe. Auch Pferde, Alpakas oder sogar mobile Hühnerwagen können zum Einsatz kommen.