Projekte in Ebern Unfreiwilliger Baustopp

Die Baustelle ruht, weil es an Geld, Material oder Handwerkern fehlt. Ebern ist gleich mehrfach davon betroffen. Foto: picture alliance/dpa/Paul Zinken

Bauprojekte geraten derzeit ins Stocken, weil es an Material und Handwerkern fehlt. Auch Ebern ist davon betroffen – ausgerechnet beim Wohnungsbau, den die Stadt so dringend bräuchte. Denn die Nachfrage ist groß, das Angebot gering.

 
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Wohnraum ist knapp in den Haßbergen – besonders für Familien und Senioren. Die Verwaltungen und Gemeindeallianzen haben dies längst erkannt und wollen mit eigenen Immobilienportalen das schmale Angebot zumindest bündeln. Sowohl die Baunach-Allianz als auch der Landkreis Haßberge präsentieren, was aktuell auf dem Markt ist – und das ist wenig. So hat der Kreis unter www.wohnraum-hassberge.de ganze drei Objekte, wohlgemerkt im gesamten Landkreis, und dabei auch nur Häuser: eins in Brünn, eins in Königsberg und eins in Knetzgau, jeweils sanierungsbedürftig. Die Baunach-Allianz (www.baunach-allianz.de/immobilien) führt neben einigen Möglichkeiten für Meisterschüler ganze vier, fünf Wohnungen auf, Häuser zum Kauf sind es aktuell zwei.

„Die Wohnsituation in Ebern ist angespannt“, weiß auch Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD). Was einerseits natürlich für die Stadt spricht – frei werdende Häuser und Wohnungen werden schnell wieder belegt, der Wunsch, sich in Ebern niederzulassen, ist offenbar groß. Umgekehrt ist aber auch kaum etwas zu haben. Die Stadt hat nun mit der Planung von Wohnanlagen im Innenbereich der Stadt für Miet- und Eigentumswohnungen selbst reagiert. Drei Wohnprojekte hat die Stadt Ebern am Start. In der Gymnasiumstraße, in der Angerstraße und auf dem Gelände der einstigen Berufsschule sollte Wohnraum geschaffen werden. Während in der Gymnasiumstraße ein Bauträger in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe auf der Wiese vor dem TV Sportheim zwei dreigeschossige Gebäude mit unterschiedlichen Wohnungsgrößen für behinderte Menschen sowie altersgerechte, barrierefreie Wohnungen mit Aufzug zur Vermietung errichten will, sind für die Angerstraße zwei Mehrfamilienhäuser mit altersgerechten, barrierefreien Wohnungen zur Vermietung angedacht. Ein weiteres Mehrfamilienhaus soll im sozialen Wohnungsbau auf dem ehemaligen Berufsschulareal entstehen, mit drei Wohnungen, die aufgrund der Hanglage ebenfalls teilweise barrierefrei zugänglich sein werden.

Der Wille ist immer noch da, allein an der Ausführung hakt es derzeit. „Alle drei Projekte hängen“, muss Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann bedauernd feststellen. Beim Projekt am Berufsschulgelände, das ein Bauträger gemeinsam mit der Baugenossenschaft Ebern stemmen wollte, wurde nun die KfW-Förderung gestrichen. „Von einem Tag auf den anderen“, wie Jürgen Hennemann bedauert. Nun wurde der Bau erst einmal zurückgestellt. Nicht am (Förder-)Geld, sondern an anderen, ganz profanen Dingen hängt es, dass weder in Gymnasiumstraße noch Angerstraße längst die Bagger rollen. „Es ist wie überall“, zeigt sich Eberns Bürgermeister resigniert: „Die Preise am Bau steigen ins Unendliche, gleichzeitig fehlt’s an Personal.“

Somit seien leider gerade die Projekte ins Stocken geraten, die man doch so dringend gebraucht hätte. „Wir bekommen in der Verwaltung fast täglich Nachfragen nach Wohnungen“, so der Bürgermeister. Daher ruft er dringend alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, freien Wohnraum im Stadtgebiet zu melden. Viele früher genutzte Einliegerwohnungen würden aktuell vielleicht nicht mehr vermietet, oder einzelne Personen würden große Häuser ganz allein bewohnen. „Hier bitten wir zu prüfen, ob dieser Wohnraum wieder aktiviert werden kann“, so Hennemann. Nach wie vor seien es vor allem junge Familien, die sich hier niederlassen möchten. Großer Bedarf herrscht heute schon an barrierefreien Wohnungen, die noch immer spärlich gesät sind. Und die Menschen werden älter.

Dazu kommt, dass die Stadt auch für Kriegsflüchtlinge Wohnraum bereitstellen soll und will. „Wir müssen im Winter eine weitere Welle an Geflüchteten befürchten“, warnt Hennemann.

Was also tun? „Wir wollen beim Landkreis und der Staatsregierung einfordern, dass wir in diesem Bereich besonderen Bedarf anmelden können“, sagt Bürgermeister Jürgen Hennemann. Dadurch könne man einfacher das Vorkaufsrecht der Kommunen geltend machen, so Jürgen Hennemann. In Unterfranken sei dies bislang nur in Aschaffenburg und in Kitzingen möglich. Die Probleme, die man bisher eher aus Ballungszentren kannte, sind aber längst auf dem Land angekommen. „Selbst im ländlichen Bereich bekommen wir nicht alle Wohnungssuchenden unter“, sagt der Bürgermeister.

Mit dem Problem steht Ebern nicht allein da. Auch die kommunale Allianz „Lebensregion plus“ im Maintal spricht von einer „akuten Notlage“, was Wohnraum zu vertretbaren Preisen im Haßbergkreis betrifft und sieht dringenden Handlungsbedarf. Daher hat sich der Zusammenschluss aus Städten und Gemeinden (unter anderem Eltmann, Knetzgau, Sand und Zeil) im Frühjahr dieses Jahres in einem Schreiben an Landrat Wilhelm Schneider (CSU) gewandt. „Wir waren der einhelligen Meinung, dass wir angesichts der akuten Notlage als Städte und Gemeinden nicht untätig bleiben können, dass wir aber in der Umsetzung alleine völlig überfordert sind“, hieß es in dem Brief. Gefordert wurde unter anderem, eine Wohnbaukonferenz einzuberufen, „um mit Behörden, Betroffenen, Bauträgern und weiteren externen Fachleuten die Situation im Landkreis zu beraten und gemeinsam nach Lösungswegen zu suchen“. Auch die Gründung einer landkreisweiten Wohnbaugesellschaft sei denkbar.

Zurück nach Ebern. Hier geht es zumindest an der Baustelle an der Xaver-Mayr-Galerie am Stadtberg mittlerweile weiter voran – Ende 2023 sollen die Arbeiten beendet sein. Und auch bei weiteren Bauprojekten im Landkreis habe man keine Probleme, wie eine Nachfrage beim Hochbauamt in Haßfurt ergibt: „Bei uns laufen die Baustellen, wie Friedrich-Rückert-Gymnasium und Heinrich-Thein-Berufsschule Haßurt nach Plan“, vermeldet Behördensprecherin Monika Göhr. Bisher seien keine Defizite erkennbar. Und: „Auch unser Straßenbau ist nicht betroffen.“

Nach wie vor geplant, aber ebenfalls im Pausenmodus befinden sich dagegen drei weitere Projekte, die das Eberner Gemüt bewegen: So sei nach wie vor offen, wie es mit dem heiß diskutierten Hochregallager-Bau bei Eyrichshof weitergehe, wie Bürgermeister Jürgen Hennemann informiert. Materialmangel hatte hier den Planungen zu schaffen gemacht. Weiter geplant sei in jedem Fall die Erweiterung von Mandrops in der Bahnhofstraße, wenngleich auch hier Material- und Handwerkermangel vor Herausforderungen stellen. Und auch beim Thema Hotel und Konzerthalle im Stadtteil Weißenbrunn soll es im Herbst weitergehen. Wie der Bürgermeister sagt, soll das Vorhaben insgesamt etwas reduziert werden. Nachdem die Bauherren offenbar aber ein weiteres Grundstück dazu erwerben konnten, wird es ohnehin eine erneute Änderung des Bebauungsplans mit Beteiligung der Öffentlichkeit geben. Dies soll voraussichtlich in der Septembersitzung des Stadtrates auf der Tagesordnung stehen.

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