Radikaler Gewichtsverlust Von 137 Kilo auf 85 in acht Monaten

Gerold Snater
Helmut Vierneusel wird auf der Straße kaum noch erkannt: 52 Kilo hat er abgenommen. Foto: Gerold Snater

Helmut Vierneusel hat in acht Monaten 52 Kilogramm abgenommen. Doch wie schafft man das? Der Neuen Presse verrät der Königsberger sein Rezept.

Königsberg - Fast täglich liest man in der Zeitung oder sieht im Fernsehen Angebote, wie man schnell ein paar Pfunde loswerden kann. Meist sind es Mittel oder Appetitzügler, die einem dabei helfen sollen. Oft versprechen die Angebote auch, dass man sich dabei nur wenig einschränken muss bis man zwei oder drei Konfektionsgrößen weniger anziehen kann. Meistens verhältnismäßig leere Versprechungen, denn oft hat man nach einer gewissen Zeit sein ursprüngliches Ausgangsvolumen wieder auf den Rippen.

Also oft ein mit viel Enthusiasmus angegangenes Unterfangen und dann einem enttäuschenden Ergebnis. Manchmal wird sogar angeboten, dass man über eine Magenverkleinerung einen Gewichtsverlust auf Dauer erreichen kann.

Das sind alles keine Vorschläge, auf die sich in Königsberg Helmut Vierneusel verlassen wollte und eingelassen hat. Helmut ist 56 Jahre alt und wog bei einer Körpergröße von 173 Zentimetern vor acht Monaten noch 137 Kilogramm. Seit einiger Zeit wird er aber auf der Straße oft von vielen Königsbergern nicht mehr erkannt. Bei genauerem Hinsehen hört man dann Äußerungen wie: „Mein Gott, das ist ja der Helmut. Der muss ja todkrank sein, wie der aussieht. Der hat ja abgenommen. Der ist ja nur noch ein Strich in der Landschaft!“ Und Helmut Vierneusel hat wirklich viel an Körpergewicht verloren. 52 Kilogramm wiegt er nun weniger als im November letzten Jahres. Und abgenommen hat er dieses enorme Gewicht freiwillig. Ohne den Einsatz von irgendwelchen Wundermitteln und schon gar nicht mit Hilfe einer Operation.

Wie er auf die Idee gekommen ist und warum er das gemacht hat, darauf gibt er, wenn man ihn fragt, selbst Antwort: „Ausgangspunkt war ein Rhythmus-Reha-Aufenthalt im November 2020, in Freyung-Grafenau, auf Grund einer Knieoperation vor vier Jahren. Doch dann wurde nach 14 Tagen der Therapeut positiv auf Corona getestet und ich musste wieder nach Hause fahren. Bis dahin hatte ich zwei Kilo abgenommen. Das war mir zu wenig und ich dachte mir: Jetzt musst du die Zügel selbst in die Hand nehmen.“

Das tat Helmut dann zu Hause, indem er erst einmal seine Ernährung umstellte. So gab es nun statt Weißbrot Vollkornbrot, nur noch zwei Scheiben Käse aufs Brot, insgesamt etwas weniger zu essen. Es wurde aber nicht gehungert. Nur, wenn früher eine Mahlzeit auf den Tisch kam, wurde diese ganz und gar gegessen, ab sofort wurde auch einmal ein Rest übrig gelassen. Das Wichtigste war aber, dass ab sofort der Alkohol weggelassen wurde. Kein Bier mehr. „Auch zu Pfingsten, wo sonst ein Bier üblich war, wurde kein Bier mehr getrunken!“ Helmut steckte sich selbst Ziele, die er erreichen wollte. Diese waren immer fünf Kilogramm auseinander. Wenn er wieder fünf Kilogramm mehr abgenommen hat, dann würde er sich wieder ein Bier genehmigen. Doch, wenn es soweit war, verzichtete er darauf. Denn er wollte, eine neue Idee von ihm, die Mission X erreichen und seine Konfektionsgröße von XXXL auf L reduzieren.

Mit einem Arzt sprach er nicht über seine Abmagerungskur aber mit einer Ernährungsberaterin als er im Februar dieses Jahres noch einmal nach Freyung-Grafenau zu einem Reha-Aufenthalt eingeladen worden war. Bis zu diesem Zeitpunkt war er bereits viel Fahrrad gefahren, viel gelaufen und hatte 25 Kilogramm abgenommen. Ihm wurde geraten am Abend wegen des Fruchtzuckers kein Obst mehr zu essen. Auch daran hält er sich seitdem.

Wie er sich nun fühlt, nachdem er 52 Kilo abgenommen hat? „Optimal!“, sagt Helmut Vierneusel. „Das Laufen bereitet keine Schwierigkeiten mehr, auch wenn es einmal bergauf geht!“ Froh ist er auch darüber, dass er mit seinen jungen Fußballern, er trainiert die U19 der JFG Hofheimer Land, mit seinen 85 Kilo Körpergewicht jetzt mithalten kann.

Auch seine drei Töchter sind von der Aktion ihres Vaters voll beeindruckt. Luma, die in einer Metzgerei arbeitet, wird oft die Frage gestellt: Was hat denn dein Papa gemacht? Den erkennt man ja gar nicht mehr.“ Auf die Frage, ob er jetzt noch weiter abnehmen möchte, antwortet Helmut Vierneusel: „Ich habe mein Ziel erreicht und werde mein derzeitiges Gewicht halten. Dazu wird dieses laufend kontrolliert und auch der Blutdruck, der zur Zeit völlig in Ordnung ist. Wichtig ist auch, dass ich weiterhin auf Alkohol verzichte, was ich durchhalten werde. Außerdem lege ich mir jetzt ein Rennrad zu, mit dem ich unter anderem zum Beispiel zu den Auswärtsspielen des TV Königsberg fahren werde. Ich bleibe in Bewegung.“

Zum Schluss noch ein Ratschlag von Helmut bezüglich seiner Gewichtsreduzierung: „Dazu braucht man keine Tabletten und auch keinen Arzt. Dazu braucht man einen eisernen Willen“, sagt er: „Das Ganze beginnt im Kopf. Man muss sich selbst unter Kontrolle haben, sonst erreicht man sein Ziel nicht!“

Einen scherzhaften Einwand aus einer sportlichen Richtung gegen die Gewichtsabnahme von Helmut gibt es aber doch: Helmut mäht das Spielfeld des TV Königsberg mit einem Aufsitzmäher. Da war zu hören: „Seitdem der Helmut nicht mehr so schwer ist, drückt der Mäher nicht mehr so weit nach unten. Das Gras ist nicht mehr so kurz wie früher!“

 

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