Den Gästen des Empfangs des evangelischen Dekanats Coburg gibt Rainer Eppelmann mit auf den Weg, „seien Sie froh darüber, dass Sie die Diktatur nicht erleben mussten“. Und richtet den Appell an seine Zuhörerinnen und Zuhörer in der Morizkirche, „die Freiheit weiter für wichtig zu halten“. Dabei sollte man nicht vergessen, dass grenzenlose Freiheit „nur auf einer einsamen Insel funktionieren kann“, aber nicht, wenn Menschen zusammenleben, die ihre eigenen Vorstellungen vom Leben haben. Freiheit bedeute auch Verantwortung, die sich darin zeige, die eigene Freiheit zu leben, ohne anderen Chancen zu nehmen oder Schaden zuzufügen.
Dies gelte im Rückblick auf die DDR und ganz aktuell in der Corona-Pandemie. Wieder stellte Eppelmann Fragen: „Ich lasse mich nicht impfen, obwohl das andere gefährdet? Ist meine Freiheit so wertvoll, dass mir die anderen scheiß egal sind?“ Solle jeder seine eigene Freiheit leben können - trotz der schrecklichen Bilder von den Corona-Toten in Italien, trotz der Infiziertenzahlen in Großbritannien und dem Massensterben in Brasilien?
„Wo alles dunkel ist, macht Licht“
Rainer Eppelmann, der evangelische Pfarrer, schließt mit einem Gedicht des katholischen Priesters Lothar Zenetti: „Was keiner wagt, das sollt ihr wagen. Was keiner sagt, das sagt heraus. Was keiner denkt, das wagt zu denken. Was keiner anfängt, das führt aus. Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen. Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein. Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben. Wenn alle mittun, steht allein. Wo alle loben, habt Bedenken. Wo alle spotten, spottet nicht. Wenn alle geizen, wagt zu schenken. Wo alles dunkel ist, macht Licht.“
Als das letzte Wort verklungen ist, brandet in der Morizkirche Beifall auf. Coburgs evangelischer Dekan Stefan Kirchberger spricht von einer fesselnden, packenden und motivierenden Geschichtsstunde, die Rainer Eppelmann gegeben habe. Kirchbergers Fazit: Für Christen sei es ein Auftrag, die Freiheit hoch zu halten und sich für sie einzusetzen, dabei aber auch in Verantwortung für andere zu gehen.