Rammstein-Tribute-Band Sommerzeit ist Stahlzeit-Zeit

Rudolf Hein

„Stahlzeit“ war für viele wohl der Höhepunkt des Rösler-Open-Air. Aus allen Himmelsrichtungen zog es die Fans aufs Schloss – und sie wurden nicht enttäuscht.

Frontman Heli Reißenweber in blutverschmiertem Metzgeroutfit jagt den Keyboarder Ron Huber über die Bühne in einen riesigen Topf und flambiert ihn mit zwei Flammenwerfern verschiedener Größe. Neue Deutsche Härte im Schloss Eyrichshof. Rammstein hat den Song „Mein Teil“ 2004 veröffentlicht, „Stahlzeit“ hat ihn als viertes Lied auf die Setlist des Konzerts am vergangenen Samstag genommen und spektakulär inszeniert.

Die Feuerwehren in Ebern und Eyrichshof hatten den Abend über gut zu tun. Die Band hatte ihre opulente Pyrotechnik sicher im Griff, aber 5000 Besucher aus ganz Deutschland wollten verkehrstechnisch betreut sein, An- und Abfahrt waren zu organisieren und zu regeln, die Shuttlebusse konnten kurz vor Showbeginn den Ansturm kaum bewältigen.

Mit einem ohrenbetäubenden Knall und noch viel mehr Rauch und Feuer begann die furiose Schau der Superlative. Die Mitarbeiter der Security verteilten großzügig Ohrstöpsel, die Kinder bekamen Schalldämpfer aufgesetzt, die Getränkebecher waren gefüllt – die Stimmung stieg mit der „Armee der Tristen“ in Sekundenschnelle von Null auf Hundert, man „reihte sich ein“ in ein vollauf begeistertes Publikum – das Konzert vollständig ausverkauft, noch am Nachmittag wurden im Internet einzelne Karten für mehr als € 200.—angeboten.

Stahlzeit behauptet von sich, dass sie das gigantische Konzept von Rammstein durchaus angemessen in kleinerem Rahmen jenseits der großen Stadien auf die Bühne bringen können, sie bezeichnen sich selbstbewusst als Nummer Eins unter den Tribute Shows. Den Beweis blieben sie in Eyrichshof nicht schuldig. Deutlich mehr als zwei Stunden und 23 Titel lang heizten sie ihren eigenen und den vielen Rammsteinfans nach Kräften ein, dass es buchstäblich nur so krachte.

Bassist Sam Elflein, Lokalmatador aus Ebern, genoss sein Heimspiel sichtlich und auch die Zuschauer- und Zuhörerschaft fand nur lobende Worte: „die Party des Jahres“, „megaaageil“ und „es war ein Fest“ konnte man in den sozialen Medien lesen. Ganz leise wurde gelegentlich gemurmelt: „das Original ist doch noch ein Stückchen besser“, aber im stahlzeitlichen Klanggewitter ging das vollständig unter.

 

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