Heute würden seine Gesellschaftstheorie wie auch seine Philosophie "kritisch gelesen", sagt Lutz-Bachmann. Ein Kongress in den 1980er Jahren über Adornos Erbe sei einer "Abrechnung" gleichgekommen. "Eine Art Restautorität" bleibe ihm allein auf dem Gebiet der Kunsttheorie. Dennoch sei er zu Recht nicht vergessen: Für die "Erziehung nach Auschwitz" habe er Großes geleistet.
Müller-Doohm findet Adornos Denken "nicht verstaubt". Vor allem aber habe er es riskiert, "den Elfenbeinturm der reinen Wissenschaft zu verlassen, um die tabuisierten Themen im Land der Täter aufzugreifen". Lebenslang habe er versucht, sich "allen Übeln der Welt mit den Mitteln kritischer Reflexion zu stellen". Seine Analysen trügen bis heute dazu bei, "uns für das Unwahre zu sensibilisieren."