Rainhard Fendrich in Eyrichshof Einer, der viel zu sagen hat

Rainhard Fendrich begeistert auf Schloss Eyrichshof. Er hat nicht nur eingängigen Austro-Pop im Gepäck, sondern klare Botschaften. Und eine Geschichte über die „viktorianische Fregatte“.

Sein Platz hierfür ist die Bühne. Um aufzustehen gegen Rassismus, rechtsextreme Strömungen, Ignoranz und Bequemlichkeit. So sieht er es und so formuliert es der österreichische Liedermacher und Sänger Rainhard Fendrich am Mittwochabend auch beim Rösler Open Air im Innenhof von Schloss Eyrichshof. Doch sein Platz auf dem Podest vor rund 2100 Menschen ist nicht nur da, um musikalisch gesellschaftskritisch und politisch aktiv zu werden, sondern noch viel mehr.

Fendrich entspannt und macht fröhlich, trotz der Dinge, die er seinem, überwiegend in der mittleren Altersklasse angesiedelten, Publikum zu sagen hat. Mit dabei hat er zahlreiche Songs aus seinem, 2019 erschienenen, Album „Starkregen“, dessen Titel dank eines lustigen deutsch-englischen Übersetzungsfehlers zustande kam: „Rainhard“ mutierte zu „Starkregen“. Da prangert er inmitten von Zuckerwatte- und Mandelduft in „Hinter’m Tellerrand“ die an, die scheinbar alles haben und denen alles gleichgültig ist, die nicht denken, sondern nur ignorieren. Da zitiert er ironisch-sarkastisch in „Sag man net, es gibt kein Teufel“ den „gelben Pudel von der Sonnenbank und den klanen Dicken aus Pjöngjang“ und protestiert in „Heiße Luft“ gegen Untätigkeit und Worte, denen kein Handeln folgt.

Und doch ziehen die Texte, eingebettet in rockige und eingängige Melodien, die von seiner Band hervorragend interpretiert werden, nicht runter. Fendrich schafft auch in Eyrichshof den Spagat zwischen wohltuender Unterhaltung und Botschaft. Mit kleinen und witzigen Anekdoten leitet der 67-Jährige von einem Song zum nächsten über. Plaudert aus dem Nähkästchen der Kindheit, von der Tante Frieda, die, mit Damenbart und Warze auf der Oberlippe wie eine „viktorianische Fregatte“ angesegelt kam, um ihn abzuknutschen („Bussi, Bussi“), der „Nahtoderfahrung“ in der Geisterbahn, als er sich wegen eines als Sensenmann verkleideten Animateurs in die Hosen machte und sich ihm dann doch annäherte („Die Geisterbahn“) und dass sein Vater während seiner Pubertät doch einmal den Spruch tätigte, er verstehe langsam die Tierarten, die ihre Jungen auffressen („Frieda“).

Und seine Fans gehen mit. Sind textsicher, schunkeln, summen und singen. Eingetaucht in die bunte Lichtershow, die den Schlosshof faszinierend beleuchtet und kleine Sprenkel auf glückliche Gesichter zaubert. Dieses Glück steigert sich, als Fendrich „Altes“ anstimmt. „Na, endlich“, ruft eine Dame strahlend, als die ersten Takte der „Midlife Crisis“ erklingen, gefolgt von den Ohrwürmern „Es lebe der Sport“ und „Blond“. Aus den leisen Tönen entwickeln sich kräftigere, bis gefühlt jeder Einzelne im Schlosshof lauthals mitsingt. Die Ersten erheben sich zaghaft von den Plätzen, wagen ein paar tänzerische Einlagen und skandieren natürlich kräftig die Zugabe, als Fendrich und Co nach exakt zwei Stunden die Instrumente niederlegen wollen. Und- wie könnte es anders sein- mit Erfolg.

Noch einmal sind die Sätze „endlich“ und „wie schön“ zu vernehmen, dann erklingen der „Macho, Macho“, „Oben Ohne“ und die „Strada del Sole“, bevor es an den krönenden Abschluss geht: Nach „I am from Austria“ folgt die Romantik. Pärchen umarmen sich fester, schauen sich verliebt in die Augen und strahlen einander an. Bei „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“ und „Frieden“ erübrigen sich Worte.

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