Das sieht auch Maas so. In Teheran versucht er gar nicht mehr dem Iran vorzumachen, dass wirtschaftlich seitens der Europäer noch die ganz großen Sprünge möglich sind. "Aber ich glaube, es gibt auch ein politisches und strategisches Interesse, dieses Abkommen und damit den Dialog mit Europa aufrecht zu erhalten. Und das muss auch in Teheran erkannt werden."
Maas ist in dieser Woche nicht der einzige Gast bei Sarif und Präsident Hassan Ruhani. Am Mittwoch kommt der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe. Er hat - anders als Maas - einen guten Draht zu US-Präsident Donald Trump. Da Abe nicht Teil des Abkommens ist, könnte er zwischen Teheran und Washington vermitteln.
Der Iran hofft insbesondere auf eine Lockerung der Blockade iranischer Ölexporte über Ausnahmeregelungen für bestimmte Staaten, um die akute Wirtschaftskrise des Landes zu mildern. Der Ölexport ist die Haupteinnahmequelle des Landes. Vor den amerikanischen Sanktionen hatte der Iran 2,4 bis 2,7 Millionen Barrel Öl am Tag exportiert, derzeit sollen es nur noch 400.000 sein.
Letztlich hängt also doch wieder alles an den Amerikanern. Die Irankrise zeigt wieder einmal, dass die Europäer an vielen Stellen nur wenig gegen Trumps Außenpolitik mit der Brechstange ausrichten können.
Ein Monat bleibt nun noch, bis die von Teheran gesetzte Frist ausläuft. Maas weiß, dass angesichts der immer weiter wachsenden Spannungen in der Region ein Funke ausreichen könnte, bis es zur Explosion kommt. "Die Lage in der Region, in der wir uns hier befinden, ist hochbrisant und sie ist außerordentlich ernst", sagt er und warnt ausdrücklich vor einer militärischen Eskalation. Er will sich aber nicht vorwerfen lassen, dass er nicht alles versucht hätte. Vor allem deswegen war er in Teheran.