R.I.O.-Clubtour Es wurde laut in Kronach

Stephan Stöckel

Wer ist beste Band in der Region? Um diese Frage dreht sich die Club-Tour „Rock in Oberfranken“. Station eins von fünf: der Jugend- und Kulturtreff „Struwwelpeter“.

Der Jugend- und Kulturtreff „Struwwelpeter“ schillerte am Freitagabend in den stilistisch buntesten Farben: Ob fetziger ausgelassener Mittelalterrock, zornige Raserei, herzerwärmende Folkmusik, mitreißender Pop oder entspannende Klangbäder, erzeugt von einer akustischen Gitarre – für jeden Geschmack war bei „Rock in Oberfranken“ („R.I.O.!“) etwas dabei. Nach zwei Jahren Pandemie, in denen die Live-Musik nur auf Sparflamme köchelte, ist Nordbayerns Rock- und Popmusikszene so lebendig wie eh und je. Der Bezirk Oberfranken hat sich noch immer folgende Frage auf seine Fahne geschrieben: „Wer ist Oberfrankens beste Band?“

Eine Antwort darauf gibt es am Samstag, den 17. September, nachdem der letzte Ton im Bayreuther „Zentrum“ verklungen sein wird. Bis dahin dürfen sich die jungen und junggebliebenen Musiker bei einer Club-Tour auf insgesamt fünf Bühnen der Region nach Herzenslust austoben. Coronabedingt hatte man auf Vorentscheide verzichtet. Eine Jury hatte die vier Bands und den Solokünstler ausgewählt. Die Leidenschaft, die die Akteure beim Auftaktkonzert im Jugend- und Kulturtreff „Struwwelpeter“ an den Tag legten, ließ erahnen, wie riesig der Hunger nach Auftritten gewesen sein muss.

Die oberfränkische Band „Corvidae“ hatte sich gerade zusammengefunden und ihr erstes Album „Rabenvolk“ unters Volk gebracht, da ereilte sie die „Corona-Vollbremsung“, wie es Sänger Bernd Wunder aus Mainleus im Landkreis Kulmbach im Gespräch mit der Neuen Presse formulierte. Ihr Auftritt im „Struwwelpeter“ ist der vierte in ihrer rund vierjährigen Karriere. Die Teilnahme an der „R.I.O.“-Clubtour kommt den Musikern im reiferen Alter gelegen. „Jeder einzelne von uns konnte – abgesehen von unserem Jungspund Stephan Buchta aus Hof – in unterschiedlichen Formationen reichlich Live-Erfahrung sammeln. Bei ‚Corvidae‘ hingegen stehen wir noch am Anfang unserer Karriere“, sagte Bernd. Auf der Karriereleiter könnte es für die oberfränkischen Mittelalterrocker nach oben gehen, zeigten sie sich doch bei ihrem Auftritt in Kronach von ihrer professionellen Seite.

Was braucht man um die Fans glücklich zu machen? Den durchdringenden Klang von Dudelsäcken, die es mit polternden Drums und lärmenden Gitarrenriffs mühelos aufnehmen können. Schwungvolle, mitreißende Weisen zum Mitschunkeln und Mitsingen. Texte, die mystisch und märchenhaft daherkommen. Bei den Jungs von „Corvidae“ wimmelte es nur so von Hexen, Klabauter- und Sensenmännern. Mit alledem sangen und spielten sich die Musiker in die Herzen der rund 60 Fans.

In diesen hatten aber auch die anderen drei Bands und Solointerpret Samu Neves ihren Platz. Der Sänger und Gitarrist aus Brasilien, der in Coburg eine zweite Heimat gefunden hat, spielte außer Konkurrenz im Café des Jugendzentrums. Samu sang von einem Hurrikan, doch seine akustische Musik war das genaue Gegenteil: Man konnte sich zurücklehnen, die Augen schließen und die Töne und Texte genießen. Ein Stockwerk höher im Konzertsaal brodelte der Coburger Rockvulkan „Jack Torrance“, der einen zornigen mehrstimmigen Sound, gemacht mit Impulsivität und Intelligenz, ausspuckte. Wäre Bassistin Christiane nicht erkrankt gewesen, wäre das Klangbild, das die Zuhörer innerlich aufwühlte, vermutlich noch satter ausgefallen.

Gute-Laune-Musik tischte die Bamberger Combo „Palacity“ auf, die mit ihrer famosen Interpretation des Muntermachersongs „Can’t Get My Eyes Off You“ von Frankie Valli für einen kollektiven Freudentaumel sorgte, bei dem kräftig mitgesungen wurde. Mit ihrer Eigenkomposition „Sleeptalker“ ließen die Musiker einen gefühlvollen Britpop-Song mit Kopfstimme vom Stapel, der einen bleibenden Eindruck hinterließ. Maximilian Adler aus Hof mit seiner Begleitband „The Splider Phaser Naked Band“ nahm Alt und Jung mit auf eine gefühlvolle und fröhliche Reise durch punkige Folkrockgefilde, die ohne Kitsch und Klischees daherkam. Electric Maddin spielte die Mandoline ausgelassen zwischen tanzenden Fans. Danach gaben diese freilich noch fleißig ihre Stimmen ab.

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