Wolf-Ingo Seidelmann ist als Jugendlicher eher ein Einzelgänger. Sein guter Freund jedoch hatte viele Kumpel, mit denen er an Motorrädern herumschraubt und für den Film „Easy Rider“ schwärmt. Nach der ersten größeren Reise jedoch sind den meisten der Clique die alten Zweiräder zu langsam, und sie stiegen um auf Autos. Nur der Freund, Thomas, bleibt dabei – und braucht einen neuen Mitfahrer. „Du machst jetzt den Motorradführerschein“, sagt er damals zu Wolf-Ingo Seidelmann, erinnert dieser sich. Und wenig später starten die beiden Freunde mit zwei alten DKW-Motorrädern in den Urlaub. „Weil Thomas kurz vorher geheiratet hatte, machten wir die Hochzeitsreise zu dritt mit dem Zelt“, schildert Wolf-Ingo Seidelmann. Als Student, Volkswirtschaft und Wirtschaftshistorik, träumt er dann von einem großen, schweren Tourenmotorrad. 1977 bekommt er einen Job als Werkstudent bei Daimler-Benz. „Die haben für damalige Verhältnisse gigantisch bezahlt“, sagt er. Und von seinem Gehalt können er und seine Frau sich dann endlich eine BMW R 75/7 kaufen. 7700 Deusche Mark bezahlen sie dem Händler dafür. „Das war die beste Investition meines Lebens“, ist sich Wolf-Ingo Seidelmann sicher. „Sie hat einen guten Soziussitz, ist zuverlässig, ölgekühlt, die Ersatzteilversorgung war gut und sie hatte als Tourenmaschine eine Kardanwelle“, zählt er die Vorteile auf, die für ihn kaufentscheidend waren. „Unsere Gummikuh wurde zum dritten Familienmitglied, wir sind damit jahrzehntelang durch Europa getourt“, erzählt Wolf-Ingo Seidelmann. Nie habe das Motorrad ihn und seine Frau im Stich gelassen, mit Zelt und Schlafsäcken waren sie auch in weit abgelegenen Ecken. Als sie während der Ölkrise durch das damalige Jugoslawien fuhren, wurde kein Benzin mehr an Touristen verkauft – obwohl es von der Regierung anders angeordnet war. So fuhr er unterwegs jede Tankstelle an, um wenigstens bei einigen von ihnen einige Liter abzubekommen. „Ohne den großen 24-Liter-Tank würden wir vielleicht noch heute dort festsitzen“, meint der scherzhaft.