Rothenkirchen Bangen um den Musikernachwuchs

Karl-Heinz Hofmann

Selbst bedeutende Kulturträger wie der Musikverein Rothenkirchen haben langsam aber sicher ein grundsätzliches Problem: Wie an Nachwuchs kommen, wenn der pandemiebedingt kaum musizieren kann. Hoffnung aber machen drei Muttis.

Zu Silvester gibt es stets „Ständerla“ in Rothenkirchen, zuletzt jedoch virtuell. Von einem normalen Vereinsleben ist man noch weit entfernt. Foto: Karl-Heinz Hofmann

Rothenkirchen - Der Musikverein (MV) Rothenkirchen gilt mit seinen 151 Vereinsmitgliedern, wovon 34 aktive Musiker sind, als bedeutender Kulturträger nicht nur in Rothenkirchen und dem Markt Pressig, sondern im Frankenwald und darüber hinaus. Allein in ihrem Heimatort Rothenkirchen haben die Musikanten das ganze Jahr über mehrere kirchliche und weltliche Arrangements zu erfüllen und sind beliebte Unterhalter für gesellige Anlässe. Seit Frühjahr 2020 hat man nun mit den Folgen und Einschränkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen und bangt um die Treue vor allem von Nachwuchsmusikern.

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Wie man um sie kämpft? Ein Beispiel: Zum Jahreswechsel erfreute man mit „digitalen Ständerla“. Weil wegen der Auflagen keine traditionellen Ständerla stattfinden konnten, zeigten sich Vorstandschaft und Musiker kreativ und technisch innovativ, sie stellten die Neujahrsgrüße auf „digitale Musikgrüße“ um. Die Ständerla wurden im Homeoffice eingespielt, Dirigent Daniel Hilbert schnitt aus einigen Hits daraufhin ein Medley zusammen.

Sechs Jungmusiker in Ausbildung

Der 151 Mitglieder zählende Verein ist froh, bisher seine 34 aktiven Musiker im Orchester behalten zu haben und auch die sechs Jungmusiker in Ausbildung weiter motivieren zu können. Dennoch ist die Situation sehr bedauerlich. Nur Einzelunterricht ohne Zusammenspiel beziehungsweise der fehlende Bezug zur „Gemeinschaft im Orchester“ machen die Nachwuchssituation sehr schwierig, wie der Verlust von zwei Jungmusikern bestätigt. Vorsitzende Meike Steiger fürchtet, dass sich einige Kids und Jugendliche andere Hobbys suchen. Der MV legt mit Jugendleiterin Stefanie Dressel, neben der musikalischen Ausbildung, besonderen Wert auf die Förderung des Sozialverhaltens, was aufgrund von Corona derzeit aber viel zu kurz kommt.

Besonders schmerzlich war für den MV Rothenkirchen, dass man in dieser tristen Zeit auch Todesfälle von Ehrenmitgliedern zu beklagen hatte. Mit Hans Möckel, Rudi Reinhardt und Bruno Barnickel verlor der MV liebe Freunde, langjährige Weggefährten und großartige Persönlichkeiten, die man auf ihrem letzten Weg leider nicht musikalisch begleiten konnte, wie die Vorstände in einer Gedenkminute bedauerten. Abschließend blickte man dennoch optimistisch in die Zukunft. Dazu geben auch drei Mütter in der Vorstandschaft Anlass. Die drei, schon seit zwei beziehungsweise drei Jahrzehnten aktive Musikerinnen, lassen drei ihrer Kinder ein Instrument im MV lernen – und darüber freuen sich nicht nur die Muttis. hof