Schäferin in Steinberg Ein tierischerTraumjob

Heike Schülein

Kristin Grieshammer ist Jungschäferin mit Leib und Seele. Obwohl das oft nicht einfach ist.

Steinberg - „Freunde“, ruft Kristin Grieshammer in Richtung ihrer auf einer Weide hoch über Steinberg grasenden Rhön- und Waldschafe. Sogleich trotten die Tiere mit einem vielstimmigen Mäh-Konzert zu ihrer Halterin. Zutraulich reibt ein Schaf nach dem anderen seine Schnauze an ihrem Poloshirt und holt sich seine Streicheleinheiten ab.

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Mit ihren 20 Jahren ist die Steinbergerin nicht nur die jüngste Schäferin im Landkreis Kronach, sondern wohl auch weit darüber hinaus. Überhaupt gibt es in diesem Bereich recht selten Frauen und noch weniger hauptberuflich tätige Schäferinnen. Befragt nach den Gründen, warum sie sich für diesen Weg entschieden hat, muss sie nicht lange nachdenken: „Weil es mir riesigen Spaß macht. Man sollte das machen, womit man glücklich ist.“ Kristin Grieshammer liebt es, in der Natur und bei ihren Herden zu sein. Sie ist mit Tieren aufgewachsen. Ihre Mutter hat mehrere Pferde, Reiten ist ein Hobby der Jungschäferin. „Einen Job in einem Büro wollte ich nie. Ich muss hinaus an die frische Luft“, erzählt die 20-Jährige, die in der Siegmund-Loewe-Realschule in Kronach Mittlere Reife gemacht hat.

Arbeit bei Wind und Wetter

Dass ihr Beruf nicht immer so romantisch ist, wie sich ihn manche vorstellen, verhehlt sie nicht. „Es ist sehr viel Arbeit und auch körperlich anstrengend. Zimperlich darf man nicht sein. Man muss sich jeden Tag um die Tiere kümmern, bei Wind und Wetter – auch wenn es einem selbst mal nicht so gut geht“, verdeutlicht die Steinbergerin, die sich ihr Wissen durch Fortbildungen und Seminare angeeignet hat, coronabedingt überwiegend virtueller Art.

Aktuell hat sie 26 Weideschafe: sieben weibliche Krainer Steinschafe mit ihren Lämmern sowie 15 Rhön- und Waldschafe. Bei allen handelt es sich um stark gefährdete Rassen. Kennzeichen der Rhönschafe ist der schwarze Kopf. Waldschafe sind vorwiegend weiß. Es gibt aber auch ganz schwarze Exemplare, wie sie Kristin Grieshammer ebenfalls in ihrer Herde hat. Hinzu kommen noch vier Zwergziegen sowie die beiden Hütehunde Duke und Snoopy, beides Australian Shepherds.

Die Tiere grasen auf verschiedenen Flächen im Landkreis Kronach. In ihrem Heimatort hat Kristin Grieshammer noch eine weitere Fläche in der Grieser Straße. Eröffnet wurde die Weidesaison Ende April. Der Frühling ist für Schäfer die anstrengendste Zeit im Jahr: Die Lämmchen werden geboren und draußen die ersten Weideflächen bezogen. Diese werden mit einem elektrisch geladenen Steckzaun versehen, wofür Pflöcke eingeschlagen werden müssen – und das jedes Mal, wenn die Tiere von einer Weide zur nächsten ziehen. Da Kristin Grieshammer relativ kleine Flächen hat, wird alle zwei Wochen gewandert. „Ich hab mal an einem solchen Tag meine Schritte ermittelt. Das waren 20 000. Da ist man abends schon erledigt, aber man bleibt auch fit“, schmunzelt sie. Dankbar ist sie ihrer Mutter Sandra Grieshammer, die sie bei der Arbeit unterstützt.

Weideflächen fehlen

Hilfe erhält die Jungschäferin auch von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Kronach, die ihr mit Rat und Tat zur Seite steht. Zudem unterstützt die Behörde sie auch bei der Suche nach Weideland beziehungsweise stellt ihr geeignete Bereiche zur Verfügung. „Leider gibt es immer weniger Weideflächen, da immer mehr Acker intensiv bewirtschaftet wird. Für Schäfer und Schafe ist da oft kein Platz mehr“, bedauert sie. Dabei sind Weideschafe für die Natur- und Landschaftspflege wichtig, da sie das Gras kurz halten und so den Lebensraum vieler Pflanzen und Tiere bewahren. „Man merkt sehr schnell, wie sich die Flächen verändern und am Ende wieder artenreiche Wiesen entstehen“, verdeutlicht sie, dass die Tiere nicht nur effektive „Rasenmäher“ seien, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems. Die Beweidung trage zu besseren Bodenverhältnissen bei. Die Erde werde durch die kleinen Klauen aufgelockert und durch den Kot der Tiere gedüngt. Da Schafe robust sind, bleiben sie solange wie möglich draußen.

Selbst im Schnee finden sie noch Futter. Nur wenn eine dicke Eisschicht den Boden überzieht, kommen sie in einen Unterstand mit Auslauf. Für die Beweidung bezieht Kristin Grieshammer Zuschüsse aus dem Landschaftspflegeprogramm. Sie hofft, nach der Anschubfinanzierung von ihrem Beruf leben zu können. Geschlachtet werden ihre Tiere allerdings nicht. „Die gehören zur Familie, das sind meine Freunde. Die bleiben bei mir, solange sie leben“, erklärt sie. Abhängig von der Rasse können die Tiere bis zu 15 Jahre alt werden. Für die Wolle bekomme man jedoch fast kein Geld. Da die 20-Jährige diese selbst verarbeiten möchte, hat sie sich ein Spinnrad angeschafft. Im Herbst möchte sie mit dem Spinnen und auch Filzen beginnen.

„Das Schäferleben ist ein Sieben-Tage-Job. Es ist schwierig, damit sein Geld zu verdienen. Da muss man schon mit ganzem Herzen dabei sein“, betont Kristin Grieshammer. Dennoch hat sie ihre Entscheidung noch keinen Tag bereut. „Es ist einfach schön zu sehen, wenn alles in Ordnung ist und die Lämmer wachsen“, strahlt sie. Die Tiere spürten genau, wer es gut mit ihnen meine; demjenigen schenkten sie ihr Vertrauen. Wenn sie vor Freude hüpfen und auf einen zu rennen, dann sei dies der schönste Lohn für alle Mühen.

Einblicke auf Instagram

Einblicke in Kristin Grieshammers Leben als Schäferin gibt es auch auf Instagram: „die.schafbande“.