Mikrobiologe Rosenberg plädiert dafür, neben den Zähnen auch den Zungenrücken mit einer Bürste zu reinigen – so wie man es schon seit vielen Jahrhunderten im Fernen Osten macht. Klinische Studien belegen die Effekte dieser traditionsreichen Methode. Demzufolge verschwindet schon nach der ersten Reinigung ein großer Teil des Belags. Einmal täglich ein bis zwei Minuten reichen aus. Alternativ dazu kann man auch zu sogenannten Zungenschabern greifen, wie sie mittlerweile in Drogerien und Apotheken angeboten werden.
Komplexere Ursachen
Polnische Forscher kommen in einer aktuellen Analyse von acht klinischen Studien zu dem Schluss, dass die antibakterielle Photodynamische Therapie, wie sie bei Parodontitis eingesetzt wird, gegen Mundgeruch helfen kann. Dabei werden Zahnfleisch und Zungenrücken mit einem so genannten Fotosensibilisator bestrichen, der danach mit Laserlicht bestrahlt wird. Das ist aufwendig, weswegen es nur in wenige Zahnarztpraxen angeboten wird. Und die langfristige Wirkung ist keineswegs sicher.
Kanzow empfiehlt ohnehin, bei hartnäckigem Mundgeruch, der sich auch schon diversen Therapieversuchen widersetzt hat, mögliche Ursachen jenseits der Mundhöhle in Betracht zu ziehen: „Denn wenn Mundgeruch zu 90 Prozent der Fälle im Mund verursacht wird, heißt dies umgekehrt, dass er immerhin zu zehn Prozent woanders verursacht wird.“
Etwa im HNO-Bereich oder durch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, und wenn aus dem Mund ein Geruch nach Lehm oder Ammoniak strömt, kann dies auf eine schwere Leberkrankung oder Nierenversagen hinweisen. Auch dauerhaft eingenommene Medikamente können sich geruchlich im Atem niederschlagen. Und wer einige Tage fastet, verringert nicht nur den Speichelfluss, sondern fördert auch die Produktion von Ketonkörpern, die zu stark riechendem Aceton abgebaut werden. In diesem Falle riecht dann der Atem wie Nagellack.
Praktische Tipps
Speisen
Es empfiehlt sich sehr, immer zu frühstücken, denn das reinigt den Zungenrücken und kurbelt den Speichelfluss an.
Atmen
Stets versuchen, über die Nase einzuatmen, damit der Mund nicht austrocknet und weiterhin vom Speichel gespült werden kann.
Trinken
Regelmäßiger Genuss von grünem Tee hemmt das Wachstum des Solobacterium moorei, das besonders fleißig an der Produktion übler Duftstoffe im Mund beteiligt ist.
Dünsten
Wer nach einer Knoblauch-Mahlzeit seinen Mund mit Duftwässern ausspült, wird trotzdem ein tiefes Geruchserlebnis hinterlassen. Denn die Schwefelstoffe der Knolle schaffen es auch über Haut und Lunge, an mitmenschliche Nasen zu kommen.