Schleichweg in Rögen Wird die Straße Am Achatfelsen zur Rennpiste?

Die Straße Am Achatfelsen ist ein beliebter Schleichweg im Coburger Osten. Foto: Frank Wunderatsch

Die Straße zwischen Rögen und Rohrbach muss dringend erneuert werden. Einen Vollausbau lehnen die Anwohner aber weiterhin vehement ab.

Die unscheinbare Straße Am Achatfelsen, die gerne als Abkürzung zwischen Rögen und Rohrbach genutzt wird, hat schon oft die Gemüter erhitzt. Seit Jahren klagen Anwohner über reges Verkehrsaufkommen. Zeitgleich ist die Straße in einem baulich schlechten Zustand und muss jährlich vom Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) notdürftig geflickt werden. 2016 ließ das Ordnungsamt den Schleichweg probeweise sperren – was zwar die Anwohner besänftigte, die Bürger in Lützelbuch jedoch auf die Palme brachte, weil sich der Verkehr dadurch in die Oberfüllbacher Straße verlagerte. Nach sechs Monaten wurde die Sperrung deshalb wieder beendet und dort ein Tempolimit (50 km/h) eingeführt.

Am Mittwochvormittag war die Straße Am Achatfelsen nun wieder Thema in Coburg. Der Senat für Stadt- und Verkehrsplanung sowie Bauwesen musste sich mit einem Antrag der FDP befassen, die einen Ausbau der Strecke fordert. Denn auch wenn es nach der Aufhebung der Sperrung 2016 ruhiger um den knapp 900 Meter langen Abschnitt geworden ist, die baulichen Mängel sind noch immer da.

Auch aus Sicht des CEB gehört die Straße dringend saniert. Regelmäßig müssten dort Schlaglöcher geflickt und die Bankette aufgefüllt werden. CEB-Hauptabteilungsleiter Gerhard Knoch sprach von 15 000 bis 20 000 Euro jährlich, die nur an Materialkosten aufgebracht werden müssten. „Hinzu kommt noch das Personal.“ Angesichts der Verkehrsbelastung von 1100 Kraftfahrzeugen am Tag sieht das Stadtbauamt außerdem dringend Handlungsbedarf, was die Straßenbreite angeht und schlägt eine Verbreiterung von 4,50 auf sechs Meter vor. „Alternativ wäre ein Ausbau mit geringerer Breite und mehreren Ausweichstellen denkbar“, heißt es in der Stellungnahme. Und am Ende ist es auch der Bürgerverein Lützelbuch, der in Sachen Ausbau positiv gestimmt ist, „weil dadurch eine dauerhafte Entlastung der Oberfüllbacher Straße gewährleistet würde“.

Eigentlich wäre bei so breiter Zu­stimmung der Weg frei für eine Planung – wenn da nicht die Kosten wären. Die könnten sich angesichts der Verbreiterung und des Grunderwerbs, der dafür getätigt werden muss, nämlich schnell im sechsstelligen Bereich bewegen. „Wenn, wie im Antrag gefordert, noch ein Radweg dazukommt, übersteigt das schnell die zwei Millionen“, rechnete Gerhard Knoch vor.

Zumindest was den Radweg angeht konnte Katja Link vom Stadtbauamt Entwarnung geben. Denn nur wenige Meter neben der Straße verlaufe eine „Top-Verbindung unter der Autobahn hindurch“, betonte die Referentin. Daher bräuchte es eine separate Führung für Radler nicht. Was die Frage nach dem Ausbau angeht, herrschte hingegen Ratlosigkeit – nicht nur der Kosten wegen. „Die Anwohner der Straße wehren sich vehement gegen einen Ausbau, weil sie dann eine weitere Zunahme des Verkehrs fürchten“, mahnte Katja Link. Auch die Mehrheit der Rögener Bürger teile diese Auffassung. Und sogar bei der Stadt sieht man diese Gefahr. Bei aktuellen Messungen lag die Durchschnittsgeschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer bei 48 km/h. Zahlen, die bei einer voll ausgebauten Straße wohl deutlich überschritten werden würden.

„Gehen wir nun in die Planung oder lassen wir alles so wie es ist“, fragte Bürgermeister Hans-Herbert Hartan und blickte in ratlose Gesichter. Breiter Konsens herrschte im Senat, dass die Straße saniert gehört – aber muss es gleich ein Vollausbau sein? Für eine reine Deckensanierung gab es von Gerhard Knoch jedoch umgehend eine Absage. „Das bringt überhaupt nichts, weil der Unterbau fehlt. Einen Ausbau muss es auf jeden Fall geben“, betonte er. Mit einer Gegenstimme beschlossen die Mitglieder daher, dass die Verwaltung die Planung für den Ausbau aufnimmt. Sobald diese mit Kostenschätzung vorliegt, wird sich der Senat erneut damit beschäftigen.

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