Schmölz und Hirschfeld Wo die Gemeinschaft wächst

Zwei Gärten werden gemeinschaftlich gepflegt. Das zahlt sich aus.

Pfarrgärten spielten in früheren Jahrhunderten eine große Rolle. Ein solcher Garten, der weitestgehend unverändert erhalten werden konnte, ist der Schmölzer Pfarrgarten. Den Namen „Apotheke Gottes“ trägt er immer noch, auch wenn er heute eher ein touristischer Anziehungspunkt und weit über den Landkreis Kronach hinaus bekannt ist. Träger ist der örtliche Obst- und Gartenbauverein. Seine Mitglieder pflegen und bewirtschaften das Areal seit vielen Jahren absolut vorbildlich als Gemeinschaftsgarten. Deshalb wurde das Projekt jetzt vom Bezirksverband Oberfranken für Gartenbau und Landespflege ausgezeichnet und gefördert.

Pfarrgarten seit 1856

Der Schmölzer Pfarrgarten, damals wie heute am Ortsrand gelegen, geht bis auf das Jahr 1856 zurück. Der Grundriss war damals in etwa der gleiche wie heute. Als Kräuterlehrgut gehörte er in früheren Zeiten zum historischen Pfarrgut. Das benachbarte Pfarrhaus wurde allerdings erst 1931 errichtet. In einem Nebengebäude haben die Schmölzer Gartler heute ihr Domizil aufgeschlagen und nutzen es als Vereinsheim.

„Im Garten wachsen aktuell rund 250 Heil- und Kräuterpflanzen“, berichtet Walter Näher, 2. Vorsitzender des Vereins. Der gelernte Gärtner und Landschaftsplaner hat sich ausführlich mit der Historie beschäftigt und alle Pflanzen liebevoll mit Schildern ausgewiesen. Eigentlich sei es immer ein privater Garten des Pfarrers gewesen, erst 1987 habe man das touristische Potenzial entdeckt und das etwa 1000 Quadratmeter große Areal für die Allgemeinheit geöffnet.

Das Besondere an dem Pfarrgarten ist nicht zuletzt die außergewöhnliche Atmosphäre, die von ihm ausgeht. Von hohen Bäumen umschlossen ist nicht nur das Klima zu allen Zeiten angenehm, der Garten an sich strahlt Ruhe und Geborgenheit aus, sodass hier in den Sommermonaten immer wieder auch Freiluftgottesdienste stattfinden.

Parkähnliche Anlage

Blickfang im Garten ist der große Springbrunnen genau in der Mitte der parkähnlichen Anlage. Um ihn herum hat man die Pergola originalgetreu wieder errichtet. Dort wachsen Artischocken, Olivenkraut oder auch ganz alte Sorten wie Buchweizen. Das lockt auch viele Tiere an, vom Frosch bis zur Eidechse, vom Siebenschläfer bis zu den unterschiedlichsten Vögeln und Insekten.

Etwa zehn Mitglieder des Gartenbauvereins kümmern sich regelmäßig um die Pflege. Die Kindergruppe mit dem Namen „Schmölzer Wühlmäuse“ kommt auch immer wieder gerne vorbei und hat sogar schon Vogelscheuchen gebastelt.

Inzwischen sei der Schmölzer Pfarrgarten auch zum Veranstaltungs- und Begegnungsort geworden, berichtet Gisela Schorn, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Schmölz, der als ältester Gartenbauverein im gesamten Kronacher Landkreis gilt. Hier treffen sich regelmäßig der Gesangverein, der Posaunenchor, der Gospelchor, auch Gärtnerkurse werden von Zeit zu Zeit hier abgehalten. Ansonsten ist der Garten ganzjährig rund um die Uhr für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei, allerdings freuen sich die Aktiven vom Gartenbauverein, wenn der eine oder andere eine Spende in die aufgestellte Box wirft.

Windheimer pflegen Hirschfelder Garten

Auch in Hirschfeld gibt es ein Gemeinschaftsprojekt: An die zehn Mitstreiter des Gartenbauvereins aus dem nahen Windheim kümmern sich regelmäßig um die etwa 250 Quadratmeter große Anlage an der Dorfstraße, in der alle möglichen Bergkräuter, Wildkräuter, Hildegardkräuter und vieles mehr wächst. Die Anlage ist Bauerngarten, Kräutergarten sowie Schul- und Schaugarten zugleich. Auch dieses Projekt wurde jetzt vom Bezirksverband Oberfranken für Gartenbau und Landespflege ausgezeichnet und gefördert.

„Wir wollen den Leuten nahebringen, was wichtig für die Gesundheit ist“, sagte Gabi Kotschenreuther, die Vorsitzende des Gartenbauvereins Windheim. Das Gärtchen war im Zuge der Dorferneuerung 2009 bis 2011 durch reines Bürgerengagement entstanden. Das Motto lautete damals „Das Dorf mit Herz für Jung und Alt“.

Infos auf 80 Schiefertafeln

Der kleine Garten wurde ehrenamtlich angelegt und seitdem von etwa zehn Aktiven aus dem Dorf und vom Gartenbauverein gepflegt. Eine ausführliche Informationstafel direkt davor informiert nicht nur über die lange Historie des Ortes, sondern auch über das kleine Gärtchen. Über 80 Schiefertafeln, die vom Dach der alten Schule stammen, haben die Verantwortlichen umfunktioniert und darauf jedes einzelne Pflänzchen beschriftet.

Hier erfährt der Besucher etwa, dass man Löwenzahn oder Gänseblümchen essen kann und dass die Brennnessel bei weitem kein Unkraut, sondern ein wertvolles Heilkraut ist, das sogar als Nutzpflanze Verwendung findet. Im hinteren Bereich des Areals gibt es außerdem einen „Naschgarten“ mit den verschiedensten Beerensträuchern.

Auch der Gartenbauverein Windheim mit seinen 240 Mitgliedern hat eine lange Tradition. Er kann noch in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern. Dabei steht der Nachwuchs schon in den Startlöchern. Die eigens gegründete Kindergruppe hat bereits 35 Mitglieder. Groß auf seine Fahnen geschrieben hat man hier auch das Brauchtum. So treffen sich die Mitglieder etwa alljährlich am 15. August zum Kräuterbüschelbinden. Im Gärtchen selbst fanden auch schon Pflanzentauschbörsen statt.

Gemeinschaftsgärten

Förderung
Der oberfränkische Bezirksverband Gartenbau fördert mit insgesamt 3000 Euro das Projekt Gemeinschaftsgärten. Bei der Aktion geht es darum, Vereine, sonstige Zusammenschlüsse und Anbieter von inklusiven und integrativen Maßnahmen zu unterstützen, die den gemeinschaftlichen Aspekt fördern, die für Nachhaltigkeit stehen und die für den Garten als grüne Oase werben. „Gerade der gemeinschaftliche Aspekt hat durch Corona gelitten“, sagt Friedhelm Haun vom Bezirksverband. Ins Leben gerufen hat die Aktion die Bezirksvorsitzende, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer aus Bayreuth, maßgeblich unterstützt wird das Projekt vom Bezirk Oberfranken.

Neun Kreisverbände
Im Bezirksverband Gartenbau sind neun Kreisverbände mit rund 500 Obst- und Gartenbauvereinen organisiert. Rund 60 000 Mitglieder widmen sich in diesen Vereinen der grünen Gartenleidenschaft und der Umweltbildung.

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