Seltene Krebsart Bad Rodacherin kämpft um ihren vierjährigen Sohn

Matheo hat schon Chemo- und Bestrahlungstherapien hinter sich und bräuchte dringend eine OP. Die Ärzte geben ihn auf. Die Mutter kämpft um ihr Kind und sammelt Spenden.

Celine Müller kämpft um ihren Sohn Matheo: Er leidet unter einem Sarkom und braucht dringend eine Operation. Foto: privat/Celine Müller

„Matheo ist ein Kämpfer“, sagt Celine Müller und das wiederholt sie immer wieder. Egal, wie aussichtslos die Krankheit bislang gewesen sei, Matheo hat die Lebensfreude nie verloren und die Ärzte immer wieder aufs Neue überrascht, wie schnell er sich von Krankheitsschüben und Chemotherapien erholt hat, berichtet seine Mutter.

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Matheo (4) und seine Mutter Celine Müller (32) leben in Bad Rodach. Sie ist alleinerziehend, für sie und ihren Sohn ist das Leben gerade ein Auf und Ab. Am Tag, als sie unserer Redaktion ihre Geschichte erzählt, gehe es ihr etwas besser als an anderen Tagen. Sie wolle offen mit der Situation umgehen, sagt die Berlinerin, die in den Landkreis Coburg gezogen ist. Sie könne über alle schmerzhaften Erfahrungen erzählen, die das Leben mit sich gebracht hat, über die seltene Krankheit ihres Sohnes.

Ärzte wollten ihr nicht glauben, beklagt die Mutter

Im Jahr 2022 erleidet Matheo eine Fieberattacke nach der nächsten. Seine Mutter muss ständig mit ihm zum Kinderarzt. Ihm werden Fiebersäfte verschrieben, doch die Symptome kommen immer wieder zurück. Celine Müller erinnert sich, das sie auf den Kinderarzt monatelang eingeredet hat: Sie glaube nicht, dass es eine normale Grippe sei. „Mir wurde einfach nicht geglaubt“, sagt sie rückblickend. Die Ärzte in der Kinderarztpraxis haben es immer damit erklärt, dass er ein typisches Kindergartenkind sei, dass eben jeden Infekt mitnehme.

Nach elf Monaten mit Fieberattacken wird Matheo ins Klinikum Bamberg und von dort direkt in die Uniklinik Erlangen gebracht. Erst auf die Intensiv-, dann auf die Onkologische Station. „Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, worum es sich handelt“, sagt die Mutter. Es geht um das Leben ihres Sohnes.

Der kleine Matheo ist für seine Mutter ein Superheld. Schon einmal hat er den bösartigen Tumor besiegt. Nun soll er ein zweites Mal gewinnen. Foto: privat/Celine Müller

Zwischen Matheos Lunge und seinem Herz entdecken die Ärzte einen Tumor. Sie diagnostizieren eine Krankheit, von der die Mutter noch nie gehört hat: ein Rhabdomyosarkom. Eine bösartige Krebsart, die sich über das Weichgewebe des Körpers ausbreitet.

Die Deutsche Sarkom-Stiftung in Berlin erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, dass es sich beim Rhabdomyosarkom um eine seltene Krebsart handle, die sich in weichem Muskelgewebe bilde. „Es gehört zur Gruppe der Weichteilsarkome und tritt vor allem bei Kindern und Jugendlichen auf. Da Muskeln fast überall im Körper vorkommen, kann sich ein Rhabdomyosarkom an vielen Stellen entwickeln“, erklären die Experten. Bei Matheo war es die Brust.

Es stand nicht gut um Matheo als er nach Erlangen kam. Sein linker Lungenflügel war voller Wasser und der Tumor zehn Zentimeter groß. Er erhielt eine Chemotherapie und das Wasser wurde ihm entfernt. Bis zur OP war der Tumor um die Hälfte geschrumpft. Matheo hat den Eingriff überlebt.

Ein „kleiner Superheld“ kämpft gegen den Krebs

Celine Müller spricht von ihrem „kleinen Superhelden“, wenn sie sich an die Zeit zurückerinnert. Er hat die Chemotherapie überstanden, den schweren Eingriff überlebt und war Anfang 2024 ein gesunder Junge, sagt seine Mutter. Doch dann kommen die Fieberschübe zurück.

Erst haben die Ärzte eine Entzündung diagnostiziert. Dann wurde es schlimmer und bald stand fest: Das Sarkom ist zurück, hinter dem Herzen. Matheo musste erneut von Dezember 2024 bis Januar 2025 eine Bestrahlung über seinen jungen Körper ergehen lassen. Im Februar sollte er, sobald die Blutwerte in Ordnung sind, ein zweites Mal operiert werden.

Doch schließlich kam alles anders und Celine Müller setzt nun alle Hebel in Bewegung, dass es noch Hoffnung für ihren Sohn gibt. Obwohl, so sagt seine Mutter, die Ärzte in Erlangen davon ausgehen, dass der Tumor bislang nicht das Herz angegriffen hat, sind die Ärzte in Tübingen anderer Meinung. In der letzten Februarwoche erteilen sie Matheo und seiner Mutter eine Absage. Celine Müller weiß: Ohne eine Operation wird Matheo nicht mehr viel Lebenszeit bleiben. Sie will für ihren Sohn kämpfen, notfalls den schwierigen Eingriff in einer ausländischen Klinik aus eigener Tasche zahlen.

Doch der alleinerziehenden Mutter fehlt das Geld. Also hat ihre Freundin Dilara Kica kurzerhand eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Ob sie das Geld überhaupt brauchen wird oder ob es für Matheo doch noch eine Chance auf eine Operation in Deutschland gibt, das weiß die Mutter bislang nicht. Das Geld soll ihr Sicherheit geben. Celine Müller sagt: „Wir müssen gerade alles versuchen.“ Falls Matheo in Deutschland operiert wird und sie das Geld nicht braucht, gehe jeder einzelne Cent von der Spendenplattform „Gofundme.com“ zurück an die Spender, verspricht sie.

Am Freitag hat sie schließlich Kontakt mit der Deutschen Sarkom-Stiftung aufgenommen und sucht nach einer Möglichkeit, ihren Sohn zu retten: „Dass der Eingriff lebensgefährlich wird, ist uns allen klar. Aber er ist auch Matheos letzte Hoffnung.“ Die Stiftung vermittelt sie und Matheo nun an einen Sarkom-Experten in Essen.

Wer Matheo und seine Mutter Celine Müller unterstützen will, kann einen Betrag auf der Website „gofundme.com“ spenden. Den Link finden Sie unter tinyurl.com/spende-matheo.

Sarkome – eine seltene Krebsart

Teilbereiche
Innerhalb der Sarkome gibt es zwei große Kategorien: Weichteil- und Knochensarkome. Weichteilsarkome befallen das Fett-, Muskel- und Bindegewebe, in diesem Bereich werden etwa 100 Krebsarten zusammengefasst.

Auftreten
Sarkome sind eine sehr seltene Erkrankung. In Jahr 2020 sind deutschlandweit nach Schätzungen ca. 4600 Menschen an einem Sarkom erkrankt. Bei 100 Krebsdiagnosen handle es sich in nur einem Fall um ein Sarkom, erklärt der Krebsinformationsdienst. In nur einem von vier Sarkom-Fällen handelt es sich um ein Knochensarkom.

Rhabdomyosarkome
Dieses Weichteilsarkom tritt häufig bei Kindern und Jugendlichen auf. Es bilder sich im Muskelgewebe und kann deshalb überall im Körper auftreten.