Seltenes Insekt im Fokus Kleine Wanze, großes Interesse

Die dicken Fühler gaben „Rosi“ unter anderem ihren Namen: Sie ist eine Essigrosen-Dickfühlerweichwanze. Foto: /Justus Vogt

Sie ist zwar klein, aber mittlerweile ein richtiger Star in Ebern: Rosi, die Essigrosen-Dickfühlerweichwanze. Ihr Lebensraum, der Saum, wurde vom Menschen in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker eingeschränkt. Doch die Population erholt sich – und: Es gibt mehr Rosis, als gedacht.

Von dieser Wanze sollte man gehört haben! Nicht etwa, weil sie besonders stinkt oder gar ein Schädling ist. Nichts davon trifft zu: Die winzige Essigrosen-Dickfühlerweichwanze, Spitzname „Rosi“, ist schüchtern, harmlos und fast ausschließlich auf der wohlduftenden Essigrose zu finden. Vielmehr ist es ihrer Seltenheit und der Gefährdung ihres Lebensraums – dem Saum – zu verdanken, dass man solch einen Trubel um sie macht. Zu Projektbeginn war nur ein einziges Vorkommen in Mitteleuropa bekannt: auf dem ehemaligen Standortübungsplatz in Ebern.

Seit Anfang des vergangenen Jahres befasst sich das Projekt „Rettet Rosi“, ein auf sechs Jahre angelegtes Verbundprojekt vom Institut für Biodiversitätsinformation e. V. (IfBI) und der Universität Würzburg (Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie), mit der Erforschung der kleinen Wanze und der Förderung ihres Lebensraums. Das Projekt wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

Unlängst erhielt „Rosi“ wieder alle Aufmerksamkeit, als das zweite Projekt-Vernetzungstreffen stattfand. Vor Ort waren neben dem Projektteam des IfBI und der Universität Würzburg unter anderem Vertreter des Programmbüros des Bundesprogramms Biologische Vielfalt, Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde Haßberge und von Naturschutzverbänden; außerdem Gebietsbetreuer, Insektenexperten und eine Mitarbeiterin des Umwelbildungszentrums Oberschleichach (UBIZ). Auch Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann, drückte durch seine Anwesenheit seine Wertschätzung für das Projekt aus.

Warum ist „Rosi“ so selten? „Rosi“ stellt ein Beispiel für Arten dar, die sehr spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Nur, wenn alles stimmt, kann man sie finden. Ihr Lebensraum ist der mit Essigrosen bewachsene, wärmeliebende Saum. Dies ist der Übergangslebensraum zwischen Wald und Offenland, eine natürliche Entwicklungsstufe hin zum Wald. Er ist stufenweise aufgebaut und steht der scharfen Abgrenzung zwischen Wald und Offenland entgegen, die wir meist in unserer heutigen Kulturlandschaft finden. Zur Maximierung der landwirtschaftlich oder anderweitig genutzten Flächen wird der Saum nämlich zumeist zurückgedrängt oder ganz entfernt. Viele Tiere und Pflanzen sind jedoch auf diese Übergangslebensräume angewiesen.

Tatsächlich ist die Artenvielfalt im Saum enorm. Neben „Rosi“ sollen im Projekt also viele Arten von einer Aufwertung des Saums profitieren. Wie ein Pflegekonzept zur Förderung und zum Erhalt eines Saums aussehen könnte, wird das IfBI auf der Basis eigener Beobachtungen und vor allem der Forschungsergebnisse der Universität Würzburg herausarbeiten.

Ein Highlight des Treffens waren die neuen Ergebnisse der „Rosi“-Zählungen auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Ebern. Wie schon im letzten Jahr haben auch in dieser „Rosi“-Saison (Ende Mai bis Anfang Juli) zwei Studierende der Universität Würzburg systematisch die „Rosis“ in den Essigrosensäumen des ehemaligen Standortübungsplatzes Ebern gezählt. Waren die Zahlen schon im letzten Jahr erfreulich hoch (471 Tiere über alle Standorte), so wurden in diesem Jahr in der Hochzeit der „Rosis“ über alle 47 Standorte etwa 1200 Individuen gezählt.

Lange Diskussionen schlossen sich an, welches die Gründe hierfür sein könnten. Einen großen Einfluss spielte sicher das warme, trockene Wetter der letzten beiden Jahre, das die wärmeliebende „Rosi“ gefördert hat. Ob sich die im letzten Winter verstärkt durchgeführten Pflegemaßnahmen im Saum zudem schon positiv ausgewirkt haben, wurde ebenfalls mit allen Anwesenden diskutiert. Ein wissenschaftliches Experiment über den kommenden Herbst/Winter zum Herausarbeiten des Einflusses der Pflege soll mehr Klarheit bringen.

Eine weitere erfreuliche Nachricht: Dachte man vor Projektbeginn noch, dass „Rosi“ nur noch auf dem ehemaligen Standortübungsplatz vorkomme, konnten die Forschungen durch Fabian Klimm, Doktorand an der Universität Würzburg, offenlegen, dass es „Rosi“ durchaus auch in weiteren Essigrosensäumen in Bayern gibt. Super für die Wanze, die jedoch trotzdem eine sehr seltene Tierart bleibt.

Ein weiterer Schwerpunkt im Projekt stellt die Umweltbildung dar. Mittels Umweltbildungsveranstaltungen und einer interaktiven Website zum Saum sollen Menschen über den hohen ökologischen Wert der Säume und ihre Bedrohung informiert werden. Im nächsten Jahr wird es wieder Vorträge und Exkursionen rund um den Saum geben.

 

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