Seßlach Altstadtfest, endlich wieder!

Bettina Knauth
Am kommenden Sonntag heißt es auch in Seßlach wieder: „O’zapft is’!“ Erstmals seit 2019 findet das traditionelle Altstadtfest am Wochenende wieder statt. Damals gelang dem neu gewählten Bürgermeister Maximilian Neeb (Bildmitte) der Anstich unter den Augen seines Vorgängers und jetzigen Landtagsabgeordneten Martin Mittag sowie „Mönch“ Thomas Rauscher ohne Probleme. Foto: Neue Presse/Bettina Knauth

Nach zwei Jahren feiert das dreitägige Event in Seßlach sein Comeback. Die Vorfreude ist groß, die Probleme sind es aber auch.

Endlich wieder Altstadtfest! In der „Perle des Coburger Landes“ steigt die Vorfreude, denn nach zwei Jahren Pandemie-Pause soll die beliebte Veranstaltung im historischen Zentrum am kommenden Wochenende wieder über die Bühne gehen. Mit leichten Abstrichen: Auf ein mittelalterliches Lagerleben und den historischen Umzug durch die Straßen und Gassen müssen die Besucher heuer noch einmal verzichten. „Solch große Programmpunkte müssen frühzeitig entschieden werden, das war angesichts der unklaren Corona-Lage leider nicht möglich“, wie Tourismuschefin Maria Brückner erläutert.

Erstmals richtet die Stadt das Altstadtfest selber aus. Für sämtliche Festlichkeiten ist nicht mehr wie früher der Tourismusverein zuständig; wichtige Entscheidungen trifft der nach der vergangenen Kommunalwahl neugegründete Tourismus- und Kulturausschuss. Wie die Beschränkung des Festes auf den ursprünglichen, kleineren Rahmen innerhalb der Stadtmauern. Zum ersten Mal zeichnet sich Maria Brückner, die ihr Amt am 1. Mai 2021 antrat, für die Organisation verantwortlich. Die 27-Jährige bekommt gerade zu spüren, was es heißt, in der von der Pandemie gebeutelten Veranstaltungs- und Gastronomiebranche nach Kooperationspartnern zu suchen. „Nach Corona ist es sehr schwierig, ausreichend Anbieter zu finden“, berichtet Brückner. Bei Absagen auf ihre Anfrage hin bekomme sie meist Personalmangel als Grund genannt.

Brückner: „Dies hat man bereits an der Seßlacher Kirchweih Anfang Juli gemerkt: Obwohl Monate vorher Schausteller angefragt wurden, hat sich nur ein Betreiber und das auch erst ein paar Tage vorher doch noch bereit erklärt, wenigstens für zwei Tage mit einem kleinen Karussell zu kommen.“ Aus Schausteller-Kreisen habe sie erfahren, dass gerade die kleinen Betriebe die Pandemie nicht überlebt hätten. „Die größeren Schausteller dagegen gehen nur noch auf die großen Volksfeste, um genügend Umsatz zu erwirtschaften“, schildert die Unterelldorferin. Schon Jahre vor der Pandemie sei der Personalmangel in der Branche angekommen. „Aber natürlich muss niemand hungrig oder durstig vom Altstadtfest nach Hause gehen“, versichert die Organisatorin. Und beim Bummeln durch die Gassen ließe sich durchaus das ein oder andere Mitbringsel entdecken.

Der nächste Rückschlag erreichte Brückner Ende März per E-Mail: „Karl Franz, der Besitzer des direkt an unserm Festplatz gelegenen ‚Roten Ochsen’ teilte mir mit, dass er seine jahrzehntelange Beteiligung am Altstadtfest aufgibt.“ Mehrere Faktoren hätten zum Rückzug geführt, bestätigt Franz auf Nachfrage der Neuen Presse. Veränderungen im familiären Umfeld, Ermüdungserscheinungen, Personalmangel, Lieferschwierigkeiten und die zunehmende Bürokratie: Eins habe zum anderen geführt. „Wir waren seit 1985 oder 1986 dabei, aber jetzt hat sich etwas in unserem familiären Umfeld verändert“, so der Gastwirt. „Die Oma mag nicht mehr, die Enkelkinder müssen betreut werden.“

Dem stehe der immense Personalbedarf gegenüber. „An jedem Posten muss schließlich jemand stehen.“ Frühere Lieferanten, wie zum Beispiel der am Fest beliebten Enten, hätten nur verringerte Mengen in Aussicht gestellt. Und der Aufwand – Franz nennt etwa die notwendigen Gesundheitszeugnisse – werde immer höher. Sein Fazit: „Das ist alles so aufwendig, dass es kaum mehr zu stemmen ist, das sieht aber kein Mensch.“ Andererseits rechnet der Gastronom mit weniger Nachfrage als vor Corona: „Es muss sich erst einmal wieder alles finden.“ Deshalb habe er „die Reißleine gezogen“ und überlasse den Platz nun Anderen. „Das wird schon!“, zeigt sich Franz überzeugt.

Der Wegfall der zweiten Wirtschaft am Maximiliansplatz, sonst für einen enormen Anteil am gastronomischen Angebot von Speisen und Getränken zuständig, ließ die Festorganisatorin nicht lange ratlos zurück. „Nachdem sich der Rückzug in unserem Städtchen schnell herumgesprochen hat, bot mir Stefan Sauerbrey vom Pörtnerhof an, am Altstadtfest einen Teil der Gastronomie am Maximiliansplatz zu übernehmen.“ Doch auch der Pächter der Gastwirtschaft in der Luitpoldstraße hat Schwierigkeit diese Doppelbelastung zu stemmen: „Da er bereits für den Altstadtfest-Samstag eine Hochzeit angenommen hatte, zweifelte Sauerbrey, ob er so kurzfristig sowohl ein Getränke- als auch ein Speisenangebot schaffen könnte.“

Einen Ausweg präsentierte Seßlachs Bürgermeister Maximilian Neeb. „Er schlug vor, die Stadt könnte mit ihren Stadträten, Mitarbeitern und Freunden des Seßlacher Brauhauses einen Getränkeausschank am Maximiliansplatz übernehmen, natürlich mit Bier aus dem Kommunbrauhaus!“, berichtet Brückner. Glücklicherweise habe der Stadtrat gerade einen dritten Kühltank für das Brauhaus genehmigt, sodass die Lagerkapazitäten entsprechend ausgebaut werden können. „Der Gerstensaft wird uns beim Fest bestimmt nicht schnell ausgehen“, lacht sie. Um das Speisenangebot kümmere sich Sauerbrey mit seinem Team. Für alle weiteren gastronomischen Stände wurden vorrangig Anbieter aus dem Stadtgebiet angefragt. „Personalmangel und Kostengründen haben es aber auch diesen Anbietern nicht leicht gemacht, eine Beteiligung zuzusagen“, so die Tourismusverantwortliche.

Die Eckpunkte des Festprogramms indes stehen fest. Den Auftakt bildet an diesem Freitag ab 17 Uhr der beliebte Stadtlauf. Der Samstag steht ganz im Zeichen des nicht gewerblichen Flohmarkts (ab 9 Uhr). „Es sind schon viele Anmeldungen für Stände eingegangen, einige wenige Plätze sind aber noch frei“, so Brückner. Nachmittags können sich jüngere Besucher dann auf „Mit-mach-Lieder & Aktionen für Kinder“ auf der Bühne freuen oder tagsüber Bogenschießen üben. Außerdem bietet der zweitägige Handwerkermarkt ihnen die Möglichkeit, aktiv zu werden, etwa beim Schnitzen, Tiere nähen oder Instrumente spielen. Am Sonntag findet der Gewerbemarkt statt, für den Brückner gern noch Anmeldungen entgegennehmen würde. Den traditionellen Bieranstich werden wie gewohnt die Böllerschützen auf der alten Rodachbrücke lautstark ankündigen. Tourismuschefin Maria Brückner: „Inzwischen hat alles Form angenommen, auch wenn noch viel zu tun und organisieren bleibt.“

 

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