Seßlacher Stadtpfarrkirche Es kehrt wieder Frieden ein

Von Bettina Knauth

Alles zurück auf Anfang: Nach heftiger Kritik dürfen Protestanten nun doch ihre Gottesdienste wie bisher in der katholischen Stadtpfarrkirche abhalten.

Protestanten dürfen nun doch wieder Gottesdienste in der Seßlacher Stadtpfarrkirche abhalten. Das zwischenzeitliche Aus hatte nach der Entscheidung von Pfarradministrator Peter Fischer (Mitte) für viel Aufregung gesorgt. Als Schlüssel zu mehr Vertrauen wird Pfarrer Tobias Knötig in einem ökumenischen Gottesdienst am kommenden Samstag einen eigenen Schlüssel zur Stadtkirche erhalten. Mit dabei wird auch Pastoralreferent Marek Bonk (links) sein. Foto: Knauth

Seßlach - Die katholische Stadtpfarrkirche in Seßlach steht auch weiterhin für evangelische Gottesdienste zur Verfügung. Das ergaben klärende Gespräche zwischen Pfarradminstrator Peter Fischer (Seßlach) und Pfarrer Tobias Knötig (Heilgersdorf/Gemünda) am vergangenen Dienstag, über deren Ergebnisse beide am gestern gemeinsam mit Pastoralreferent Marek Bonk informierten. Wie berichtet, hatte Pfarrer Fischer, der auch Leiter des katholischen Seelsorgebereichs Coburg Stadt und Land ist, Mitte April Gottesdienste von Protestanten in den Gotteshäusern der katholischen Kirche in Seßlach untersagt.

Nach der Werbung weiterlesen

Heftige Kritik

Nach teils heftiger Kritik, auch von gläubigen Katholiken, an dem Ende der jahrelangen Praxis der gegenseitigen Zurverfügungstellung der Kirchen waren beide Seiten offensichtlich auf Deeskalation bedacht. Einvernehmlich wurde beschlossen, dass prinzipiell an jedem zweiten Sonntag im Monat ein evangelischer Gottesdienst in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Johannes gefeiert werden kann, und das unentgeltlich. „Das soll nicht nur auf dem Papier gelten“, versicherte Fischer. Es sei denn, „gerechte Gründe“ stünden dem entgegen oder die evangelische Gemeinde verzichte von sich aus auf den Gottesdienst. Über protestantische Gottesdienste in anderen katholischen Kirchen Seßlachs könne „je nach Bedarf“ entschieden werden. Ferner sollen ökumenische Gottesdienste und Aktionen wieder im traditionellen Umfang stattfinden, sofern die Corona-Pandemie es wieder zulässt. Zur Vermeidung von Terminkollisionen, wie sie von katholischer Seite als Anlass für das Untersagen im April angeführt wurden, werden die Lutheraner Anfragen in Kopie an Pfarrer Fischer senden. Außerdem erhält die evangelische Kirchengemeinde einen eigenen Schlüssel für die Stadtpfarrkirche, um Problemen bei der Aus- oder Rückgabe des Schlüssels vorzubeugen.

Vorab hatten die Verantwortlichen beider Gemeinden klärende Gespräche mit den übergeordneten Ebenen geführt. Nach den hohen Wellen, den die Entscheidung Fischers und die heftige Reaktion Knötigs geschlagen hatten, gaben sich beide Geistliche selbstkritisch. Er habe Fischers „Nein“ als endgültig angesehen und nicht das Gespräch gesucht, bekannte Knötig. Stattdessen hatte er im Seßlacher Amtsblatt die Gläubigen informiert.

„Ich hätte nicht gedacht, dass die Reaktionen so durch die Decke gehen würden“, so der Heilgersdorfer. „Die Aufregung hätten wir uns sparen können“, fand auch der Pfarradministrator, „das Thema ist schnell nach ganz oben gespült worden.“ Sein Schritt habe sich keineswegs gegen die Ökumene gerichtet, beteuerte Fischer. Vielmehr habe er sich lediglich „dieses eine Problem vom Hals halten wollen“. Um sich mit allen Herausforderungen seines 22 000 Gläubige umfassenden Seelsorgebereichs befassen zu können, fehle es ihm schlicht an Zeit und Elan, bekannte er: „Persönliche Kontakte sind da für einen Pfarrer immer schwieriger möglich.“

Persönliche Angriffe

Getroffen zeigte sich Fischer über persönliche Angriffe: Ohne seine Beweggründe zu erfragen sei einfach gegen ihn „geschossen“ oder Unwahrheiten verbreitet worden. Der Bamberger Generalvikar Georg Kestel hatte Fischer zu Beginn der letzten Woche freie Hand für eine einvernehmliche Lösung gegeben. „Das Signal lautete: Da müsst Ihr vor Ort schauen!“, so der Pfarradministrator, über die Weisung Kestels aus Bamberg aus dem Jahr 2013 könnten sich die Verantwortlichen wegen der „eigenen Situation in Seßlach“ hinwegsetzen. Nun hätten beide Seiten die Beschlüsse in „guten, unaufgeregten Gesprächen“ gefällt. Zukünftig wollen Knötig wie Fischer das persönliche Gespräch suchen.

Evangelische Trauerfeiern könnten demnach selbstverständlich in katholischen Kirchen gefeiert werden, zumal diese oftmals am Friedhof lägen, versicherte Fischer. Dies habe nie infrage gestanden, auch wenn dies in Seßlach teilweise anders kolportiert wurde. Auch lutherische Trauungen könnten in Gotteshäusern der anderen Konfession stattfinden, wenn das Brautpaar einen klaren Bezug zu einer bestimmten Kirche oder einem Ort hat, an dem keine evangelische Kirche als Alternative zur Verfügung steht. Einen „Hochzeitstourismus“ soll es nicht mehr geben. Fischer: „Wenn es nur um die Kulisse geht, frage ich mich, ob den Brautleuten klar ist, was sie da feiern?“ Für ihn sei die Kirche „nicht nur ein Veranstaltungsort, sondern ein besonderer Ort, der von Beziehungen lebt“, betonte der Pfarradministrator. Künftig nicht mehr in katholischen Kirchen gefeiert werden sollen evangelische Taufen. Dafür gebe es gemeindetheologische Gründe, erläuterte Fischer: „Wir taufen ja in die konkrete Gemeinde hinein.“

Miteinander

„Ich denke, das ist alles sehr im Sinne der Seßlacher und des ökumenischen Miteinanders insgesamt“, meinte der katholische Geistliche. Auch Knötig möchte die Ökumene wieder in den Mittelpunkt rücken. „Die aufgeregten Reaktionen der vergangenen Wochen haben gezeigt, wie wichtig den Leuten eine gute Gemeinschaft ist“, sagte der Geistliche. „Das sollte selbstverständlich sein“, fügte sein Kollege hinzu.

Als sichtbares Zeichen des wiedergefundenen Miteinanders soll am kommenden Dreifaltigkeitssonntag, 30. Mai, um 18.30 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der Seßlacher Stadtpfarrkiche gefeiert werden. „Dabei wird auch die Schlüsselübergabe stattfinden“, informierte Fischer. Von evangelischer Seite wird dieser Schritt Knötig zufolge „als großer Vertrauensbeweis“ gewertet.